Hochschule in Neumarkt zeigt neueste Forschungsergebnisse: Wie uns das alle betrifft

Von Wolfgang Endlein · 13. November 2025 um 19:00

Der Ohm Sustainability Campus in Neumarkts neuem Hochschulgebäude macht es einem schon beim Namen nicht leicht. Dahinter verbirgt sich aber ein alltagsnahes Thema: unsere Ernährung. Die neuesten Ergebnisse dazu stellten die Professoren und Studenten vor. Dabei wurde ebenso deutlich, wohin der Campus sich entwickeln soll.

Die Stadt hat viel Zeit, Arbeit und Geld investiert, um die Hochschule nach Neumarkt zu holen. „Wir müssen Leben in die Bude bringen“, benennt Professor Tobias Gaugler, was jetzt von der TH Nürnberg erwartet wird. Gaugler ist der Leiter des Campus, der aktuell drei Professoren beherbergt.

Sie betreuen rund 140 Studenten im Studiengang „Management in der Ökobranche“. Mit dem neuen Masterstudiengang „Nachhaltige Ernährungssysteme, Kreislauf- und Ressourcenwirtschaft“ wächst die Zahl der Professoren auf sechs. Im Wintersemester geht es los. Bis 2030 soll die Zahl der Professoren gar auf zehn steigen und mit ihnen die Zahl der Studenten auf bis zu 400.

Campus Neumarkt der TH Nürnberg sichert sich Millionen an Fördergeldern

Dass es vorangeht mit dem „Leben in die Bude“-Bringen, zeigt auch das Forschungsprojekt „Besser.essen“. 1,6 Millionen Euro gibt es dafür vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung. Der Campus leitet das Projekt, für das man mit anderen Forschungseinrichtungen und Unternehmen zusammenarbeitet.

Wie wir uns nachhaltiger ernähren können, ist eine der großen Fragen, der am Campus nachgegangen wird. Dabei stößt man jedoch auf eine große Hürde: „Wir Menschen haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem“, sagt Gaugler. Die meisten wissen oder ahnen zumindest, dass beispielsweise viel Fleischkonsum nicht nur ungesund ist, sondern auch dem Klima und der Umwelt schadet.

Dazu hat Gaugler auch mit seiner Forschung zu den wahren Kosten von Lebensmitteln beigetragen. 2023 sorgte er gemeinsam mit Penny für Aufsehen, als der Discounter manche Produkte mit dem „wahren“ Preis auszeichnete. Gemeint ist damit der Preis, den das Lebensmittel haben müsste, wenn man alle durch die Produktion verursachten Umweltschäden berücksichtigt.

Tobias Gaugler ist Professor an der TH Nürnberg und leitet den auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisierten Campus in Neumarkt. - Foto: Hirschfeld

Der aktuelle Konsum berücksichtige das noch zu wenig, sagt Professor Gaugler. Wie die Menschheit stattdessen agiert, macht er anhand eines Bildes anschaulich. Das aktuelle Verhalten sei so, als zahle man beim Metzger von drei Kilogramm Hackfleisch nur eines. Mit dem Hinweis, den Rest begleiche irgendwer irgendwann. Gaugler: „Was würde da wohl der Metzger sagen?“

Neumarkter Studenten untersuchen, wie gesunde Ernährung in Mensen klappt

Doch Wissen ist das eine, das Verhalten etwas anderes. Welche Anreize helfen, dass Menschen ihr Verhalten verändern, wollen die Wissenschaftler mit dem Forschungsprojekt „Besser.essen“ noch stärker erforschen. Vorstudien dazu hat es bereits am Campus gegeben – von Studenten.

In vier Hochschulmensen in Bayern untersuchten sie, was hilft, Verhalten zu verändern: Informieren? Emotionen ansprechen? Oder menschliche Verhaltensweisen nutzen? Neben beispielsweise Plakaten, deren Bilder und Informationen bewusst schocken sollten, ging es auch darum, Teller so zu platzieren, dass umweltfreundlichere Produkte leichter erreichbar waren.

Report: Wie sich Ernährung auf Gesundheit und Klima auswirkt

• Wissenschaftler: Unsere Ernährung müsse sich ändern, sagt auch Marco Springmann von der Universität Oxford. Er war Gastredner bei einer Fachkonferenz am Campus Neumarkt. Springmann arbeitet mit am EAT-Lancet-Report.

• Report: Dieser analysiert, wie es weltweit um die Ernährung bestellt ist, und, wie sie sich ändern muss, damit die wachsende Menschheit gesund ernährt werden kann, ohne die Ressourcen der Erde zu überlasten.

• Killer: Einer von vier Menschen sterbe an den Folgen einer ungesunden Ernährung, fasste Springmann eines der Ergebnisse des Reports zusammen. Falsche Ernährung sei einer der größten Killer weltweit, lautete sein Fazit.

• Empfehlung: Im Report geben die Wissenschaftler Empfehlungen für eine nachhaltige und gesunde Ernährung. Im Kern geht es darum, tierische Produkte deutlich zu reduzieren und sich überwiegend durch Pflanzen zu ernähren.

Mit „Besser.essen“ soll der Forschungsansatz intensiviert werden. In Deutschland werden täglich 17 Millionen Mahlzeiten in Kantinen, Hotels, Online-Bestellsystemen etc. ausgegeben. Das sei ein riesiger Hebel, um Ernährung nachhaltiger und gesünder zu machen, sagt Gaugler.

Die Ergebnisse seien auch für andere Bereiche wie die Bekleidung interessant, erklärt der Wissenschaftler. Dort gebe es ebenfalls große Potenziale für mehr Nachhaltigkeit.

Es mangelt also nicht an Arbeit für den Campus in Neumarkt in den kommenden Jahren.