Hochschule in Neumarkt wirkt noch recht leer: Was wird getan, um das zu ändern?

Neumarkt soll eine Hochschule haben, um junges Leben in die Stadt zu holen und den Unternehmen Mitarbeiter zu liefern: Das ist die Vision, mit der die Stadtpolitik den 13,5 Millionen Euro teuren Bau eines Hochschulgebäudes vorantrieb. Seit vergangenem Herbst studieren Studenten der TH Nürnberg dort. Doch von Hochschul-Flair ist noch wenig zu spüren.
Vergangene Woche hatte unser Medienhaus über drei junge Menschen berichtet, die zum Studieren nach Neumarkt gezogen sind. Damit sind sie in der deutlichen Minderheit. Ein Großteil ihrer Kommilitonen pendele nach Neumarkt, erklärten sie.
„Ich teile den Eindruck, dass es sehr leer ist“, hatte auch Professor Jan Niessen über das Hochschulgebäude gesagt, dies aber eingeordnet: Der Sprung vom Haus St. Marien in das neue Gebäude brachte von einem Semester auf das andere deutlich mehr Platz, ohne dass es gleichzeitig auch mehr Studenten gegeben hätte.
Neumarkter Hochschulgebäude hat Potenzial für bis zu 400 Studenten
Das zu bewerkstelligen und sich der erwähnten Vision eines blühenden Hochschul-Standorts zu nähern, ist eine Arbeit von weiteren Jahren, wie die Verantwortlichen im Neumarkter Rathaus und jene der TH Nürnberg betonen.
Das Hochschulgebäude bietet nach Einschätzung der TH Platz für 300 bis 400 Studenten, was rund drei Studiengängen entspräche. Bislang gibt es den Bachelorstudiengang „Management in der Ökobranche“ mit rund 130 Studenten. „Mit einer maximalen Auslastung des Standorts ist bis ca. 2030 zu rechnen“, erklärt die TH.
Dafür werde derzeit ein Masterstudiengang mit dem Arbeitstitel „Nachhaltige Ernährungs- und Ressourcenwirtschaft“ entworfen. Bis zu einem fertigen Studiengang ist es ein weiter Weg: Neben einer Bedarfsanalyse muss die Hochschule sicherstellen, dass sie über die Ressourcen verfügt, unter anderem passende Professuren und das nötige Geld. Lernziele und Inhalte müssen definiert werden, die Hochschulgremien zustimmen und der Studiengang einer externen Prüfung der Qualitätsstandards standhalten.
Magisterstudiengang soll in Neumarkt im Jahr 2027 kommen
Im Fall des Masterstudiengangs müssen laut der Hochschule vor allem noch weitere Professuren berufen werden. Mit einem Start sei daher frühestens zum Wintersemester 2027/28 zu rechnen.
Um das Gebäude auszulasten, bräuchte es dann aber immer noch einen weiteren Studiengang. Ein Bachelorstudiengang mit Synergien zu den bestehenden Studiengängen und mit internationaler Ausrichtung ist laut TH angedacht.
Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn (CSU) ist zufrieden, wie sich das Hochschul-Projekt entwickelt. Teile der Vision seien bereits umgesetzt, betont er. Die Inbetriebnahme des neuen Gebäudes sei zeitlich und finanziell planmäßig verlaufen. Zudem sei die Zahl der Studenten des in Neumarkt angebotenen Studiengangs trotz pandemischer Auswirkungen stabil bis steigend.
„Nun gilt es, in den kommenden drei bis fünf Jahren einen weiteren Bachelor- und Masterstudiengang zu etablieren und das Gebäude auszulasten“, erklärt der Rathauschef. Strategische Gespräche mit der Staatsregierung und der TH fänden demnächst statt.
Das Raumpotenzial des Gebäudes will die Stadt in der Zwischenzeit nicht ungenutzt lassen. Es sollen dort externe Veranstaltungen mit wirtschaftlichem Bezug ebenso stattfinden wie in studienfreien Zeiten beispielsweise Lehrveranstaltungen der VHS. Ergänzend prüft die Technische Hochschule, ob sie berufliche Fortbildung anbietet.
OTH Amberg-Weiden plant ebenfalls Studiengänge in Neumarkt
Darüber hinaus überlege man, das Gebäude kooperativ mit anderen Hochschulen zu nutzen, erklärt das Rathaus. Gemeint ist damit die OTH Amberg-Weiden, die bereits mit Programmen für Fort- und Weiterbildung im Schauturm am LGS-Gelände aktiv ist. Komplette Studiengänge aus dem Spektrum Gesundheitspflege sollen diese künftig ablösen bzw. ergänzen. Die Studiengänge seien zunächst für ca. 30 Studenten vorgesehen, wobei die Anzahl sukzessive, je nach räumlichem Angebot, erweitert werden soll. Für Letzteres gebe es bereits Überlegungen, erklärt die Stadt, ohne konkret zu werden.
Um die eigene Vision voranzubringen, schiebt die Stadt nicht nur mit Räumen an. Sie sieht sich als Vernetzer von Hochschule und Wirtschaft. Theorie und Praxis zusammenzubringen ist auch die Idee bei Dreamdriven, das Start-up-Gründer fördert. Das Projekt, an dem die Stadt beteiligt ist, hat ein Haus direkt neben der Hochschule bezogen.
Die Investitionen und Anstrengungen lohnen sich aus Sicht von Ochsenkühn in mehrerlei Hinsicht. Die Hochschule soll junge Menschen in der Region halten, neue anlocken und so etwas für die Belebung der Stadt sowie etwas gegen den Fachkräftemangel tun. Die Ausrichtung der Studiengänge auf Nachhaltigkeit entspreche zudem der städtischen Agenda.