Auf den Spuren von Ludwig I. in Kelheim

Von Manfred Forster · 22. Mai 2025 um 05:00

Vor 200 Jahren, 1825, wurde Ludwig I. König von Bayern. Seine Regentschaft ist Thema der Landesaussstellung in Regensburg. Auch in Kelheim ist er noch allgegegenwärtig. Sein Wirken prägt bis heute die Kreisstadt. Denn es ist nicht nur die Befreiungshalle, die der Monarch hinterließ.

Das Wahrzeichen auf dem Michelsberg

1913 fand in Kelheim die Jahrhundertfeier statt, die auf die 100jährige Beendigung der Befreiungskriege hinwies. Angeführt wurde das Fest von Kaiser WilhelmII. und Prinzregent Ludwig, der ab 5. Oktober 1913 König Ludwig III. von Bayern war. - Foto: Stadtarchiv Kelheim

Befreiungshalle: Sie ist das Augenscheinlichste, das vom Wirken König Ludwigs I. in Kelheim geblieben ist. Sie sollte Teil einer Denkmalachse entlang der Donau sein, wie in der Landesausstellung deutlich wird. Es gab starke Verbindungen der Wittelsbacher nach Kelheim. An der Stelle des Wittelsbacher Schlosses, des alten Landratsamtes, stand die Burg von Kelheim, die 1050 erstmals im Besitz der Wittelsbacher erwähnt wird. 1174 soll der spätere Herzog Ludwig „der Kelheimer“ hier geboren sein. Kelheim war der Mittelpunkt seiner Herrschaft. Erst nach seiner Ermordung verlegten die Wittelsbacher die Residenz nach Landshut. Zudem haben wohl die romantische Lage, umrundet von Naturdenkmälern und einem der ältesten Naturschutzgebiete Bayerns, die nahegelegenen Steinbrüche und auch der hauseigene Verkehrsweg für Baumateriallieferungen – der Ludwig-Donau-Main-Kanal – eine Rolle gespielt. Bedeutete der Bau damals wirtschaftlichen Aufschwung, steht die Befreiungshalle heute vor allem für Tourismus. Übrigens: die Weltenburger Enge, in die man von der Befreiungshalle aus einen schönen Blick hat, gilt als eine der schönsten und bekanntesten Sehenswürdigkeiten Bayerns. Bereits 1840 verfügte König Ludwig I. von Bayern die Erhaltung der Weltenburger Enge, heute Nationales Naturmonument, um sie vor einer Zerstörung durch Steinbruchbetriebe zu schützen.

Die hauseigene Wasserstraße

Historische Ansicht des alten Kelheimer Kanalhafens. - Foto: Stadtarchiv Kelheim

Ludwig-Donau-Main-Kanal: Pläne für eine Wasserstraße zwischen Rhein und Donau gab es bereits im 18. Jahrhundert – aber die Umsetzung scheiterte. Ludwig I. griff dieses Thema auf. Bereits im Jahr seiner Thronbesteigung 1825 beauftragte er den königlichen Baurat, Pläne für einen neuerlichen Versuch zu entwerfen. Der Kanal scheint ihm ein persönliches Anliegen, der Endpunkt nahe des Wittelsbacher Schlosses wiederum Zeichen der familiären Bindung zu Kelheim gewesen zu sein.

Besuche des Königs sind im Kelheimer Stadtarchiv 1831, 1837 und zur Kanal-Eröffnung im August 1845 aktenkundig. Ansinnen des Kanals war eine „Strukturförderung des ländlichen Raumes“, wie Kelheims Stadtarchivar Dr. Wolf-Heinrich Kulke sagt. Das funktionierte nur bedingt. „Das Ding ging vollkommen in die Hose“, sagt Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Schon zur Bauzeit war der Kanal technisch überholt. Bereits in den 1890er Jahren gab es deshalb Ideen für einen neuen, größeren Main-Donau-Kanal, für den auch Prinz Ludwig von Bayern 1891 eintrat. Die Realisierung sollte bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts dauern.

Eine Brücke, die dem Hochwasser trotzte

Für den Bau der Maximiliansbrücke konnte die Stadt Kelheim auf Unterstützung von König Ludwig I. setzen. - Foto: Stadtarchiv Kelheim

Maximiliansbrücke: „Die wirtschaftlich größte Bedeutung für Kelheim hatte der Bau der Maximiliansbrücke“, sagt Kelheims Stadtarchivar Wolf-Heinrich Kulke. „Die Brücke aus Stein und Eisen wurde, im Gegensatz zum hölzernen Vorgänger, nicht Jahr für Jahr von Hochwasser oder Eisstößen zerstört.“ Für die Stadt Kelheim war ein solcher Bau finanziell aber unerschwinglich. Ludwig I. erhörte das Gesuch der Kelheimer, auch wenn die neue Eisenbrücke heute den Namen seines Sohnes Max II. trägt. Pünktlich zur Einweihung der Befreiungshalle im Jahr 1863 wurde auch die neue Brücke fertig. So gab es nun erstmals eine gesicherte Straßenverbindung zwischen Regensburg und Ingolstadt. Durch sie konnte auch der Kanal erst seine volle Wirkung entfalten. Denn während die Brücke für Treidelschiffe kein Hindernis darstellte, war für die damals aufkommenden Dampfschiffe ein Durchfahren nicht möglich. „Die Maximiliansbrücke war die logische Folge des Kanals“, sagt Kulke.

