Buchstabensuppe mit Herz: Wie eine kreative Idee in Kelheim Kinder und Kulturen an einen Tisch bringt

Von Beate Weigert · 12. November 2025 um 19:00

Mit Worten, Farben und Nudeln: Das Projekt „Buchstabensuppe“ wurde mit dem Niederbayerischen Integrationspreis ausgezeichnet. Es bringt Kinder verschiedener Kulturen zusammen.

Eva Honold bringt Menschen verschiedenster Generationen, ihre Geschichten und kreative Ideen zusammen. Beim Künstler-Kollektiv KWAK, bei „Neustadt erzählt“ oder bei der „Buchstabensuppe“. Diese war ursprünglich als Intensiv-Workshop für Kinder mit Migrationshintergrund gedacht. Mittlerweile wärmt sie die Herzen zahlreicher kleiner und großer Beteiligter. Am Mittwoch wurde Initiatorin Eva Honold mit dem Niederbayerischen Integrationspreis 2025 ausgezeichnet.

Dass sie zu den Preisträgern gehört, erfuhr die Kelheimerin im Oktober überrascht am Telefon. Die postalische Einladung hatte sie nicht erreicht. So hatte sie eines Tages eine Mitarbeiterin der Regierung von Niederbayern in der Leitung, die fragte: „Und was ist mit Ihnen?“ Die Frau wollte hören, ob Honold Zeit hat, zur Ehrung nach Landshut zu kommen und wie viele Gäste und Mitstreiter sie mitzubringen gedenke.

Eva Honold (4.v.li.) mit den Kindern Shahd und Shallahuddin sowie Kelheimer Mitstreitern, stellvertretendem Landrat Ludwig Wachs (2.v.li.), Regierungspräsident Rainer Haselbeck (li.) und Bayerns Integrationsbeauftragtem Karl Straub (re.) - Foto: Regierung von Niederbayern

Festakt in Landshut

Honold war aber völlig ahnungslos. „Was soll sein?“ Die Überraschung ist längst großer Freude gewichen. Am Mittwochnachmittag fuhr die Kelheimerin „freudig aufgeregt“ mit Mama Brigitte Witoschek, ihrem Mann Markus, weiteren Familienmitgliedern und Mitstreiterinnen, etwa vom Bündnis für Menschenwürde, zum Festakt nach Landshut.

Mit der „Buchstabensuppe“ erfand Honold ein neues Format, das Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis zwölf Jahren jeden letzten Samstag im Monat in ihrer „Wortgeheuerwerkstatt“ oder in der Kelheimer Kulturkantine zusammenbringt. Zum gemeinsamen Schreiben, Lesen, Malen, Vorlesen und Singen. Beim letzten Treffen wurden Lebkuchen-Buchstaben gebacken. Immer gehört auch ein gemeinsames Essen dazu. Für dieses sorgt Honolds Mutter Brigitte.

Die Kinder essen nicht nur Suppe, sie schreiben, lesen, malen, basteln und ratschen auch miteinander. - Foto: Beate Weigert

Längst nicht immer tischt sie den Kindern „Buchstabensuppe“ auf. Es gibt auch Nudeln, Pizza oder frisches Brot mit Frischkäse-Aufstrich. „Zusammen an einem Tisch zu sitzen, zu essen und zu ratschen, das hat enormen Wert, auch für die Helfer. Man bekommt so viel zurück“, sagt Honold. Nicht nur, aber mitunter auch liebevoll geschriebene und gemalte Zettel mit Lob und Dankesbotschaften. Brigitte Witoschek etwa hört des Öfteren, dass ihre leckeren Speisen „mit ganz viel Liebe gekocht“ oder gebacken wurden.

Spielend zusammenwachsen

Im Gegensatz zur Schule, wo es meist um Fehler geht, dreht sich bei den Treffen in der Wortgeheuer-Werkstatt alles um das spielerische Miteinander. „Die Kinder haben Lust auf Sprache und es ist unglaublich, wie wief sie sind“, sagt Eva Honold.

Sie ist überzeugt von dem Projekt. Eine Auszeichnung wie der Niederbayerische Integrationspreis, freue sie und ihre Mitstreiter sehr, sagt sie. „Der Preis bestärkt uns, in dem, was wir tun. Es ist schön, dass das gesehen wird.“ Dies sei Ansporn für die Zukunft – und den Kindern, von denen stellvertretend für alle zwei, das Mädchen Shahd und der Junge Shallahuddin, mit zur Preisverleihung fahren durften, zeige es, dass auch sie gesehen werden.

Integration bedeutet für Eva Honold Zusammenwachsen durch Begegnung. „Dafür steht die Buchstabensuppe“. Dank inzwischen vieler lokaler Unterstützer sei die „Buchstabensuppe“ in der Kreisstadt verankert.

Beim Festakt in Landshut würdigten Regierungspräsident Rainer Haselbeck und der Integrationsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Karl Straub, drei besonders gelungene Integrationsprojekte. Neben der Kelheimer „Buchstabensuppe“ wurden auch der Freundeskreis Firmiangut aus Passau und der Helferkreis Waldkirchen im Kreis Freyung-Grafenau ausgezeichnet.

In der Laudatio würdigte Haselbeck Eva Honolds „unermüdliches soziales und kulturelles Engagement“. Sie habe es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern aus sozial und finanziell schwierigen Verhältnissen und Kindern mit Migrationshintergrund eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre Kreativität entfalten und ihre Persönlichkeit stärken könnten. Die Initiative „Buchstabensuppe“ schaffe Raum, in dem Kinder spielerisch und ohne Erwartungsdruck die deutsche Sprache und Kunst als Ausdrucksform entdecken könnten. Bei den gemeinsamen Aktionen erlebten die Buben und Mädchen Wertschätzung, Zugehörigkeit und Freude.

Preisträgerin Eva Honold mit Regierungspräsident Rainer Haselbeck (li.) und Bayerns Integrationsbeauftragtem Karl Straub - Foto: Regierung von Niederbayern

An alle Geehrten sagte Haselbeck: „Mit Ihren Initiativen arbeiten Sie mit viel Herzblut und Leidenschaft daran, Brücken zu bauen und das Verständnis füreinander zu fördern.“ Straub betonte: „Sie leben vor, was Zusammenhalt bedeutet und wie Integration im Alltag gelingt. Ihr Einsatz macht unsere Gesellschaft menschlicher, offener und stärker.“

Insgesamt waren die Preise mit 6000 Euro dotiert. Nach Kelheim gehen 1500 Euro. Das Geld soll in viele künftige „Buchstabensuppen“ (Essen und Getränke) und Schreibmaterial investiert werden, so Eva Honold.

Unterstützer des Projekts aus Kelheim

• Anfang: Ursprünglich war die „Buchstabensuppe“ ein zeitlich begrenztes Schreibprojekt, das vom Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise e.V. über das Programm „Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung“ vom Bundes-Bildungsministerium gefördert wurde. Kooperationspartner vor Ort waren der Friedrich-Bödecker-Kreis in Bayern mit Georg Braun als Koordinator sowie die Stadtbücherei Kelheim und das Bündnis für Menschenwürde in Kelheim.

• Unterstützer: Inzwischen unterstützen die Stadt Kelheim, die Stadtbücherei, der Verein „Freude schenken im Landkreis Kelheim“, die Kreissparkasse, das Bündnis für Menschenwürde Kelheim sowie die Gruppe Kunst im Landkreis das Projekt.