Auch Kinder von Einheimischen brauchen Bauplätze – So rüstet man sich in einem Dorf

In vielen Regionen Deutschlands gibt es eine Landflucht. Menschen ziehen in die Städte oder sogar ein anderes Bundesland. Die Folge: Immer mehr Dörfer „vergreisen“. Dabei wollen viele Menschen eigentlich „auf dem Land“ wohnen, finden aber keinen Bauplatz. In Neustadt a.d. Donau hat man Abhilfe geschaffen.
Vor allem in ganz kleinen Ortschaften wie dem Neustädter Ortsteil Arresting taucht das Problem auf. Der Ort ist beschaulich, eine Idylle. Arresting hat eine Kirche und eine kleine Feuerwehr. Rund hundert Menschen leben hier. Es führt keine Fernverkehrsstraße durch den Ort und auf Luftbildern sieht Arresting (fast) so aus wie vor fünfzig oder hundert Jahren. Die landwirtschaftlichen Gebäude und die Kirche prägen das Ortsbild. Neubauten gibt es kaum. Man kann deshalb auch für diesen Bericht ein Foto verwenden, das nicht „taufrisch“ ist.
So idyllisch Arresting auch ist – es ist nicht die reine Idylle. Hier werden nämlich Familien auseinander gerissen. Söhne und Töchter müssen fortziehen und andernorts ein Haus bauen, weil das in ihrem Heimatort nicht geht. SPD-Stadtrat Edi Albrecht empörte sich in der jüngsten Stadtratssitzung. „Gebürtige Arrestinger müssen anderswo bauen.“
Bauplätze fehlen
Der Grund für diese Situation ist, dass es keine Bauplätze gibt. Die sind wiederum nicht allein davon abhängig, dass jemand einen Grund verkauft, sondern dass es zulässig ist, auf dem Grund in der Gemeinde zu bauen. Und da gibt es – anderslautenden Schlagzeilen neueren Datums, die von einem „Bau-Turbo“ berichten, zum Trotz – nur einen Weg: Die zuständige Kommune muss eine Einbeziehungssatzung erlassen. Das Verfahren ist bewährt, belässt die letzte Entscheidung aber nicht bei der Kommune, sondern beim Landratsamt.

So ist ein erster Versuch im Neustädter Rathaus, in Arresting neue Bauplätze zu schaffen, bereits gescheitert, berichtete jetzt Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) in der Sitzung des Stadtrats. Die Stadt wollte zwei Baugebiete am nördlichen Ende des kleinen Dorfes, wo es nach Riedenburg geht, schaffen. Hier, im „Hundsfeld“, gibt es bereits einige Einfamilienhäuser, ein paar mehr hätten nicht unbedingt gestört.
Doch die „Stellungnahmen der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange“ ergaben: Aus Gründen des Städtebaus und wegen des Immissionsschutzes – die Grundstücke hätten in der Hauptwindrichtung von Tierhaltungsbetrieben gelegen – konnte keine Zustimmung erteilt werden. Der Stadtrat stellte deshalb seine Pläne für das „Hundsfeld“ per Beschluss in der Sitzung am Montagabend ein.
Weshalb die Pläne für Arresting jedoch nicht „beerdigt“ waren. Es gibt inzwischen eine Alternative zu den ursprünglichen Plänen: Am südlichen Ortsrand, also in entgegengesetzter Richtung nach Irnsing, soll ein neues Baugebiet entstehen. Knapp 9000 Quadratmeter könnten hier bebaut werden, die Eigentümer der jetzt noch landwirtschaftlich genutzten Flächen haben bereits ihre Zustimmung signalisiert.
„Voraussetzungen erfüllt“
Die Zustimmung der Grundstückseigentümer ist ein erster wichtiger Schritt, aber noch nicht ausreichend. Auch die Vorgaben für ein Vorgehen mittels einer „Einbeziehungssatzung Arresting“ müssen erfüllt sein. Notwendig ist unter anderem, dass das neue Baugebiet an einen im Zusammenhang bebauten Ortsteil anliegt und die Einbeziehung nicht zu einer ungeordneten Entwicklung führt. Außerdem muss die Erschließung gesichert sein. In der Sitzungsvorlage hieß es dazu optimistisch: „Die städtebaulichen Voraussetzungen für eine Einbeziehungssatzung sind erfüllt.“ Der entsprechende Beschluss des Stadtrats fiel einstimmig aus.
Dass der Stadtrat keinen Gebrauch vom „Bau-Turbo“ macht, der ein vereinfachtes Verfahren für den Wohnbau vorsieht, hat im Übrigen einen einfachen Grund: Die Durchführungsbestimmungen, hieß es in der Sitzung, lägen noch nicht vor.
Für Arresting geht es weiter. Immer wieder hatte die und die Dorfgemeinschaft bewiesen, dass sie zusammen steht. Als vor einigen Jahren beim Umbau der Juraleitung die Situation drohte, dass das Dorf von Stromleitungen umzingelt wurde, probten die Einwohner erfolgreich den Protest. Jetzt könnte sich das schon länger vorhandene Beharren auf Bauplätzen auszahlen. Letztlich hängt der Erfolg des neuen Baugebiets aber vom Landratsamt ab.
