Toter Wolf in Lam? LBV setzt Belohnung aus – und Polizei sucht ein Wandererpaar

Im Fall des wohl erschossenen jungen mutmaßlichen Wolfs, der am Wochenende bei Lam im Landkreis Cham gefunden worden ist, laufen die Ermittlungen der Polizei auf Hochtouren. Aktuell suchen die Beamten das Wandererpaar, das den Tierkadaver gefunden hat. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, hat unterdessen der Landesbund für Vogelschutz (LBV) eine Belohnung ausgesetzt.
Ob das tote Tier tatsächlich ein junger Wolf war und ob es wirklich erschossen worden ist, soll eine Untersuchung ergeben, die laut Polizeipräsidium Regensburg für die kommende Woche geplant ist. Bis dahin liegt der Kadaver in einer Kühltruhe der Chamer Polizei.
Polizei sucht Wandererpaar
Unabhängig davon suchen die Ermittler das Paar, das das tote Tier entdeckt und den Fund weitergemeldet haben soll. Laut Zeugenaussagen könnte es sich um einen Mann und eine Frau (etwa 50 bis 55 Jahre alt) handeln, die sich am vergangenen Samstag, 25. Oktober, zwischen 14 und 15 Uhr im Osserschutzhaus aufgehalten haben. Anschließend verließen die beiden das Haus in unbekannte Richtung. Nach Zeugenaussagen war das Paar zuvor aus Richtung Rittsteig kommend auf dem Grenzkamm-Wanderweg in Richtung Großer Osser/Osserschutzhaus unterwegs.
Beide sollen typische Wanderbekleidung mit Kapuzenanoraks getragen haben, die sie aufgrund des schlechten Wetters übergezogen hatten. Zudem könnten die beiden ihres Dialekts wegen aus dem Raum Landshut/Regensburg/Straubing stammen und somit nicht aus dem Landkreis Cham. Die ermittelnde Polizeiinspektion Bad Kötzting bittet das Paar oder Personen, die das Paar kennen oder Hinweise geben können, sich unter Telefon (09941) 9431-0 zu melden.
Ähnlicher Fall in Pegnitz/Oberfranken
Was hinter der Geschichte und einem ähnlichen Vorfall im oberfränkischen Pegnitz steckt, interessiert auch den LBV. Die Naturschutzorganisation hat deshalb eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise ausgesetzt, „die zur Ermittlung der Täter der beiden wahrscheinlich erschossenen Jungwölfe führen“.
Ganze Rudel verschwinden nicht einfach so innerhalb eines Jahres. Dafür gibt es keine natürliche Erklärung.Dr. Andreas von Lindeiner, LBV
Der LBV äußert den Verdacht, dass „die bayerische Wolfspopulation im vergangenen Jahr durch weitere illegale Abschüsse geschrumpft ist“. So hätten sich drei Rudel am Staffelsee, im Altmühltal und im Grenzgebiet zu Tschechien vollständig aufgelöst. „Wo sind Bayerns Wölfe denn plötzlich hin? Ganze Rudel verschwinden nicht einfach so innerhalb eines Jahres. Dafür gibt es keine natürliche Erklärung“, sagt Dr. Andreas von Lindeiner, Landesfachbeauftragter des Verbandes. Seit im Jahr 2015 im Lamer Winkel vier Luchsbeine gefunden worden sind, hält der LBV die Region für einen „Brennpunkt von Naturschutzkriminalität “. Dass nun „ausgerechnet am gleichen Ort wieder ein mutmaßlich illegal getötetes, streng geschütztes Wildtier gefunden wird, macht fassungslos“, sagt Karl Heinz Schindlatz, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe. „Das ist kein Zufall, sondern ein Alarmsignal.“
Die Naturschützer befürchten nach eigenen Angaben eine hohe Dunkelziffer an illegalen Übergriffen gegen die Wolfspopulation im Freistaat. „Dass in Revieren, in denen 2023 drei, vier oder gar sieben Welpen aufgezogen wurden, heute kein Wolf oder nur noch ein Paar festgestellt werden kann, ist anders nicht zu erklären“, so LBV-Beauftragter von Lindeiner.