Zwei „heißgeliebte Monarchen“

Diese historische Aufnahme zeigt die beiden Monarchen-Denkmäler auf dem Kelheimer Ludwigsplatz - Foto: Stadtarchiv Kelheim

Denkmäler: Das Ludwigsdenkmal ziert noch heute den Kelheimer Ludwigsplatz. Das Maximiliansdenkmal tat dies, bis es im Dritten Reich von seinem Standort gegenüber des Rathauses zugunsten eines Aufmarschplatzes entfernt wurde. Heute steht es beim alten Landratsamt. Installiert wurden beide Denkmäler – gestiftet von der Stadt Kelheim – 1863, um die „Wohltaten der glorreichen Fürsten zu würdigen“, wie es in einem öffentlichen Aufruf des „Comités“ vom März 1862 zu lesen ist. Die ausführliche Begründung klingt noch weit pathetischer: „Aus diesen unzähmbaren Ausflüssen einer den ganzen Organismus der Einwohnerschaft durchglühenden Liebe und Verehrung ist der allgemeine Wunsch entsprungen, den beiden heißgeliebten Monarchen durch Errichtung eines Monuments in Kelheims Mauern einen schwachen Beweis der untilgbaren Treue und Anhänglichkeit zu geben.“

Ein Gasthaus für König und Gefolge

Der Deutsche Hof in Kelheim; Einst als Gasthaus erbaut, logierte hier König Ludwig I mit Gefolge. - Foto: Stadtarchiv Kelheim

Deutscher Hof: Seit der Grundsteinlegung der Befreiungshalle 1842 residierte König Ludwig I. bei seinen Aufenthalten in Kelheim stets im damals neu errichteten Deutschen Hof, direkt an „seinem“ neuen Kanalhafen. Der Kelheimer Schiffsbaumeister Sebastian Rieder hatte den Gasthof dort gebaut, die Stadt Kelheim pachtete ihn. Er erwies sich für König und Gefolge angemessen, für den Normalbürger aber unerschwinglich. So kaufte die Stadt letztlich das Gasthaus. Im Laufe der Zeit war es Waldbauernschule, beherbergte Wohnungen, war Heimatmuseum und ist nun – zum wiederholten Male – Stadtarchiv.

Das älteste bekannte Foto der Stadt Kelheim

Dies ist die älteste bekannte Fotografie Kelheims - aufgenommen von der Befreiungshalle aus. - Foto: Joseph Albert/Stadtarchiv Kelheim

Panorama-Aufnahme: 1863 beauftragte Ludwig I. – respektive dessen Sohn – den königlich-bayerischen Hoffotografen Joseph Albert, die Befreiungshalle zu fotografieren. Gleichzeitig sollte er auch eine Aufnahme der Stadt erstellen – als Geschenk an die Kelheimer. Dieses Foto liegt heute im Stadtarchiv Kelheim – entwickelt und als Negativ auf zwei Glasplatten. „Es ist die älteste bekannte Aufnahme der Stadt und eine Besonderheit“, sagt Stadtarchivar Kulke. „Die Fotografie war ein kostspieliges, herrschaftliches Medium. Auf ihr erkennt man die gerade errichtete neue und die noch erhaltene alte Maximiliansbrücke.“

Eine Burg, wie sie dem König gefiel

Burg Prunn sticht im Unteren Altmühltal hervor. Schon König Ludwig I. war von dieser historischen Bauwerk begeistert und setzte sich für deren Erhalt ein. - Foto: Manfred Forster

Burg Prunn: Das historische Bauwerk auf einem Felssporn über dem Unteren Altmühltal ist eine weithin bekannte Landmarke, ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. In der Burg, deren Grundmauern, bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen, lässt sich sehr gut nachempfinden, wie die Menschen und die Herrschenden im Mittelalter gelebt haben. Schon für König Ludwig i. war die Burg Prunn etwas Besonderes. Bereits 1827, im zweiten Jahr seiner Regentschaft, setzte er sich für den Erhalt als historisches Denkmal ein. Bekannt ist Burg Prunn vor allem als Fundort einer originalen Handschrift des Nibelungenliedes, dem sogenannten „Prunner Codex“.