Die Kläranlage wird saniert und erweitert – Was kostet das die Bürger?

Die Neustädter Kläranlage muss saniert und für größere Bedarfe umgebaut werden. Was das konkret bedeutet und wie sich das Projekt auf die Gebühren auswirkt, die die Einwohner zu zahlen haben, wurde in der jüngsten Sitzung des Stadtrats deutlich.
Die Situation ist eindeutig: Die Kläranlage ist rund 50 Jahre alt. Sie wurde für 18 000 Einwohnerwerte gebaut, doch die Anlage ist seit Langem überlastet. Aktuell muss sie 25 000 Einwohnerwerten bewältigen. Und die Belastung wird in Zukunft noch zunehmen. Ein Indiz ist die Entwicklung der Einwohnerzahl, sie steigt gegenwärtig jährlich um 200 Personen. Außerdem gibt es rechtliche Vorgaben für die Kläranlage. Das aktuelle Wasserrecht gilt lediglich bis 31. Dezember 2026.
Die Planungen für den Umbau der Kläranlage laufen deshalb seit längerem. Mehrfach hat sich der Stadtrat mit dem Projekt beschäftigt, das nach gegenwärtigen Berechnungen 18,9 Millionen Euro kosten wird.
Die Kläranlage soll im Zuge der Erweiterung verfahrenstechnisch auf Schlammfaulung umgestellt werden. Dabei wird der Klärschlamm durch Mikroorganismen unter Luftabschluss abgebaut, um die biologische Aktivität und Geruchsbildung zu reduzieren. Außerdem soll die Annahme von Co-Substraten ermöglicht werden, um die Faulgasausbeute zu erhöhen. Co-Substrate sind vergärbare, organische Stoffe wie zum Beispiel Fette aus Gaststätten.
Mehrere Varianten geprüft
Ziel dieser Maßnahmen ist auch die Energieneutralität in der Abwasserreinigung bis zum Jahr 2045. Ferner soll eine ausreichende Kapazität der Kläranlage für die nächsten 30 Jahre geschaffen werden. Weil die Kläranlage ein großer Energieverbraucher ist, ist zudem der Bau einer Photovoltaikanlage angedacht. Künftig soll der Strombedarf zu 85 Prozent aus der PV-Anlage und durch Klärgas gedeckt werden.
In der Stadtratssitzung am Montagabend wurde festgelegt, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um die Kläranlage zu ertüchtigen. Vorab waren dazu mehrere Varianten ermittelt worden – „Sanierung“, „Teilneubau“ und „vollständiger Ersatzneubau“. Die Bewertung der Alternativen ergab, dass die Variante „Sanierung“ zwar die größtmögliche Weiternutzung vorhandener Bauwerke und Anlagenteile vorsah, aus Kapazitätsgründen jedoch verworfen wurde. Ein „vollständiger Ersatzneubau“ wurde aus wirtschaftlichen Gründen verworfen, sodass sich der „Teilneubau“ als Vorzugsvariante herausstellte.
Die neue Kläranlage wird als Belebungsanlage mit vorgeschalteter Denitrifikation, also der Reduktion von Nitrat und Nitrit, ausgeführt. Auch eine chemische Phosphorelimination ist geplant. Erhalten bleibt deshalb unter anderem das Belebungsbecken. Baulich erweitert wird die Anlage durch eine Schlammentwässerung, einen Faulturm mit Gasspeicher, einen belüfteten Sandfang, ein Vorklärbecken, ein Denitrifikationsbecken, ein Nachklärbecken sowie ein Betriebs- und Maschinengebäude.
Gebühren werden erhöht
Erweiterung und Umbau der Kläranlage stellen für die Stadt einer der größten finanziellen Herausforderungen der letzten Jahrzehnte dar. 18,9 Millionen Euro wird das Projekt nach den derzeitigen Berechnungen kosten. Diese Summe wird die Stadt, genauer: ihre Bürger, weitgehend selbst stemmen müssen. Nur zwei Millionen Euro können als Fördermittel erwartet werden, wie das Planungsbüro Wipfler und Bürgermeister Thomas Memmel in der Stadtratssitzung sagten. Der Bürgermeister betonte deshalb: „Es sind große Aufgaben, die auf uns zukommen.“
Zur Finanzierung der neuen Kläranlage wurde gleich im Anschluss in der Sitzung die neue Kalkulation der Benutzungsgebühren präsentiert. Danach wird für die Jahre 2026 bis 2029 mit Kosten für Schmutzwasser in Höhe von 6,3 Millionen Euro und Kosten für Niederschlagwasser von 1,5 Millionen Euro gerechnet. Zudem müssen Defizite aus den zurückliegenden vier Jahren ausgeglichen werden.
Zur Finanzierung des Neubaus der Kläranlage muss daher die Abschreibung auf zuwendungsfinanzierte Vermögen erhöht werden. Damit werden Rücklagen für die erforderlichen Investitionen zum Neubau der Kläranlage geschaffen. Außerdem soll über eine Gebührenerhöhung ein finanzieller Grundstock für die anstehenden Investitionen geschaffen werden.
Künftig, so der einstimmige Beschluss des Stadtrats, werden die Einwohner damit 1,81 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser (bisher 1,45 Euro) und eine Niederschlagswassergebühr von 0,33 Euro pro Quadratmeter (bisher: 0,29 Euro) zahlen müssen. Damit, so der Bürgermeister, liege Neustadt a.d. Donau „aber immer noch sehr günstig“.