Die Lotsen gehen von Bord: Nittenauer JuPa-Vorsitzende kandidieren nicht mehr

Am 17. November wählt Nittenau ein neues Jugendparlament (JuPa). Zwei bekannte Gesichter werden dabei fehlen: Die Vorsitzenden Veronika Kangler (18 Jahre) und Kathrina Kerscher (17 Jahre) kandidieren nicht mehr. Beide gehörten schon zum ersten JuPa, Kangler ab 2022 als gewähltes Mitglied, Kerscher dann ab 2023 als Nachrückerin.
Dass jetzt Schluss ist, liegt bei Kerscher am Berufsleben: „Mit meiner Ausbildung zur technischen Produktdesignerin geht das zeitlich nicht mehr“, sagt sie im bunt eingerichteten Jugendtreff JuNit. Bei Kangler, die an diesem Abend wie so oft neben ihr am Tisch sitzt, sieht das anders aus: Sie hat zwar noch ein Jahr bis zum Abitur, darf aber wegen der Altersbeschränkung nicht mehr antreten. „Ich hätte gern weitergemacht, wenn es möglich wäre. Ich bin seit ich 14 bin dabei – es ist mein Herzensprojekt“, erzählt die Gymnasiastin.
Nächster Schritt: Stadtrat
Die Kommunalpolitik lasse sie aber nicht los: „Logisch wäre der nächste Schritt der echte Stadtrat“, sagt Kangler. Im JuPa merke man, wie die Ebenen funktionieren und schnuppere in die Kommunalpolitik. Die CSU, bei der Kangler Mitglied ist, hat Ende November ihre Aufstellungsversammlung. Dann entscheidet sich ihre Kandidatur. Sollte Kangler in den Stadtrat gewählt werden, will sie sich für eine Anhebung des JuPa-Alters einsetzen. „Nicht jeder hat das Glück, dass sich das mit der Kommunalwahl so gut ausgeht wie bei mir“, sagt sie.
Nach ihrem liebsten Projekt gefragt, kommt die Antwort wie aus einem Mund: „Die Graffitiwand hat das erste JuPa angestoßen. Jetzt haben wir sogar zwei“, strahlt Kangler. Kerscher stimmt zu: „Das war hart durchzubringen“, erinnert sie sich. Auch sei es schwer gewesen, Jugendliche überhaupt zu erreichen. „Wir waren beide nicht in Nittenau in der Schule, das hat es nicht einfacher gemacht“, sagt Kangler.
Am Anfang habe es viel Medienaufmerksamkeit gegeben, „aber die kam bei den Jugendlichen kaum an“, erzählt sie. Deshalb setze man inzwischen stärker auf Präsenz: Im JuNit, auf dem Bürgerfest oder auf dem Weihnachtsmarkt versuche man, das JuPa ins Gespräch zu bringen. Auch die Instagram-Seite des Gremiums funktioniere derweil gut.
Intern habe sich das Gremium ebenfalls entwickelt: „Am Anfang war alles viel formeller“, erzählt Kangler. Für jeden Tagesordnungspunkt habe es einen Beschlussvorschlag gegeben und den Jugendlichen seien schwere Sitzungsmappen ausgehändigt worden. Die Parlamentarier hätten sich manchmal kaum getraut, etwas zu sagen. „Wir sind anfangs sogar gefragt worden, ob wir uns siezen wollen“, lacht sie. Inzwischen sei vieles entspannter. Oft sei auch nicht klar gewesen, wie die Arbeit zwischen Erwachsenen und Jugendlichen aufgeteilt werden sollte; besonders, weil die Jugendparlamentarier im Schnitt so jung waren. „Wir haben unsere Rolle erst mal suchen müssen“, sagt Kangler. Gerade die ganz jungen Mitglieder hätten anfangs viel Unterstützung gebraucht.
Wenn die Jugendlichen am 17. November von 7 bis 7.30 Uhr sowie von 13.30 bis 17 Uhr im Rathaus und dazwischen in den Schulen an die Urne treten, gehe es auch darum, die Jugend untereinander besser zu vernetzen. „Wünsche entstehen untereinander. Sie müssen nur gehört werden“, betont Kerscher.
Ich freue mich darauf, mit einem neuen JuPa gemeinsam zu starten.Alica Frerichs, Jugendpflegerin
Für Jugendpflegerin Alica Frerichs ist es die erste JuPa-Wahl, seit sie ihre Stelle angetreten hat. „Es ist nicht einfach, in ein bestehendes System hineinzukommen“, erzählt sie. Die Organisation dieser Wahl übernimmt deshalb noch ihre Vorgängerin bei der Betreuung des JuPa, Stadtmitarbeiterin Carmen Heller. „Ich freue mich darauf, mit einem neuen JuPa gemeinsam zu starten“, so Frerichs. Dennoch bedauert sie, dass erfahrene Mitglieder wie Kangler und Kerscher ausscheiden.
Wünschebox im Jugendtreff
Welche Themen das neue JuPa angeht, hänge vom Engagement der neuen Mitglieder ab. Frerichs will aber die Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat fortsetzen und Workshops sowie andere Bildungsangebote ausbauen. „Im JuNit steht eine Wünschebox. Da kann jeder einwerfen, was es noch mehr braucht“, erklärt sie. Auch die Auswertung einer großen Jugendbefragung stehe noch aus. Hier bedürfe es noch weiteren Rückmeldungen aus den Schulen.
Während Frerichs das sagt, füllt sich der Raum. Jugendliche spielen Billard, lachen und reden durcheinander. Nach dem Gespräch stehen Kangler und Kerscher ein Stück abseits und blicken auf das, was sie mit aufgebaut haben. Wie es weitergeht, werden die Neuen bald zeigen.