Aus Klassenkameraden wurde ein Paar: Edith und Adolf Listl aus Teugn seit 65 Jahren verheiratet

Von Roland Kugler · 9. November 2025 um 19:00

Edith Listl war die erste Frau im Teugner Gemeinderat, übernahm als erste Frau den Vorsitz eines Teugner Vereins und gründete die Faschingsgesellschaft Teugonia. Am 11.11. feiern sie und ihr Mann Adolf Eiserne Hochzeit und Edith Listl verrät ihr Rezept für eine lange, glückliche Ehe.

Es ist nicht jedem gegeben, 65 Jahre alt zu werden. So lange glücklich mit demselben Menschen verheiratet zu sein, ist ein ganz besonderes Geschenk: Edith und Adolf Listl feiern am 11.11. Eiserne Hochzeit. Sie haben nicht nur eine große Familie, die in Teugn vielseitig engagiert ist, Edith war auch eine Vorreiterin in Sachen Frauenemanzipation: Sie hat die Teugonia gegründet, war die erste Frau im Gemeinderat und übernahm als erste Frau den Vorsitz eines Teugner Vereins.

Edith Listl wurde 1941 in Schönbach im Kreis Eger geboren. 1946 kam sie mit ihrer Familie nach Teugn, wo sie seitdem lebt. Sie ist hier aufgewachsen und in die Schule gegangen. Mit 17 ging sie ins Internat nach Riedenburg, anschließend hat sie kaufmännische Angestellte in Regensburg gelernt. Als solche hat sie von 1960 bis 1995 in der Kelheimer Zellwolle gearbeitet.

Adolf Listl wurde 1940 in Teugn geboren. Er hat beim Stanglmeier gearbeitet, dann ebenfalls in der Zellwolle. Die beiden sind schon zusammen in die Schule gegangen, in dieselbe Klasse. Näher kennengelernt haben sie sich in einem Teugner Café: „Ich hab ihn nicht gleich gemocht“, sagt Edith Listl und lacht. Es habe eine Weile gedauert, bis es gefunkt habe.

Drei Söhne und eine Tochter

Dann aber umso mehr, und es hat ein bisschen pressiert: Im November 1960 haben sie geheiratet, im Januar 61 wurde ihr ältester Sohn geboren. Zwei weitere Söhne und eine Tochter folgten, sie schenkten den beiden zehn Enkel und sieben Urenkel. 1962 bauten Edith und Adolf Listl ihr Haus, in dem auch ihre Tochter Daniela lebt, die sich um sie kümmert.

„Am Anfang war es nicht leicht“, blickt Edith Listl zurück. „Wir haben alle zusammen gewohnt, meine Oma, Mama und Schwestern. Adolf war der einzige Mann.“ Aber sie haben sich gegenseitig unterstützt, Edith hat trotz ihrer Kinder immer Vollzeit gearbeitet.

Vielseitig in Teugn engagiert

Die Listls sind nicht nur eine große Familie, sondern auch vielseitig in Teugn engagiert. Edith Listl war dabei in vielen Positionen die erste Frau in der Gemeinde: Für die SPD zog sie als erste Frau in den Gemeinderat. Beim Radfahrverein Allheil Teugn übernahm sie 1977 als erste Frau in einem Teugner Verein den Vorsitz. Dabei hatte sie es nicht leicht: „Was will denn die hier, haben die denn keinen Mann gefunden?“, wurde sie damals im Wirtshaus empfangen, erinnert sich Edith Listl. Aber sie hat es den Herren gezeigt und 39 Jahre lang als Vorsitzende den Verein geführt. Heute ist sie Ehrenmitglied.

Überhaupt stand sie den Männern in nichts nach. Nach Gemeinderatsitzungen ging es zur Nachbesprechung oft ins Wirtshaus. „Bis um fünf Uhr in der Früh, danach sind wir dann gleich in die Arbeit“, blickt sie zurück. Aber auch mit den Damen vom Frauenbund wurde nicht nur gestrickt und Kaffee getrunken: „Wir haben auch bis in der Früh gefeiert“.

Beim Radfahrverein war es dann auch, als nach einer Christbaumversteigerung, die wieder etwas länger gedauert hatte, die Idee aufkam, in Teugn mal wieder richtig Fasching zu feiern. Also gründete Edith Listl 1994 die Faschingsgesellschaft Teugonia, als Unterabteilung des Radlervereins. Es wurden Kleider und Kostüme genäht und wenige Wochen später fand der erste Faschingsumzug in Teugn statt. Mit großem Erfolg: Bis Corona wurde er jedes Jahr wiederholt, und immer beliebter. Teugn wurde zu einer echten Faschingshochburg im Landkreis.

Teugonia hat mehr als 200 Mitglieder

2008 wurde die Teugonia zu einem eigenständigen Verein, heute hat sie mehr als 220 Mitglieder. „Ich war schon immer ein Vereinsmensch“, sagt Edith Listl. Das hat sie ihren Kindern und Enkeln vererbt, auch sie bringen sich im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde ein. Bei der Teugonia, im Radlerverein, im Gemeinderat und in vielen Vereinen und Veranstaltungen sind die Listls aktiv.

„Das ging aber alles nur, weil mir mein Mann immer freien Lauf gelassen hat. Er hat sich im Hintergrund gehalten und mich unterstützt“, sagt Edith Listl. Adolf hat beim FC Teugn Fußball gespielt und war bei den Stockschützen aktiv. Auch gestritten haben sie nur selten, und wenn dann wurde es ausgeredet und gleich wieder beigelegt. „Wir haben uns nie eingeengt, und den anderen immer machen lassen“, sagt Edith Listl. Vielleicht ist es deshalb so lange so gut gegangen: Edith und Adolf Listl mögen sich auch nach 65 Jahren Ehe noch.