306. Martiniritt in Miltach: 199 Reiter erneuerten das Gelöbnis

Typisches Novemberwetter begleitete den 306. Martiniritt am Samstag in der Gemeinde Miltach. Eigentlich war es schon ein Segen von oben, dass es trocken blieb. Deshalb versammelte sich eine stattliche Zuschauerkulisse im Ortskern und entlang der Strecke zur Maria-Hilf-Kapelle, die 199 Reiter passierten. Dabei hat die Teilnehmerzahl eine leicht steigende Tendenz.
Zuvor feierten die Gläubigen einen Festgottesdienst mit sechs Geistlichen. Hauptzelebrant war Josef Karl Geismar, Stadtpfarrer und Dekan aus Plattling, der „der erste Chef von Pater Joseph Santhappan 2007 in Deutschland war“, wie er die Gottesdienstbesucher wissen ließ.
Der Ortspfarrer begrüßte zum Patroziniumstag der Pfarrkirche auch die weiteren Seelsorger mit Harald Schneider (Diakon aus Runding), Kilian Limbrunner (Pfarrer von Chamerau), Michael Steinhilber (Kaplan in Bad Kötzting) und Martin Peintinger (Diakon aus St. Josef Cham). Der Gottesdienst und die nachfolgende Prozession wurden eindrucksvoll mitgestaltet von den Bläsern der Weißblau Königstreuen unter der Leitung von Josef Pielmeier.
So schön war der Martiniritt im Vorjahr: Der 305. Martiniritt in Miltach: 195 Reiter zogen durch den Ort zur Maria-Hilf-Kapelle
„Wenn wir heute Patrozinium feiern, danken wir Gott für das Vorbild eines Menschen, der mit seinem Leben gezeigt hat, was christliche Nächstenliebe bedeutet“, so der Ortsgeistliche in seinen Einführungsworten. Hinter der Mantelteilung stecke mehr als eine schöne Geschichte. Sie ist Ausdruck einer Haltung, die die Zeitgenossen sehr herausfordert, weil viele auf der Suche nach Orientierung sind. Der heilige Martin könne Wegweiser im Umgang in der Familie, in der Nachbarschaft und dem weiteren Umfeld sein.








Prägend für das Christentum
In dieselbe Kerbe hieb auch Dekan Josef K. Geismar: „Martin ist kein Heiliger, wie aus einer anderen Zeit, den man hin und wieder abstaubt, sondern er ist wie ein Türöffner für unser Leben.“ Er sei prägend für die christliche Kultur in Europa und ein Anwalt für die Zukunft der christlichen Kirche und Gesellschaft. Martin gab bei der Mantelteilung ein Stück von sich selbst. Solidarität sei konkret die Hingabe eines jeden einzelnen und ein Verweis auf den menschenfreundlichen Gott. Leider nahm die Entwicklung zur Ellbogengesellschaft rasant Fahrt auf. „Der Bildschirm, das Smartphone und der Laptop eröffnen eine virtuelle Welt, die vielen die liebste Ablenkung ist“, prangerte der Festprediger an.
Der Dekan warnte davor, nicht zu sehr in diese Sonderwelten abzudriften. „Gesellschaft ist Verantwortung füreinander auch in dieser ins Schleudern gekommenen Welt“, betonte der Redner. Leben ohne Gemeinschaft werde zu einer Geisterfahrt im Gegenverkehr geistloser Individualisten. „Tragen wir wieder gemeinsam Verantwortung und finden wieder zueinander. Das Leben lässt sich nämlich nicht programmieren“, animierte der Prediger zur Besinnung.
Pfarrer weiht Fahnen
Der Plattlinger Stadtpfarrer weihte auch die Fahnen, mit denen langjährige Teilnehmer am Martiniritt ausgezeichnet wurden.
Nach dem Patroziniumsgottesdienst formierte sich eine fürwahr eindrucksvolle Zugkette mit 199 Reitern in Kombination mit der Fußprozession und dem Allerheiligsten zur Maria Hilf-Kapelle. Dort wurde das Evangelium, der Lobpreis und die Fürbitten verkündet, bevor die Teilnehmer zum Rückweg aufbrachen. Am Kirchplatz besprengte Dekan Josef Karl Geismar Ross und Reiter mit Weihwasser. „Auf die Fürbitte des heiligen Martin schütze diese Pferde vor Krankheit und Gefahr und halte alle schädlichen Einflüsse von ihnen fern. So können sie den Menschen helfen und eine Freude für sie sein.“
„Eine Viehseuche vor über 300 Jahren hat die Miltacher zu dem jährlichen Gelöbnisritt bewogen“, so der Bürgermeister in seiner Ansprache. Für Johann Aumeier war es in der Funktion des Rathauschefs sein letzter Martiniritt. „Ich durfte ihn 18 Jahre als Bürgermeister und sechs Jahre als Gemeinderat begleiten“, freute er sich rückblickend über die schöne Zeit. Aumeier zollte allen Organisatoren und Mitwirkenden Dankesworte, insbesondere den Vertretern der Pfarrgemeinde, MdL Dr. Gerhard Hopp, den Kommunalpolitikern, dem Bad Kötztinger Polizeichef Christian Pongratz und den beteiligten Vereinen. Für den Ritt musste aufgrund der bekannten Vorfälle ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet werden. Je eine Fahne für 25 Ritte nahmen Michael Iglhaut und Felix Zollner entgegen. Zuletzt stimmten alle in die Bayernhymne ein.

