Ritterschmied Willi Späth aus Furth im Wald hat bewegte Drachenstichjahre erlebt

Von Alexander Frimberger · 15. November 2025 um 05:00

Beim diesjährigen Ritterkranzl wurde Willi Späth aus Furth im Wald (Landkreis Cham) mit allen ihm zustehenden Ehren in den Ritterschmied-Ruhestand verabschiedet. 38 kühne Recken hat er auf den Job des Drachentöters vorbereitet. Damit ist jetzt Schluss. Im Gespräch blickt er auf seine ganz persönliche Drachenstichgeschichte zurück.

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Willi Späth treffe ich bei meinem Besuch dort an, wo man ihn eigentlich immer findet: Beim Stall oder auf der Koppel. Er fegt den Hof und lächelt freundlich, als er mich sieht. „Ich bin ein bisschen spät dran“, sagt er. Arzttermin, kochen und viele Handgriffe mehr, muss er neben der Arbeit mit und für die Pferde auch noch erledigen. Langweilig wird es ihm nicht, so viel ist schon einmal sicher. Im Stall zieren Bilder von Rittern, die er trainiert hat, eine ganze Wand.

Die Eintrittskarte: La Belle

Im Jahr 1973, erinnert er sich, als wir dann in der guten Stube sitzen, hat er dem ersten Ritter in die Steigbügel geholfen. Hermann Dirscherl war das, seine Ritterin hat Michaela Hirschmann geheißen. Dann klafft eine Lücke bis ins Jahr 1982. Sein Pferd La Belle war es, die ihm letztlich zu seiner Lebensaufgabe verholfen hat. Die war nämlich pechschwarz, genau so eines wollte Ritter Uli Dimpfl (Ritterin: Martina Haimerl) haben. „Ein wunderbares Pferd“, schwärmt Späth, der sich natürlich an alle seine Ritterpferde mit großer Freude und Dankbarkeit erinnert. Lucky Luke, Chamberlain, Lee, zuletzt Goya und Sam heißen weitere treue Begleiter. „Drei meiner Pferde habe ich durch Krankheit verloren“, sagt er bedauernd. Bis auf Sam hat er alle aus eigener Tasche bezahlt.

Bei dem Thema wird er ein wenig nachdenklich, denn sein Enthusiasmus hat ihn über die Jahre einen fünfstelligen Betrag gekostet, den er aus eigener Tasche bezahlt hat. Er hat für seine Arbeit zwar immer eine pauschale Vergütung bekommen, doch damit konnten die Sonderausgaben nicht gedeckt werden. Goya ist so ein Beispiel. Auch sie hat wohl den letzten Drachenstich in dieser Saison absolviert.

Pferd soll auf dem Hof bleiben

„Sie bleibt bei mir bis zu ihrem Lebensende und bekommt ihr Gnadenbrot.“ Vor einigen Jahren hieß es, die habe eine Krankheit. Späth hat sie durchchecken lassen. Es hat sich herausgestellt, dass sie lediglich beim Rückwärtsgehen Koordinationsprobleme hat. Das hatte zur Folge, dass der Reitlehrer einen Hänger anschaffen musste, der auch einen Ausstieg nach vorne hat.

Solche Sonderausgaben, die nicht unmittelbar mit dem eigentlichen Festspiel zu tun haben, meint er. Sam gehört ihm nicht. Auch er wird nicht mehr in die Arena reiten. „Ich habe das Vorkaufsrecht“, sagt Späth. Das will er auch nutzen. Julia Kaufmann, die ihm bei der Reitausbildung hilft und ganz vernarrt in den heißblütigen Hengst ist, hat Interesse angemeldet, ihn zu kaufen. „Ihr würde ich ihn geben“, so Späth, „allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er auf dem Hof bleibt.“

Tiere müssen verwöhnt werden

38 jungen Männern hat er seine Pferde anvertraut. 38 Mal musste er aus zumeist unerfahrenen Reitern, Ritter machen, die in der Lage sind, mit einer Hand am Zügel, die andere hält die Lanze, in die Arena zu galoppieren und das zu tun, wonach alle Zuschauer lechzen: Das Maul des Drachen treffen. Wenn der Ritterschmied das heutige Spiel mit dem von früher vergleicht, dann ist die Antwort klar: „Es ist so professionell geworden, da darfst du dir keine Fehler mehr leisten.“ Um so wichtiger ist es, die unerfahrenen jungen Männer bis ins Detail auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Rund 150 Stunden stehen dafür zur Verfügung.

Späth hat immer dafür plädiert, den Ritter früher bekannt zu geben, damit die Anwärter mehr Zeit mit den Tieren haben. Man müsse sie verwöhnen, Streicheleinheiten geben und Zeit mit ihnen verbringen. „Die müssen sich freuen, wenn der Ritter in den Stall kommt. Nur dann funktioniert es.“ Wenn es darauf ankommt, müssen Ross und Reiter eine Einheit bilden. Wenn das Pferd genaue Anweisungen bekommt, tut es auch, was es soll.

Konkrete Anekdoten mag sich Späth nicht wirklich entlocken lassen. Nur so viel, er erinnert sich gerne an schöne und gute Zeiten. Mit vielen Rittern und deren Familien besteht bis heute ein freundschaftliches Verhältnis. Sie kommen an seinem Geburtstag vorbei oder auch an Weihnachten. „Da gibt es saure Zipfel“, sagt er und lacht. Er hat sich schon das Versprechen abnehmen lassen, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Schon als Zwölfjähriger ist Späth beim Festzug mitgeritten. - Foto: Archiv /Familie Späth

Das goldene Ticket

Dann fällt ihm doch noch eine Begebenheit ein, über die er heute lachen kann. Ein einziges Mal wäre er um ein Haar zu spät gekommen. Die Familie hatte Besuch, als seine Tochter sagte, er müsse langsam los, war er schon spät dran. Dann gab es Stau. Als er schließlich am Stadtplatz ankam, war das Pferd noch gar nicht richtig raus aus dem Wagen, da ging schon das Tor auf und der Ritter musste zur Anfangsszene reiten. „Das ging so schnell, ich hab den Sattelgurt erst vor der Bühne fest gezogen.“

Schon vor seiner Zeit als Reitlehrer war er Pferden und auch dem Drachenstich fest verbunden. Als Zwölfjähriger ist er beim Festzug mitgeritten, hat später von seinem Opa das erste Pferd bekommen, weil er es sich nicht leisten konnte. „Er hat ein paar Bäume gefällt und verkauft.“ Auch bei den Sattelbognern und anderen Formationen ist Späth mitgeritten.

Auf die Frage, ob er das Stück schon ganz gesehen hat, muss er kurz überlegen, dann sagt er, einmal habe er es gesehen. Jetzt hat er ja ein Goldenes Ticket bekommen, darf zusehen, so oft er will. Das wird er auch: „Mich interessiert schon, wie es mein Nachfolger macht.“