Mit Video: Seit 20 Jahren ist Hans-Jürgen Hirschfelder den Fledermäusen im Hienheimer Forst bei Kelheim auf der Spur

Geeignete Wohnungen sind auch bei Fledermäusen begehrt. Seit 20 Jahren macht sich das Hans-Jürgen Hirschfelder zunutze und erforscht an Nistkästen die Batman-Bestände im Hienheimer Forst – Niederbayerns Dorado für die nächtlichen Flugakrobaten.
Abendsegler, Großes Mausohr, Bechstein-Fledermaus und Co: Insgesamt 14 Arten der geschützten Säugetiere flattern im Hienheimer Forst, dem rund 4000 Hektar großen Laubmischwald zwischen Donau und Altmühl, westlich von Befreiungshalle und Kloster Weltenburg, nachts und (für Menschen) lautlos. Dies herauszufinden, war folglich nicht leicht – aber notwendig, als der Forstwissenschaftler Hans-Jürgen Hirschfelder vor 20 Jahren, im Zuge der bayerischen Forstreform, zum „Natura2000“-Kartierteam der Forstverwaltung kam.
Denn mit Hienheimer Forst und Weltenburger Enge sind seit Anfang der 2000er zwei „FFH-Gebiete“ insbesondere auch zugunsten der Fledermäuse ausgewiesen. Und bei den „Ziel-Arten“ in solchen EU-Schutzgebieten will Brüssel regelmäßig wissen, wie es um sie steht. Im Hienheimer Forst kurz gesagt: prächtig. Praktisch jeder der 680 Nistkästen, die Hirschfelder und sein Kollege Thomas Bauer mittlerweile aufgehängt haben, ist über kurz oder lang bewohnt.

Nutzen für Mensch und Tier
So sind die Kästen einerseits eine praktische Methode, um Arten und Individuen-Zahl festzustellen. Und andererseits für die Tiere selbst quasi Luxus-Domizile, mit alljährlichem Reinigungsservice inklusive. Kein Wunder, dass dort alljährlich zwischen 850 und 1000 Fledermäuse ein und aus flattern.
Dies und vieles mehr geht aus dem Bericht hervor, den Fledermaus-Experte Hirschfelder jetzt, zum 20-jährigen Bestehen des Monitorings, erstellt hat.

Obwohl seit einigen Jahren in Pension, kümmert sich der Kelheimer weiterhin – nun ehrenamtlich – zusammen mit einigen Helferinnen und Helfern um die alljährliche „Volkszählung“ und klappert dafür Mitte Juli sowie Mitte August die Kästen ab. Teils auch noch zu weiteren Terminen; denn zum Beispiel der „Große Abendsegler“ flattert bei uns nur im Frühjahr und Herbst.

Für Hirschfelders immensen Einsatz „mit Herzblut und Leidenschaft“ dankte ihm Forstbetriebsleiterin Sabine Bichlmaier nun, als sie und die Revierleiter Max Hecht und Thomas Hubmann den Bericht von Hirschfelder und Tobias Schropp (Fachstelle Waldnaturschutz Niederbayern) überreicht bekamen: „Für uns sind diese Daten von unschätzbarem Wert“, und sie seien auch ein Beweis für die verantwortungsvolle Pflege und Bewirtschaftung der Wälder. Den Fledermäusen und vielen anderen Waldbewohnern kommt dabei ein „Sinneswandel“ zugute, bekräftigte Thomas Hubmann.
Denn lange galten Bäume mit Schadstellen oder gar Löchern als wertlos und wurden schnell gefällt und abtransportiert. Heute weiß man um ihren unschätzbaren Wert für Spechte und deren Höhlen-Nachmieter, für Totholz-nutzende Insekten und sonstige Flora und Fauna.

Immer wieder neue „Biotopbäume“ zu kennzeichnen und so zu schützen, „das bleibt eine Daueraufgabe“, so Hubmann.
Biotopschutz bleibt Aufgabe
Der natürliche Kreislauf würde sonst stocken, weil jeder „Methusalems“ letztlich abstirbt, wissen die Revierleiter Hubmann und Hecht. Ihnen und dem gesamten Forstbetrieb Kelheim dankte Hirschfelder für die langjährige Unterstützung beim Monitoring.
Ob Naturhöhle oder eigens aufgehängte Kästen – ein Zuviel gibt es für die fliegenden Säugetiere kaum, erklärt Fachmann Hirschfelder. Es sei daher weiterhin wichtig, kaputtgehende Kästen durch neue zu ersetzen. Denn jede Kolonie – sprich: eine „Mutter-Kind-Gruppe“ – nutzt pro Saison bis zu 40 Quartiere: hier ein sonnenbeschienenes im kühlen Frühsommer, dort ein schattiges Plätzchen für heiße Tage; im Frühsommer sollte viel Insektennahrung herumschwirren. Und wenn irgendwo die Parasitenplage überhand nimmt oder ein Räuber vorm Einflugloch auftaucht, heißt es ebenfalls: Umzug!
Zudem ist die Kasten-Konkurrenz groß: von Meisen und anderen Vögeln angefangen, über Siebenschläfer bis hin zu Wespen und Hornissen. Letztere machen die sommerlichen Kontrollgänge „besonders spannend“, fügt Hirschfelder lachend hinzu.
Von Stubenhockern und Mietnomaden: Das tummelt sich im Hienheimer Forst
Bestand: Seit Jahren sind beim Monitoring im Hienheimer Forst regelmäßig bis zu 14 Fledermaus-Arten feststellbar, mit alljährlich 850 bis 1000 Tieren. Damit ist dieses Laubwaldgebiet „das mit Abstand beste Fledermaus-Gebiet in ganz Niederbayern“, betont Hans-Jürgen Hirschfelder.
Lokalmatador: Gut die Hälfte der Tiere, die Hirschfelder alljährlich zählt, sind Bechstein-Fledermäuse. Sie bilden in den Nistkästen jeden Sommer knapp 20 „Wochenstuben“, also Gruppen von Weibchen mit je einem Jungtier.
Alleinerziehend: Das Große Mausohr bildet im Sommer reine Männer-WGs in den Kästen. Die Weibchen bilden zur Jungenaufzucht große Kolonien z.B. in den Kirchen in Schambach, Jachenhausen und Weltenburg. Im Herbst kommen sie aber auch in die Kästen – die sind dann das Liebesnest.
Anlehnungsbedürftig: Mopsfledermaus und Große Bartfledermaus mögen es eng: Sie schätzen ganz flache Kästen, in die sie sich hineinquetschen. Im Hienheimer Forst bilden diese seltenen Arten fünf bzw. eine Wochenstube.
Nomade: Der Bestand des Großen Abendseglers variiert stark im Hienheimer Forst: Mal sind nur 45 Tiere da, mal über 100. Aber immer nur im Frühjahr und Herbst – die Wochenstuben finden sich im Osten Deutschlands und östlich angrenzenden Ländern.
Einzelgänger: Einige Arten finden sich zwar regelmäßig, aber nur mit wenigen Individuen in den Kästen: der Kleine Abendsegler mit einer Wochenstube; Zwerg-, Mückenfledermaus (je 20 bis 50 Tiere), Fransen-, Wasser-, Kleine Bart-, Rauhaut-, Breitflügelfledermaus, Braunes Langohr (jeweils wenige Tiere). Manche Arten meiden Kästen, kommen aber im Hienheimer Forst wohl trotzdem vor: etwa Graues Langohr, Große Hufeisennase, Zweifarb-Fledermaus.