Klettertouren in der Weltenburger Enge bei Kelheim werden sicherer – mit neuen Umlenk-Haken

Von Martina Hutzler · 10. November 2025 um 12:00

In der Weltenburger Enge sorgen jetzt Kletter-Experten vom Deutschen Alpenverein Kelheim und Regensburg für mehr Sicherheit für Kletterfans. Ein schweißtreibender Job, den sie ehrenamtlich erledigen, in Absprache mit dem Naturschutz.

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Das Klettern ist im „Nationalen Naturmonument“ (NNM) Weltenburger Enge stark limitiert. Aber zwei Bereiche gibt es, in denen – außerhalb der Vogel-Brutzeit – Bergfexe ihrer Leidenschaft frönen dürfen: die „Römerwand“ und die „Bischofsbucht“. Dort hängen derzeit Ehrenamtliche des Alpenvereins aus Kelheim und Regensburg ganz schön in den Seilen: Ausgerüstet mit allerlei Werkzeug, statten sie die Endpunkte der Kletterrouten mit neuen Umlenkhaken aus. Die sollen das Klettern sicherer machen, erklärt Tom Lindner. Er ist beim Deutschen Alpenverein (DAV) seit vielen Jahren der Gebietsbetreuer für die Weltenburger Enge; Martin Ehrl ist sein Stellvertreter.

Umlenk-Haken gibt es im Donaudurchbruch schon lange: Sie markieren für Kletterer quasi den Endpunkt jeder Route. Der liegt nicht etwa auf den markanten Felsköpfen, denen man kletternd entgegenstrebt. Sondern etwas unterhalb. Aus gutem Grund, weiß Jörg Eberlein, der seit 30 Jahren der DAV-Kommission „Klettern und Naturschutz“ angehört.

Steil geht es von den Felsköpfen hinab. Für die Arbeiten am Fels dürfen die DAVler ausnahmsweise von oben in die Felswände einsteigen.

Sensible Natur am Felskopf

Auf den exponierten Felsköpfen herrscht ein besonderes Mikroklima: Dort knallt die Sonne hin, aber ebenso stark sind Frost und Niederschläge am Werk. Daher leben hier viele „Spezialisten“ an Tieren und Pflanzen, die es andernorts nicht (mehr) gibt; oft sind es lebende Relikte aus der Eiszeit. Um die empfindliche Felskopf-Gemeinschaft zu erhalten, sind sie für Kletterer tabu.

Die Erfolge des konsequenten Schutzes freuen auch die DAV-Vertreter: „Früher war hier alles zusammengetrampelt. Jetzt wachsen dort wieder Küchenschelle, Felsenblümchen und am Rand der Diptam“. Jetzt im Herbst können es die Pflanzen „verschmerzen“, dass Lindner, Ehrl, Eberlein und Christian Lang trotzdem auf den Felsköpfen stehen, erklärt Franziska Jäger, die Umweltpädagogische Leiterin im NNM: Die Regierung von Niederbayern hat eigens eine Ausnahmegenehmigung erteilt für die Mission „doppelt hält besser“.

Bislang nämlich gab es pro Route einen Umlenkhaken als Endpunkt. Vor einigen Jahren passierte in der Fränkischen Schweiz allerdings ein Unfall, weil ein Kletterhaken unter der Belastung abbrach. Daraufhin gab der DAV die Empfehlung heraus, solche Haken um ein „Double““ zu ergänzen, schräg versetzt oberhalb oder unterhalb. „Man hängt sich dann am oberen Haken ein und fädelt zusätzlich in den unteren ein“, erklärt Martin Ehrl.

Das Setzen der Haken erledigen die DAVler in Arbeitsteilung: Einer seilt sich zum jeweiligen Einsatzort ab, bohrt ein Loch und reinigt es. Dann kehrt er nach oben zurück, und der Zweite rückt mit dem neuen Haken an. Es sind „Klebehaken“, die mit einem speziellen Verbundmörtel im Fels verankert werden. Falls vor Ort noch altes Material verbaut ist, etwa die früher üblichen Bohrhaken, wird dies gleich mitgetauscht, ergänzt Martin Ehrl.

