Schon wieder: Gedenkstätte für Nazi-Opfer in Regensburg beschmiert – Polizei ermittelt

Von Philip Hell · 10. November 2025 um 15:00

Auf den Regensburger Gehsteigen brennen dieser Tage zahlreiche Kerzen. Sie sollen an die Opfer des Nazi-Regimes und die Pogrome am 9. November 1938 erinnern. Ausgerechnet in diesen Tagen wird eine Gedenkstätte in Regensburg beschmiert. Die Stele war schon einmal Ziel von Vandalismus.

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„Nö“ und „SVR“: Diese beiden Schriftzüge – in der Graffiti-Szene „Tags“ genannt – prangen seit wenigen Tagen an der Gedenkstele am St.-Georgen-Platz. Die Tafel soll an das Schicksal der Zeugen Jehovas in Regensburg erinnern, die dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Die Schmierereien sind der Stadt bekannt, teilt Sprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Anfrage mit.

Stadt will Graffiti an Gedenkstele in Regensburg entfernen lassen

Im Laufe des Montags soll geprüft werden, ob die Graffiti-Schriftzüge womöglich abwaschbar sind, so von Roenne-Styra. Die Stele ist nämlich mit einer Schutz-Beschichtung versehen. Sollte es nicht möglich sein, die Schmierereien dergestalt zu entfernen, werde die Tafel – oder Teile der Tafel – erneuert, teilt die Sprecherin auf Anfrage mit.

Es ist nicht der erste Fall von Vandalismus an der Tafel. Vor ziemlich genau drei Jahren, Ende November 2022, wurde die Stele schon einmal beschmiert. Damals steckten Jahn-Fans dahinter. Die Stele musste in der Folge entfernt werden und wurde mehrere Monate später leicht versetzt wieder aufgestellt. Das soll diesmal nicht der Fall sein, betont Stadtsprecherin von Roenne-Styra: „Die Stele soll auf jeden Fall an diesem Platz verbleiben.“

Polizei ermittelt nach Graffiti in Regensburg

Die Polizei erfuhr erst durch die MZ-Anfrage von dem Graffiti am St.-Georgen-Platz. Inzwischen wurde die Schmiererei allerdings von Beamten der Polizeiinspektion Regensburg Süd aufgenommen, teilt ein Sprecher mit. Man ermittele gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung. Zeugen werden gebeten, sich unter der Telefonnummer (0941)5062001 mit den Beamten in Verbindung zu setzen.

Der St.-Georgen-Platz spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte der Zeugen Jehovas in Regensburg. Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde die Glaubensgemeinschaft massiv verfolgt. Am Platz unmittelbar an der Donau kamen die Gläubigen in Kleinstgruppen zusammen, um geheime Gottesdienste zu feiern. Hier wohnte Heinrich Lutterbach. Ein Musiker, der von den Nationalsozialisten in mehrere Konzentrationslager deportiert wurde. Er überlebte.