„Sich hier einzugrooven, das ist Aufbruch“, sagt die designierte Schauspieldirektorin Barbara Bily

Sie arbeitet als Schauspieldirektorin am Mainfranken Theater in Würzburg und wird zur Spielzeit 2026/27 ans Theater Regensburg wechseln. Im Interview spricht sie über Vorfreunde und Vorbereitungen - und darüber, wieviele Jobs sie derzeit hat.
Frau Bily, Sie sind viel herumgekommen in Deutschland. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe am Theater Regensburg?
Barbara Bily: Ich freue mich darauf, Regensburg kennen zu lernen. Ich höre und erlebe, dass die Regensburger ihr Theater lieben und sehr frequentieren. Das ist ganz großartig als Ausgangssituation, wenn man eine Schauspieldirektion übernimmt – fast eine Art Vertrauensvorschuss. Auch ist es schön, in eine Stadt zu kommen, in der Theater offensichtlich eine gesellschaftliche Relevanz hat und in der verschiedene künstlerische Handschriften interessiert aufgenommen werden. Das fußt für mich auf dem Grundgedanken von Intendant Sebastian Ritschel, dass man spartenübergreifend ein Haus ist, Davon bin auch ich überzeugt.
Inwiefern?
Bily: Alle Sparten haben ihre Spielpläne, ihre Vorstellungen und Ensembles, aber der lebendige Austausch untereinander ist ein Gedanke, den ich sehr teile. Wir reden immer über Diversität und Teilhabe, aber das wird manchmal im eigenen Haus gar nicht so gut umgesetzt. Es ist ein gemeinsamer Geist, eine Haltung: Man kennt sich, besucht gegenseitig die Veranstaltungen, spricht miteinander und versucht, einen Weg nicht versprengt, sondern gemeinsam zu gehen. Insofern ist „Opernhaus des Jahres“ für das ganze Theater Regensburg eine großartige Auszeichnung, die im Positiven uns allen zufällt, denn in der Außenwirkung ist man eben ein Theater.
Sie kommen genau dann, wenn sich das Theater zum Staatstheater wandelt. Ist das eine besondere Herausforderung?
Bily: Es ist immer alles herausfordernd: Einen Spielplan für eine Stadtgesellschaft zu machen, das Ensemble so aufzustellen, dass es wieder die gesamte Anzahl der zu besetzenden Stellen hat. Ich glaube gar nicht, dass es „aufregender“ wird, wenn man Staatstheater ist. Aber es ist es toll, denn es ist eine Auszeichnung und wieder eine große Wertschätzung für das Theater, für die Arbeit hier. Es ist schön, wenn man in so einen Prozess dazukommen darf, um mitzugestalten. Ich mache ja jetzt keinen „besseren“ Spielplan, nur weil wir Staatstheater sind. Sondern ich habe immer den Anspruch, gute Arbeit zu machen, Uraufführungen oder gute Projekte – salopp ausgedrückt – an Land zu ziehen.
Verstehe ich richtig: Es werden nicht alle Verträge verlängert?
Bily: Es wird durch den Wechsel zwar zu Veränderungen kommen, aber es gibt keine einzige Nicht-Verlängerung seitens des Theaters. Da bestand große Einigkeit zwischen Sebastian Ritschel und mir.. Ich freue mich über alle, die da sind und bleiben. Das Ensemble und die Dramaturgin nehme ich als echtes Pfund wahr. Ich lerne von den Kolleginnen und Kollegen ganz viel.
Haben Sie das Ensemble schon kennengelernt?
Bily: Ja, wir hatten bereits zwei sehr anregende Versammlungen. Einige konnte ich auch schon näher kennenlernen. Mit der Dramaturgie-Kollegin bin ich im kontinuierlichen Austausch: Spielplan, Texte schreiben, Spielzeitheft und so weiter. Ich erlebe ganz offene, freundliche Schauspielerinnen und Schauspieler. Das nehme ich nicht als Selbstverständlichkeit – ich bin ja die, die neu dazukommt. Die Offenheit freut mich sehr.
Sie haben aktuell mehrere Jobs: In Würzburg alles am Laufen zu halten, die Juryarbeit für die Bayerischen Theatertage – und in Regensburg muss jetzt die Planung für die Saison 2026/27 stehen. Klingt nach einem riesigen Berg Arbeit.
Bily: Ja, außerdem habe ich einen Lehrauftrag an der Theaterakademie August Everding im Maskenbildstudiengang. Und Mutter bin ich auch. – Es sind volle Tage, aber es geht und macht Freude. Sich hier einzugrooven in das Ganze, das ist Aufbruch, das macht Spaß! In Würzburg arbeite ich ganz normal weiter, am 15. November habe ich die nächste Premiere. In Regensburg sind es Planungsvorläufe, die auch mal für einen Tag ruhen. Es ist sportlich, aber lösbar. Und mir wird hier in Regensburg bei jeder Frage schnell geholfen.
Worauf dürfen wir uns in Ihrem ersten Spielplan freuen? In der Mitteilung zu Ihrem Antritt hieß es, Sie stehen für eine Mischung aus Klassikern und Gegenwartsstoffen.
Bily: Das stimmt. Mehr verrate ich zum Spielplan jetzt noch nicht. Was ich allerdings toll finde: Dass in Regensburg jede Spielzeit ein Motto hat. Das sind gute Themen, die hier be- und verhandelt werden.
Aktuell geht es um „Existenzen“.
Bily: Das Motto hilft dabei, in den Sparten Querverbindungen bei den Stoffen zu finden und genau zu überlegen: Was wollen wir befragen und wie passt das rein? Man hat da eine Art Prüfmechanismus. Dadurch entsteht wieder ein gemeinsamer Geist. Was man ja nicht vergessen darf: Es ist was Besonderes, dass sich eine Gesellschaft so eine Theaterlandschaft leistet. Deshalb ist man in der Pflicht, gut damit umzugehen und sich thematische inhaltliche Fragen zu stellen. Das Motto ist der rote Faden.
Ist bei den Bayerischen Theatertagen eine Produktion von Ihnen zu sehen?
Bily: Das will ich hoffen, aber die Jury-Sitzung ist erst Anfang Dezember. Es gibt eine klare Absprache: Ist man selbst beteiligt, nimmt man nicht an der Bewertung und Abstimmung teil. Aus Würzburg haben wir zwei Schauspielproduktionen eingereicht. Also ich wünsche mir das natürlich, aber andere Häuser machen auch gutes Theater und es können allein von der Kapazität her nicht alle Produktionen, die sich beworben haben, eingeladen werden. Das ist ja das Besondere an dem Festival, dass es eine Auswahl der herausragenden Produktionen zeigt.
Zur Person: 26/27 wird Barbara Bily Schauspieldirektorin am Theater Regensburg. Derzeit ist sie Schauspieldirektorin am Mainfranken Theater Würzburg. In Regensburg wird sie Nachfolgerin von Antje Thoms, die an das Staatstheater Braunschweig wechselt. Bei den 40. Bayerischen Theatertagen, die am 8. Mai 2026 in Regensburg starten, ist Bily Mitglied der Auswahl-Jury.
Vita: Geboren in Leipzig, studierte Bily dort Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Danach arbeitete sie am Schauspielhaus Bochum, am Staatstheater Augsburg und am Theater Münster. Seit 2021 leitet sie das Schauspiel in Würzburg.