Was Bier und Wein mit dem Klimawandel bei uns zu tun haben: Regional- und Umwelttage Kelheim geben Antworten

Anregungen für eine „intelligente Mischung aus Erfahrung und Innovation“ sollen die diesjährigen Regional- und Umwelttage in Kelheim geben, gerade bei den brennenden aktuellen Problemen wie Klimawandel und Energiewende. Vor allem in Sachen Erfahrungen kann der Gastredner des Auftakt-Abends einiges beisteuern: Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der bayerischen Geschichte in Regensburg. Er will unter anderem aufzeigen, warum in Niederbayern die Nachhaltigkeit schon eine große Rolle gespielt hat, lange bevor man diesen Begriff überhaupt verwendete.
„Global denken, lokal handeln“ ist der Ansatz, den Stadt und Landkreis Kelheim und der Landschaftspflegeverband Kelheim VöF als Veranstalter der Regional- und Umwelttage im September verfolgen: „Vor allem geht es um Lösungen! Nicht die ganz Großen, vielmehr die Aktionen, die jeder umsetzen kann“, so VöF-Geschäftsführer Klaus Amann.
Aus Vergangenheit lernen
Die Lösungsvorschläge kommen nicht nur von den teilnehmenden Verbänden, Gruppierungen und Fachfirmen, die am Samstag, 20., und Sonntag, 21. September in der Kelheimer Altstadt ihre Stände öffnen, jeweils von 10 bis 17 Uhr. Auch Dr. Richard Loibl will unter dem Aspekt „Klimawandel in der Heimat Niederbayern“ aufzeigen, „was wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen können". Der Direktor des Regensburger Museums der Bayerischen Geschichte ist Gastredner bei der Auftaktveranstaltung der Umwelttage, die am Freitag, 19. September, um 19 Uhr im Landratsamt beginnt.
Während aktuell der Mensch für einen Turbo-Klimawandel sorgt, gab es auch schon früher Klimaschwankungen, die ebenfalls Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft hatten. Nicht zuletzt in Kelheim: Ortsnamen wie Kelheimwinzer oder Familiennamen wie Weinzierl zeugen davon, dass der Weinbau an den hiesigen Donauhängen Tradition hatte, bis ihm ab etwa dem 14. Jahrhundert eine Kaltzeit ein Ende bereitete. Entlang der bayerischen Donau „wurden wir von einer Wein- zu einer Biergesellschaft“, so Loibl im Gespräch mit unserer Zeitung. Daran anpassen musste sich vor allem die Landwirtschaft – was nicht zuletzt die Holledau zum weltgrößten zusammenhängende Anbaugebiet für Hopfen werden ließ.

Ob der jetzige Klimawandel uns wieder zum Top-Weingebiet macht? Da will der promovierte Historiker nicht spekulieren – und in seinem Vortrag lieber aufzeigen, warum die agrar-geprägten Niederbayern nicht „hinterwäldlerisch“ waren, sondern mit ihrer Wirtschaftsweise den heute arg strapazierten Begriff der Nachhaltigkeit schon umgesetzt haben, ohne ihn explizit zu verwenden.
Als Kronzeugin fällt ihm beim Telefonat spontan die Schriftstellerin Emerenz Meier aus Schiefweg ein. Ausgewandert nach Chicago, habe sie einer Freundin in die alte Heimat berichtet, dass man mit dem, was die US-Stadt so alles wegwerfe, gleich noch ein zweites Chicago ernähren könnte. Alles verwerten, was am Hof anfällt und sich in der Natur gewinnen lässt: Das hatte Emerenz Meier geprägt. Und es war wohl für unsere Vorfahren eine Voraussetzung, um die Herausforderung Klimawandel überhaupt zu meistern.
Damit nahmen die Menschen im Bayerwald und überhaupt „am Land“ nebenbei auch schon unsere heutigen Bemühungen um eine gesunde Lebensweise vorweg, gibt Richard Loibl zu bedenken: Sie verwerteten, was saisonal zur Verfügung stand, aßen folglich mit hohem pflanzlichen Anteil; und zu trinken gab’s in erster Linie frisches Quellwasser (ganz im Gegensatz zu den Donau-Städten, wo vor allem die Handwerker nach täglichem Fleisch und ordentlich Bier verlangten).
Von wegen „Armseligkeit“
Die „Armseligkeit“, die man heute der einst bäuerlich geprägten Gesellschaft nachsagte, mag der aus Hengersberg stammende Historiker deshalb in dieser Absolutheit nicht bestätigen: Mit dem Vorurteil dass es erst BMW und Co. brauchte, um Niederbayern zu Wohlstand zu verhelfen, will er in seinem Vortrag in Kelheim nebenbei aufräumen…
Vor seinem Vortrag im Kelheimer Landratsamt wird Landrat Martin Neumeyer den „Klimapreis Landkreis Kelheim“ verleihen. „Heuer erstmals in vier Kategorien werden die Gewinner ausgezeichnet, die sich mit innovativen Ideen und hohem Engagement um den Klimaschutz im Landkreis verdient gemacht haben“, kündigen die Veranstalter an.
Zeichen des Klimawandels sind auch in Kelheim spürbar
Bei den Info- und Verkaufsständen der Regional- und Umwelttage in der Kelheimer Altstadt spiegelt sich wider, dass „auch im Landkreis Kelheim die Zeichen des Klimawandels bereits spürbar sind, mit Wetterereignissen wie Starkregen oder Dürrperioden“, so VöF-Geschäftsführer Klaus Amann. Welche technischen Anpassungsstrategien es gibt, stellen Fachfirmen vor. Aber auch Institutionen wie Bayerischer Bauernverband und die Bayerischen Staatsforsten, stellen vor, wie sie die klimatischen Herausforderungen meistern wollen.
„Der Strom- und Wärmesektor ist wesentlicher Baustein für die Energiewende. Deshalb stellen Energiefirmen innovative Produkte vor, wie erneuerbare Energie effektiv hergestellt und klimafreundlich gespeichert werden kann“, kündigt VöF-Geschäftsführer Amann an. Auch fürs Bauen und Wohnen werden Produkte und Materialien präsentiert.
Eine individuellen Energieberatung soll „die eigene Energiewende greifbar“ machen. Die Informationen im Gebiet „Energie und Technik“ reichen von Speichersystemen, und Lüftungsoptimierung über Wärmepumpen bis hin zu Themen wie „Holz als Brennstoff“. So kann man sich am Stand der Energieagentur Regensburg e.V. über konkrete Einsparmaßnahmen im Eigenheim beraten lassen, und auch über Fördermöglichkeiten hierzu.