Abschied nach 37 Jahren: Stoffhaus Fischer schließt seine Filiale im Chamer Süden

Von David Salimi · 11. November 2025 um 19:00

Nach 37 Jahren schließt das Stoffhaus Fischer in Cham seine Türen. Bereits am 15. November fällt der letzte Vorhang in der traditionsreichen Filiale in der Rodinger Straße – nicht unbedingt aus Not, sondern vielmehr aus Überzeugung und mit einem Hauch Wehmut.

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„Man muss wirtschaftlich handeln und irgendwann die Reißleine ziehen“, sagt Inhaber Christian Fischer zu seinem Entschluss, sich aus Cham zurückzuziehen, den er nach reiflicher Überlegung gefasst hat.

Wenn kommende Woche die Türen zum Laden auf der Rückseite des sogenannten Shop-Centers für immer ins Schloss fallen, endet damit unweigerlich auch ein Kapitel Chamer Einzelhandelsgeschichte. Seit Jahrzehnten führt der 64-Jährige das Familienunternehmen mit Sitz in Moosthenning bei Dingolfing mit Leidenschaft – doch einen Nachfolger gibt es nicht.

Kein Nachfolger in Sicht

„Von meinen Kindern möchte keiner das Geschäft weiterführen“, sagt er. Der Mietvertrag mit der Eigentümerfamilie Gietl laufe im Dezember aus, eine Verlängerung wäre langfristig gewesen. „Das wollte ich in meinem Alter nicht mehr eingehen“, erklärt er.

Die Schließung der Filiale begründet Fischer aber auch mit dem Strukturwandel des Handarbeitsmarkts. Nähen, einst selbstverständlicher Bestandteil des Alltags, sei heute zu einem teuren Hobby geworden. „Gerade die junge Generation näht kaum noch“, weiß der Geschäftsinhaber. Stoffe würden häufig nur noch von passionierten Hobbyschneiderinnen gekauft. Laufkundschaft gebe es kaum.

Parallel dazu haben sich die Ansprüche beim Kaufverhalten im Laufe der Jahre spürbar verändert. „Solange man ein T-Shirt für 2,99 Euro kaufen kann, näht das heute kaum mehr jemand selbst, wenn der Stoff allein schon zehn Euro kostet“, verdeutlicht Fischer die Entwicklung. Während früher Gardinen und Dekostoffe gefragt waren, verlagere sich die Nachfrage heute auf funktionale Materialien wie Beschattungsstoffe oder technische Textilien.

Schon bald wird der grüne Schriftzug auf der Fassade des sogenannten Shop-Centers in der Rodinger Straße verschwunden sein. Schon jetzt deuten Rabattplakate das nahe Ende des Stoffhauses Fischer in der Kreisstadt an. - Foto: David Salimi

Der Standort in der Rodinger Straße gilt zwar als frequentierte Einkaufsmeile, doch gerade dort ist die Konkurrenz groß. In unmittelbarer Nachbarschaft bieten Discounter oder Drogerien ähnliche Sortimente an – zu Preisen, mit denen der Fachhandel kaum mithalten kann. „Das spürt man schon“, sagt Fischer nüchtern.

Ich habe mich immer als stationären Händler gesehen.Christian Fischer, Stoffhaus-Inhaber

Und dann ist da noch der stark dominierende Online-Handel, der das Kaufverhalten um nahezu 180 Grad gedreht hat, für Christian Fischer persönlich aber keine Rolle spielt. „Ich habe mich immer als stationären Händler gesehen“, betont er. Stattdessen habe er über Jahrzehnte auf persönliche Beratung, Qualität und Treue seiner Stammkundschaft gesetzt – in Zeiten, in denen Bequemlichkeit und Klickbestellung den Ton angeben, ein immer schwierigeres Unterfangen.

Das Stoffhaus Fischer in Cham wurde 1988 gegründet. Auf rund 250 Quadratmetern Verkaufsfläche bot es seither alles, was das Schneiderherz begehrt: feine Bekleidungsstoffe, Gardinen und Heimtextilien, Kurzwaren, Knöpfe, Reißverschlüsse, Garne, Schnittmuster oder Trachtenstoffe mit passendem Zubehör. Auch ein Nähservice gehörte zum Angebot. Über Jahrzehnte war die Filiale eine feste Adresse für Handarbeitsfreunde im Landkreis und darüber hinaus.

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Vor rund 15 Jahren war das Geschäft von der Randsbergerhofstraße nach Cham-Süd gezogen, um auf einer Ebene eine größere Verkaufsfläche zu schaffen. Nun endet dort ein Kapitel Chamer Einzelhandelsgeschichte – doch das Unternehmen selbst bleibt bestehen. Die beiden weiteren Filialen in Ottering und Straubing führen das umfangreiche Sortiment fort.

Derweil ist das Sortiment im Chamer Geschäft in den vergangenen Wochen deutlich überschaubarer geworden. Viele Regale sind bereits leer, manches Garnfach halb verwaist. Gleichwohl war der Andrang zum Endspurt groß, berichten die Mitarbeiterinnen Elisabeth Ederer und Monika Eiber.

Großer Andrang zum Ende

„Viele unserer Kunden decken sich aktuell noch so gut es geht mit Stoffen ein, solange wir noch offen haben“, sagt Eiber. Für sie und ihre Kollegin ist spürbar, dass der Laden für viele eine feste Adresse in der Einzelhandelslandschaft in Cham war. „Unsere Kunden wollten die Stoffe immer sehen, fühlen, vergleichen“, erinnert sich Monika Eiber zurück. Die Nachricht von der Schließung habe viele Stammkunden traurig gestimmt.

Viele unserer Kunden decken sich aktuell noch so gut es geht mit Stoffen ein, solange wir noch offen haben.Mitarbeiterin Monika Eiber

Auch Christian Fischer ist beim Gedanken an den Abschied von Cham freilich etwas wehmütig, betont aber gleichzeitig nochmals die Notwendigkeit. Er möchte sich künftig auf die verbleibenden beiden Standorte in Ottering und Straubing konzentrieren. Und so fällt am 15. November der letzte Vorhang in der Rodinger Straße – leise, aber konsequent.