Turbo-Einbürgerung in Regensburg: Für mehr als 2000 Neubürger gab es Grundgesetze

Von Christian Eckl · 15. November 2025 um 05:00

Schon über 2000 Einürgerungen hat die Stadt Regensburg heuer durchgeführt. An erster Stelle stehen dabei Kosovaren und Albaner, erst dann kommen die Syrer. Die Mediengruppe Bayern war mit der 34-jährigen Teona Gogelia im Bürgerzentrum, wo sie ihre Einbürgerungsurkunde abgeholt hat. Dabei verwundern vor allem die Kosten.

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Wirklich würdevoll wirkt das Bürgerzentrum im Neuen Rathaus nicht. Gemeinhin stellt man sich eine Einbürgerung festlich vor – ist sie aber nicht. Das merkte Teona Gogelia am gestrigen Freitag, als sie Deutsche wurde. Und damit in Regensburg so richtig einheimisch. Die 34-Jährige ist eine von jährlich etwa 2000 Bürgern, die sich für die deutsche Staatsbürgerschaft bewerben – und mit deutschem Pass das Rathaus verlassen.

Andreas Geyer ist Leiter des Bürgerzentrums. Er macht klar: „Früher hatten wir etwa 200 Einbürgerungen im Jahr, jetzt sind wir bei über 2000.“ Die Stadt könne keinen separaten Raum für die Einbürgerung zur Verfügung stellen.

Deshalb läuft die Einbürgerung der jungen Frau so ab, wie bei jedem anderen Amtsgeschäft auch, das Bürger im Neuen Rathaus zu erledigen haben: Sie zieht erst einmal eine Nummer. Dann wird sie aufgerufen. Die Mitarbeiterin des Bürgerzentrums legt zunächst eine Rechnung vor: 255 Euro kostet die Urkunde über die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Pass geht extra, den muss Gogelia anschließend erst beantragen – hierzu muss sie noch mal eine Nummer ziehen. Dann spricht sie den entscheidenden Satz: „Ich erkläre feierlich, dass ich das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland achten und alles unterlassen werde, was ihr schaden könnte.“ Jetzt ist sie Deutsche. Sie bekommt noch ein Grundgesetz und die Verfassung des Freistaates Bayern mit überreicht. Die Blümchen gibt es von Freunden.

Die Einbürgerung ist Routine geworden im Bürgerzentrum. Allein im Jahr 2024 überreichten städtische Mitarbeiter knapp 1650 solcher Urkunden, die die deutsche Staatsbürgerschaft verleihen. Bis zum 31. Oktober waren es heuer bereits knapp 2050 neue Staatsbürger. Möglich gemacht hat das die Turbo-Einbürgerung, die noch die Ampel eingeführt hat. Die Stadt Regensburg hat ebenfalls einen Turbo eingelegt: Am 27. September hatte Gogelia ihre Unterlagen vorgelegt und einen Antrag auf Einbürgerung gestellt. Knapp zwei Monate später ist sie durch.

Nun hat sie zwei Pässe

Georgier wie sie sind eher die Ausnahme. 27 waren es heuer, die Deutsche wurden. Schneller geht es deshalb, die Staatsbürgerschaft zu bekommen, weil nicht mehr geklärt werden muss, ob der Staat des Herkunftslandes behalten wird. Gogelia behält ihre Staatsbürgerschaft in Georgien.

Gogelia hat ihren Partner mitgebracht. Felix Gotzler ist Lehrer an der Clermont-Ferrand-Mittelschule. Auch dessen Mutter ist mitgekommen. Für Gogelia ist die Familie ihres Partners, die auch mitgekommen ist zu diesem Termin, sehr wichtig. „Mein Partner und seine Familie haben mir sehr geholfen, mich zu integrieren.“ Es sei sehr schwer, Anschluss zu finden.

Erstmals war sie 2009 nach Deutschland gekommen, damals als Au-pair-Mädchen. Doch nach drei Monaten bekam sie Heimweh und kehrte zurück. „Ich wollte schon als Kind ins Ausland, deshalb habe ich es später nochmals versucht.“ 2019 ging sie zu einer speziellen Agentur, die ihr einen Ausbildungsplatz in der Systemgastronomie vermittelte.

Die Einbürgerungsurkunden werden, wie Bewohner-Parkausweise und Pässe, im Bürgerzentrum ausgehändigt.

Am Goethe-Institut lernte sie Deutsch. Dann reiste sie nach Deutschland aus, zunächst nach Nürnberg. Gogelia hat vom ersten Tag an gearbeitet. „Ich wollte die deutsche Staatsbürgerschaft eher deshalb haben, weil ich keine Lust mehr auf diese Bürokratie habe“, sagt die 34-Jährige. Denn als Georgierin müsste sie jedes Mal, wenn sie eine neue Stelle antreten will, das Amt fragen. Neben ihrer Vollzeitstelle in einer Bäckerei in der Regensburger Altstadt hat Gogelia nämlich eine Ausbildung zur Make-up-Künstlerin absolviert. „Mein Traum ist, einmal für den Film oder für das Stadttheater zu arbeiten.“ Doch die Gesetzeslage hatte sie bisher an ihren Arbeitgeber gekettet, ein Wechsel hätte ihren Aufenthaltsstatus gefährdet.

Es ist noch gar nicht lange her, dass sich schräg gegenüber des Rathauses etwa 600 Protestierende versammelten. Sie begehrten auf gegen die Stadtbild-Aussage des Kanzlers. Gogelia fällt im Stadtbild nicht auf. Sie fühlte sich von der Debatte auch nicht angesprochen. „Die Leute mögen dich, wenn du integriert bist und die Sprache sprichst“, sagt die Deutsch-Georgierin. „Wenn du nicht arbeitest, dann haben die Leute Probleme mit dir.“ Das verstehe sie aber auch: „Ich mag das auch nicht, denn ich zahle das auch mit meinen Steuergeldern.“

Den georgischen Pass darf Teona Gogelia behalten. Sie kam nicht als Asylbewerberin ins Land, sondern als Arbeitskraft.

Liebeserklärung an das Land

„Ich liebe dieses Land, ich liebe die Sprache – nur die Menschen könnten freundlicher sein“, findet die neue deutsche Mitbürgerin. Und sie hat auch eine Botschaft für die Regensburger: „Als Deutscher hat man ein so schönes Leben. Viele Leute wissen leider nicht, wie es anderswo auf der Welt ist.“

Info: Diese Nationalitäten werden eingebürgert

Gesetzeslage: Die Zahl der Einbürgerungen ist im laufenden Jahr nochmals deutlich gestiegen. Das hat einerseits mit der Turbo-Einbürgerung der abgewählten Ampel-Regierung zu tun. Aber auch damit, dass die neue Regierung mit Abschiebungen droht.

Rahmenbedingung: Derzeit läuft etwa die Debatte, ob Syrer nach dem Ende des Bürgerkriegs wieder in ihr Land zurückkehren müssten. Das Grundgesetz gewährt Asyl nur bei Krieg und Verfolgung, die gibt es in Syrien nicht mehr – aber auch nicht in anderen Ländern. Und weil der politische Wind sich dreht, lagen beispielsweise Kosovaren (179 Einbürgerungen) und Albaner (150) an der Spitze der Nationalitäten, die in Regensburg die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt haben. Erst dann kamen Syrer (143).

Spurwechsel: Das Gesetz sieht aber auch den Spurwechsel vor. Wer als Asylbewerber arbeitet oder eine Ausbildung macht, kann sich auf das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz berufen. Dazu muss aber der Asylantrag zurückgenommen werden.