Vier Studenten leben im neuen Wohnheim: Wie erleben sie das Campusleben in Neumarkt?

Das helle Holz in dem bunten Studentenwohnheim am Residenzplatz riecht noch nach Neubau. Auch gegenüber den topmodernen Vintage-Häuschen herrscht im neuen Lehrgebäude der TH Nürnberg noch wenig Uni-Leben. Wer gelegentlich vorbeiläuft, sieht: nur wenige Menschen. Wie es um das Studentenleben am Standort Neumarkt steht, berichten drei Studenten und ein Professor.
Felix Weiss, Celina Ehrnsperger und Lena Guckenberger studieren im zweiten Semester den Bachelor Management in der Öko-Branche – und sind drei der vier Bewohner des Wohnheims. Die ersten von möglichen 22, die laut Stadt in neun möblierten Einheiten wohnen könnten.
Das neue Hochschulgebäude sei „ein großer Pluspunkt“, sagt Ehrnsperger. Nach den Vorlesungen gebe es noch Cafés oder Bars, in die man gehen könne. Die 23-Jährige kommt aus dem Landkreis Nürnberger Land. Das Wohnheim und die für einen Neubau günstige Miete, „das war auf jeden Fall ein großer Faktor für mich, dass ich sage: Okay, ich ziehe hier hin und nicht nach Nürnberg und pendle dann immer raus.“ Inklusive Nebenkosten zahlen die Bewohner laut Stadt je nach Größe zwischen 260 und 450 Euro.
Auch für Felix Weiss macht neben dem Hochschulgebäude das Wohnheim den Standort attraktiv. „So gefällt’s mir eigentlich auch ganz gut“, sagt der 22-Jährige, der aus der Nähe von Ansbach kommt. Zum Pendeln sei die Strecke zu weit und die Wohnungen auf dem Mietmarkt fand er teuer. Auf der städtischen Internetseite habe er dann das Wohnheim entdeckt und sei im Dezember eingezogen. Ähnlich erlebte es Lena Guckenberger.
Viele Studenten pendeln von Nürnberg
Die meisten ihrer Kommilitonen jedoch pendeln für den Studiengang, viele aus Nürnberg, erklärt Guckenberger. Nur eine weitere Person außer den vieren im Wohnheim lebe vor Ort.
Dabei biete die Stadt viel, gerade beim Einkaufen, findet Guckenberger. Dass der Neue Markt zudem neben an ist, sei super, ergänzt Ehrnsperger. „Es ist halt alles laufnah.“ Auch Sport sei durch Fitnessstudios geboten.
„Aber da fehlen, finde ich, auch ein bisschen die Angebote für Studenten, wie es in Nürnberg an der Hochschule ist. Dass man Sportkurse für Studenten macht“, wirft Guckenberger ein. Begeistert sei sie jedoch vom fertiggestellten Stadtpark nebenan. Das findet auch Ehrnsperger: „Da gehen wir oft spazieren und trinken Kaffee. Das ist echt schön geworden.“
Was also fehlt noch für ein Studentenleben? „Vielleicht, dass zum abends Weggehen noch mehr Bars angeboten werden. Die auch ein bisschen an Nürnberg angepasst sind“, sagt Ehrnsperger. „Es hängt im Endeffekt immer von den Kommilitonen ab, ob man weggeht oder nicht“, meint Weiss. Ein paar Mal seien sie weggewesen, einmal im Unteren Ganskeller. „Da ist halt dann donnerstagabends Stammtisch.“ Sein Eindruck: „Jüngere Neumarkter, in unserem Alter, sind nicht so viele unterwegs, wie bei mir zu Hause oder in Nürnberg.“ Dennoch würde er Studiengang und Standort empfehlen.
Die Atmosphäre auf dem Campus empfinde er aber bisher als „leer“. „Dadurch, dass meistens nur unser Semester oder vielleicht noch ein zweites da ist, sind vielleicht immer so zwischen 15 und 30 Leute hier“, erklärt er. Auf der anderen Seite habe das den Vorteil, dass man sich dadurch untereinander kenne, sagt Ehrnsperger. Lena Guckenberger bedauert, dass es so wenige sind, „jetzt, da wir auch so viel Platz haben“.
Noch müssen die drei wenig Pendeln. Die Veranstaltungen vom ersten bis zum dritten Semester fänden in Neumarkt statt, erklärt Weiss. Ab dem vierten kämen Veranstaltungen in Nürnberg dazu. Beispielsweise Laborpraktika, „weil es hier kein Labor gibt“, erläutert Professor Jan Niessen. Ebenso die Vertiefungsschwerpunkte im vierten und sechsten Semester.

Das Meiste finde außerdem in Präsenz statt, nur ein Tutorium sei online, sagt Felix Weiss. Auch Niessen betont, dass Online nur eine Ergänzung sei, schließlich handele es sich um einen Präsenzstudiengang. Auch wenn im Nachgang von Corona noch damit experimentiert werde.
„Ich teile den Eindruck, dass es sehr leer ist“, erklärt Niessen. „Wir haben einfach von einem Semester auf das nächste mehr Platz gehabt“, aber eben nicht mehr Studenten. Jetzt sei es ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Studiengang weiterentwickelt werde und weitere hinzugefügt würden. „Das dauert alles seine Zeit.“ Dafür benötige man auch mehr Professoren.
Ziel für Neumarkt sind mehr Studiengänge
Wenn die drei ihren Bachelor beenden, dann – hofft Niessen – sei bereits ein Master etabliert. Ziel sei es, einmal zwei Bachelor- und zwei Master-Studiengänge in Neumarkt anzubieten. Lokale Ausbildung „vom Kindergarten bis zur Promotion“.
Auch die Studenten sehen für ein Neumarkter Hochschulleben Potenzial: „Wenn mehr da sind“, sagt Ehrnsperger. Weiss hofft für das Wohnheim auf das Wintersemester: „Wenn es wieder losgeht und neue Erstis kommen, dass vielleicht zehn, fünfzehn noch einziehen.“
Info: Freie Zimmer im Studentenwohnheim
• Wohnheim: Auf Anfrage teilte die Stadt mit, die Nachfrage sei seitens der Ohm-Studenten und speziell des Studiengangs eher niedrig. Die Gründe wisse man nicht. „Unser Wohnungsangebot wurde von der Hochschule an die Studierenden weitergegeben. Eine aktive Bewerbung durch die Stadt hat bisher nicht stattgefunden“, heißt es weiter.
• Anfragen: Es kämen jedoch immer wieder Anfragen, auch von Studierenden oder Azubis, die nicht in Neumarkt studieren oder den dort angebotenen Bachelor belegen.
• Studiengang: Derzeit umfasst der Studiengang laut Professor Jan Niessen rund 100 Studenten, verteilt auf sieben Semester.