Ungeklärter Nachkriegs-Mord in Regensburg: Stolperstein für 14-jähriges Opfer

Berek Goldfeier starb 1945 in der Nähe des Bahnhofs. Unbekannte hatten den jungen Juden, der auf der Durchreise war, mit einer fäkalienverschmierten Unterhose erdrosselt. Eine Autorin forscht zu den Hintergründen. Drei weitere Shoa-Opfer bekommen Gedenkstein.
Auf dem jüdischen Friedhof an der Schillerstraße in Regensburg erinnert seit 80 Jahren ein besonderer Grabstein mit abgebrochener Stehle an den 14-jährigen Berek Goldfeier. Der Grabstein steht symbolisch für ein jäh zu Ende gegangenes Leben. Der jüdische Junge hatte das Ghetto in Lodz und das Konzentrationslager in Auschwitz überlebt. Auf einer Zwischenstation zu seiner geplanten Ausreise nach Israel wurde er im Dezember 1945 in Regensburg ermordet. Der oder die Täter wurden nie ermittelt. Am 23. Oktober wird für den Jungen ein Stolperstein in der Zollerstraße 15 verlegt.
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Die Regensburger Autorin Waltraud Bierwirth hat intensiv zu dem Verbrechen geforscht und wird dazu auch das Buch „Die Handakte“ veröffentlichen, das sich mit einem weiteren ungeklärten Mord an einer jüdischen Familie im Jahr 1947 in Regensburg befasst.
Ermittlungsakte lagert im Staatsarchiv Amberg
Im Staatsarchiv in Amberg ist die dünne Ermittlungsakte zu Berek Goldfeier aufbewahrt. Demnach wurde er mit einer fäkalienbeschmierten Unterhose erdrosselt. Seine Leiche lag in einer Durchgangshalle zwischen Bahnhof und Postamt. Bierwirth ist überzeugt, dass auch nach Kriegsende Juden ermordet wurden „weil sie Juden waren“. Den gewaltsamen Tod von Goldfeier sieht sie als Tat von Antisemiten. Denn ausgeraubt wurde das Opfer nicht. Von einem Raubmord ging die Polizei aus, die seinerzeit womöglich nicht mit der nötigen Akribie ermittelt hat, wie Bierwirth in einem Gespräch mit der Mediengruppe Bayern anmerkte. Goldfeier wurde in Regensburg bestattet, seine sterblichen Überreste später nach Israel überführt.
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Die Stolpersteininitiative Regensburg wird am 23. Oktober zudem Stolpersteine für August Strauß, seine Frau Emmi sowie für Henriette Weil, geb. Strauß in der Weißenburgstraße 29 setzen. Strauß war Bankier und Teilhaber eines Bankgeschäfts in Regensburg. Seine Familie wurde Opfer der Shoa.
116.000 Stolpersteine in 31 Ländern
Die Initiative des Evangelischen Bildungswerkes hat inzwischen laut Pressemitteilung fast 300 Stolpersteine in den vergangenen 18 Jahren in Regensburg verlegt, außerdem je einen Stein in Schierling und Lappersdorf. Europaweit seien es rund 116 000 Stolpersteine in 31 Ländern.