Martin Ehrl füllt Verbundmörtel ins Bohrloch. Danach wird der Haken eingesetzt. - Foto: Hutzler

Schwieriges Kletter-Areal

Rund 50 neue Umlenkhaken hat das ehrenamtliche Quartett neu zu setzen. Und das in einem Areal, dessen Touren ab Schweregrad IV beginnen und bis Grad X+ reichen – also insgesamt sehr anspruchsvoll sind und viel Erfahrung erfordern. Deshalb und wegen des engen Zeitfensters - Oktober und November – werden sich die Arbeiten auch auf 2026 erstrecken.

So sind künftig je zwei Umlenkhaken angeordnet, erklärt Tom Lindner. - Foto: Hutzler

Danach ist das Klettern im NNM ein gutes Stück sicherer, sind die vier überzeugt. Jeder verhütete Unfall entlastet auch die Natur, ergänzt Franziska Jäger: „Rettungseinsätze sind in dem sensiblen Gebiet problematisch.“

Eines freilich ist den DAVlern wichtig: „Der Donaudurchbruch ist kein regelmäßig ,gewarteter‘ Klettergarten. Hier können Frost und Hitze zu Rissen im Fels führen, und Haken können sich lockern“, erklärt Tom Lindner: „Jeder Kletterer ist daher selbst dafür verantwortlich, die Einrichtungen zu kontrollieren“.

Das Team hat sich vorab „Arbeitsanleitungen“ erstellt.

Klettern nach Konzept

Konflikt: Mit wachsender Begeisterung fürs Klettern wuchs vor Jahrzehnten die Belastung für die Fels-Flora und -Fauna im Donau- und Altmühltal. Deshalb wurde 1998 die „Kletterkonzeption ,Unteres Altmühltal und Donaudurchbruch‘“ erarbeitet.

Konzept: DAV und IG Klettern stellten mit Naturschutzbehörden und Landesbund für Vogelschutz klare Vorgaben fürs Klettern auf. Es beschränkt sich im Donaudurchbruch seither auf Römerwand und Bischofsbucht, zu der auch Castell- und Löcherwand gehören. „Die restlichen 90 Prozent der Felsbereiche sind tabu“, sagt Dr. Jörg Eberlein, Hauptautor des Konzepts, das alle zehn Jahre fortgeschrieben wird.

Regeln: In den „erlaubten“ Bereichen gilt: Kletterer dürfen die Felsköpfe selbst nicht betreten, wegen der sensiblen Vegetation. Deshalb steigt man bei allen Routen im NNM von unten ein und stoppt, wenn man den Umlenkhaken erreicht hat, erklärt Jörg Eberlein: „Man ,baut ab‘ und wird nach unten abgelassen oder seilt sich selber ab“.

Sprechen die Arbeiten ab: (v.li.) NNM-Rangerin Stefanie Mertl und NNM-Umweltbildungsleiterin Franziska Jäger mit den Kletterern Martin Ehrl, Jörg Eberlein, Christian Lang und Tom Lindner - Foto: Hutzler

Ferner gibt es zeitliche Beschränkungen. Die Felsköpfe sind nämlich auch bei Fliegern beliebt, darunter Uhu, Wanderfalke und Dohle. Dort, wo diese Anstalten machen zu brüten, wird gesperrt, bis die Jungen flügge sind. Dazu sprechen sich die DAV-Gebietsbetreuer Tom Lindner und Martin Ehrl mit den Rangern im „Nationalen Naturmonument“, Stefanie Mertl und Andreas Kerner, ab und tauschen Beobachtungen aus. Auch der Forstbetrieb Kelheim der Bayer. Staatsforsten ist eingebunden; zu deren Wäldern gehören die Kletterfelsen.

Umsetzung: In den 30 Jahren hat sich das Kletterkonzept bewährt, sind sich die DAV-Gebietsbetreuer und Franziska Jäger, früher Naturschutz-Gebietsbetreuerin und jetzt Umweltpädagogische Leiterin im NNM, einig. „Es hat ein paar Verstöße gegeben; die haben wir ,auf dem kurzen Dienstweg‘ geklärt“, bilanziert Tom Lindner.