Tierkadaver-Fund bei Lam: Wilderei als gezielte Provokation?

Handelt es sich bei dem in Lam im Landkreis Cham entdeckten Tierkadaver um einen Wolf, der Wilderei zum Opfer fiel? Nach dem Fund am Wochenende sind noch viele Fragen ungeklärt. Während die Polizei ermittelt, fordern Wolfsexperten Konsequenzen.
Heinrich Moser, Wolfskoordinator der Jäger- Kreisgruppe Bad Kötzting, äußert einen Verdacht: Wurde das tote Tier absichtlich nahe eines Wanderweges platziert, um eine öffentliche Diskussion loszutreten?
Die Polizei prüft derzeit noch, ob es sich bei dem Tier tatsächlich um einen jungen Wolf handelt. Laut Polizei ist die Wahrscheinlichkeit aber groß. Auch die Frage, ob das Tier Opfer von Wilderei wurde, ist Gegenstand der Ermittlungen. „Wir fangen gerade erst an“, erklärt Anna Beyer, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz.
Wanderer entdeckten Tier
Am Wochenende sei der Tierkadaver von Wanderern bei Lam entdeckt worden. Diese hätten dann die Polizei und einen Wolfsexperten des Netzwerks Großer Beutegreifer kontaktiert. Erst in den nächsten Tagen wird laut Beyer mit Sicherheit feststehen, ob es sich wirklich um einen jungen Wolf handelt, der durch Wilderei zu Tode kam. „Dementsprechend gilt es, die nächsten Tage abzuwarten.“ An Spekulationen will sich die Polizei laut Beyer nicht beteiligen.
Folgt man einer Stellungnahme des Wolfskoordinators Heinrich Moser, dann „ist davon auszugehen, dass der Wolf andernorts geschossen und anschließend gezielt bei uns abgelegt wurde“. Denn bisher sei rund um das Gebiet Rittsteig-Osser seit 2020 lediglich ein erwachsener Wolf beobachtet worden. „Wir führen umfassendes Monitoring mit Kameraüberwachung durch“, erklärt er und ergänzt: „Eine dokumentierte Fähe, Jungwölfe oder ein Rudel wurden bislang nicht nachgewiesen“, sagt Moser. Deshalb gehe er von einer gezielten Aktion aus, „um ein öffentlichkeitswirksames Szenario zu erzeugen“. „Was treibt so einen Schützen an? Wenn Sie mich fragen, dann müssen das ideologische Gründe sein. Irgendwer will das Thema Wolf-Abschuss wieder in die Medien tragen“, so Moser.
Uwe Friedl ist als Wolfsexperte beim Bund Naturschutz tätig. Er beobachtet nach eigenen Worten die „rasante Entwicklung“ der Wölfe in Bayern. „Diskussionen rund um den Wolf und auch vermehrte Wilderei sind da natürlich vorprogrammiert“, erklärt Friedl.
Auch wenn die genaue Anzahl der Wölfe in Bayern schwer zu bestimmen ist, geht der Wolfsexperte von rund zehn Rudeln im Freistaat aus.
Genaue Anzahl unbekannt
„Zwei dieser Wolfsrudel sind im Bayerischen Wald unterwegs“, meint Friedl und ergänzt: „Wie viele davon wirklich im Landkreis Cham sind, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, weil die Wölfe auch mal 50 Kilometer pro Tag zurücklegen können.“
Im Bayerischen Wald sind zumindest die natürlichen Voraussetzungen ideal: „Da gibt es wirklich viel Wild und Nahrung für den Wolf.“ Der Fund des Tierkadavers in Lam und der Verdacht der Wilderei beschäftigen auch Friedl als Wolfsexperten. „Natürlich sind solche Fälle wie in Lam schlimm und jede willkürliche Wolfstötung ist eine Straftat“, stellt er klar. Er befürworte deshalb auch die raschen Ermittlungen der Polizei.
Viel zu oft werde Wilderei nämlich von den Behörden nicht konsequent genug verfolgt. „Bei den Ermittlungen zur Wilderei wäre noch Luft nach oben“, sagt Friedl. Alle Freiheiten will der Experte den Wölfen laut eigener Aussage aber nicht geben. „Es gibt Einzelfälle, sogenannte Problemwölfe, wo ein gezielter Abschuss sinnvoll und vertretbar ist“, sagt er.
Trotzdem ist die Wilderei laut dem Experten nicht das größte Problem der Wölfe: „Durch Autos sterben viel mehr.“ Rund zehn Prozent aller Wölfe würden dem Straßenverkehr jedes Jahr zum Opfer fallen.
Die Polizeiinspektion Bad Kötzting, die in dem Fall die Ermittlungen übernommen hat, bittet Zeugen, die in den Tagen vor dem 26. Oktober im Bereich der Gemeinde Lam verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich unter der Telefonnummer (09941) 94310 zu melden.