Toter Jungwolf im Landkreis Cham: Jäger und Umweltschützer streiten miteinander

Noch ist nicht bekannt, wie der junge Wolf gestorben ist, den Wanderer Ende Oktober tot im Wald bei Lam (Landkreis Cham) gefunden haben. Das hindert Jäger wie Umweltschützer nicht, Mutmaßungen und Verdächtigungen über die Hintergründe des Falls zu äußern. So spekuliert ein Funktionär des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in der BR-Sendung „Quer“ über den „Futterneid“ einiger Jäger. Heinrich Moser, Wolfskoordinator der Kreisgruppe Bad Kötzting im Bayerischen Jagdverband (BJV), sieht eine „organisierte Tätergruppe“ und ein Drehbuch, das jemand „schon vorher gelesen hat“.
Von den Behörden bestätigt ist bislang nur, dass es sich bei dem Tierkadaver um einen jungen Wolf handelt. Wie er zu Tode kam, ob er zuvor im Bayerwald oder anderswo unterwegs gewesen ist und was hinter dem ganzen Fall steckt – dazu schweigt das Polizeipräsidium Oberpfalz mit Verweis auf laufende Ermittlungen noch.
LBV hat Belohnung ausgesetzt
Der LBV dagegen geht seit längerem von Wilderei aus, spricht von mehreren verschwundenen Wolfsrudeln in Bayern und hat für Hinweise zu diesem Fall und einem vergleichbaren in Oberfranken eine Belohnung ausgesetzt.
In der BR-Sendung „Quer“ vom vergangenen Donnerstag legt Dr. Andreas von Lindeiner vom LBV nach und nennt „Futterneid“ als mögliches Motiv für Wolfstötungen. Dabei spricht er nicht von der Jägerschaft insgesamt, sondern von „einzelnen schwarzen Schafen“.
Unter anderem darauf reagiert Heinrich Moser, Wolfskoordinator der BJV-Kreisgruppe Bad Kötzting, in einer Stellungnahme. Die schnelle öffentliche Meldung des LBV, noch bevor der Kadaver des Wolfs überhaupt bei der Polizei war, habe die Diskussion um Wildtierkriminalität erneut entfacht. „Besonders irritierend ist, dass bereits erste Ergebnisse kommuniziert wurden, eine Belohnung ausgelobt wurde, bevor die offiziellen Institute ihre Arbeit abgeschlossen hatten. Das wirkt, als hätte jemand das Drehbuch schon vorher gelesen“, schreibt Moser, der auch behauptet, das Tier sei durch einen Herzschuss getötet worden, was die Polizei auf Nachfrage weder bestätigt noch dementiert.
Es liegt nahe, dass das Tier Tage nach seinem Tod gezielt im Lamer Winkel abgelegt wurde.Heinrich Moser, BJV
Trotz „umfangreicher genetischer Datenbanken konnte das Senckenberg-Institut keine Zuordnung zu einem der sechs bayerischen Wolfsrudel treffen“, deren Reviere bis 300 km weit entfernt liegen, so Moser weiter. „Es liegt daher nahe, dass das Tier Tage nach seinem Tod gezielt im Lamer Winkel abgelegt wurde.“
Jägerfunktionär spricht von „organisierter Tätergruppe“
Seit Jahren werde die Region Rittsteig-Osser intensiv überwacht, ohne dass je ein Wolfsrudel mit Nachwuchs gesichtet worden sei, so Moser. „Die Vorstellung, dass ein einzelner Täter einen Jungwolf tötet, ihn dann Hunderte Kilometer transportiert und schließlich gezielt auf 1000 Meter Höhe bringt und dort ablegt, erscheint unrealistisch. Vielmehr deutet all dies auf eine organisierte Tätergruppe hin.“
Die BJV-Kreisgruppe Bad Kötzting arbeite weiter an der Aufklärung früherer Wildereifälle und habe neue Erkenntnisse aus Monitoring und DNA-Analysen, so Moser. Die „könnten helfen, die Täter zu identifizieren – auch wenn viele Taten leider bereits verjährt sind.“