„Förster können Naturschutz“

Essing. Die Staatswälder um Essing hat Förster Ernst Süß immerhin 36 Jahre lang mit großer Passion, ohne einen Blick auf die Uhr und manchmal einer kritischen Note zu den Vorgaben von höheren Stellen bewirtschaftet. Aus dem Blick eines Kenners tragen sie seine gestalterische Handschrift. Nun geht der leidenschaftliche Wald- und Naturbewirtschafter in den verdienten Ruhestand. Die Sorge um das Wohlergehen der 1600 Hektar großen Pflanzen- und Tiergemeinschaft übergab er jetzt an seinen Nachfolger Max Hecht (26).
„Es sind und waren nie meine Wälder und ich freue mich, dass jetzt jemand anders dort wirken kann“, versichert er dem jungen Forstabsolventen, der damit seine erste langfristige Försterstelle bei den Bayerischen Staatsforsten antritt. Süß selbst konnte seine Försterlaufbahn zwar schon 1985 im Revier Frauenhäusl beginnen, wechselte aber 1988 in die Forste um Essing. „Ein bisschen stolz bin ich schon darauf, dass sich der Wald in diesen gut drei Jahrzehnten auf mich eingelassen und eine vielfältige Artenzusammensetzung geschaffen hat. Es macht Sinn, da etwas zu tun“, sagt Süß.
Es gibt Begehrlichkeiten
Während seiner Dienstzeit hat Süß manchen und nicht nur auf das Klima bezogenen Wandel erlebt. Etwa die Forstreform 2005 mit verstärkter EDV-Arbeitswelt auch im Wald sowie die Zielorientierung nach betriebswirtschaftlichen Aspekten, jedoch im Gleichklang mit Gesellschaft und Ökologie.
Auch die Begehrlichkeiten mancher Zeitströmungen beunruhigen ihn. „Es schmerzt, wenn große und über Generationen von Förstern entwickelte, herrlich stehende Waldflächen aus der Försterhand genommen und aus politischer Opportunität an den Naturschutz übergeben werden. Für uns Förster ist das befremdlich, weil wir mit jeder Maßnahme ohnehin den Naturschutz im Hintergrund haben“, erinnert er an einen erst kürzlich erfolgten Einschnitt. „Wir Förster können Naturschutz“, sagt er.
Der Wald hat nach seiner Überzeugung Zukunft, auch wenn er sich verändern wird. „Meine Leidenschaft ist auch im Ruhestand nach wie vor das Holz und die Jagd“, gesteht er, wobei nun das Reisen in größerem Maß dazukommt. Süß wird weiterhin in Randeck wohnen, das Dienstzimmer für den Nachfolger wird jedoch in das Gebäude des Forstbetriebs in Kelheim verlagert.
Max Hecht stammt aus dem Landkreis Tirschenreuth, er hat Forstwirtschaft an der Fachhochschule Erfurt studiert und wird mit seiner Freundin in Essing wohnen. Ein halbes Jahr lang war er zuvor in einem Revier am Spitzingsee tätig, doch das Revier in Essing hat ihm vom ersten Augenblick an zugesagt.
„Wunderschönes Revier“
„Es ist forstlich und landschaftlich ein wunderschönes Revier mit den besten Voraussetzungen auch in Bezug auf den Naturschutz. Ernst Süß hat mir die besten Voraussetzungen dazu hinterlassen“, freut er sich. Sein forstliches Ziel sieht er darin, Ökonomie, Ökologie sowie Soziales auf der gleichen Fläche zu vereinbaren und die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald zu erfüllen.
Für Betriebsleiterin Sabine Bichlmaier hat dieser Wechsel auch eine persönliche Note, zumal sie Süß seit vielen Jahrzehnten kennt und schätzt. „Wenn man so einen altgedienten Revierleiter verabschiedet, ist das schon eine emotionale Sache. Es kommt Wehmut auf, wenn jemand so lange in einem Revier wirken durfte. Mit ihm geht auch viel Wissen weg“, versichert die Chefin. Dazu komme aber die Freude, dass Hecht sich für den Forstbetrieb Kelheim entschieden hat – zumal in einer Zeit, wo junge Förster sich die Reviere aussuchen können. „Schön, wenn sich junge Kollegen super in das Team integrieren, er passt sehr gut zu uns“, versichert sie.
Hecht ist jeweils donnerstags von 13 Uhr bis 15 Uhr per Handy unter (0151) 11 20 59 90, auf dem Festnetz unter Telefon (0 94 41) 7 06 80 oder per Mail an max.hecht@baysf.de erreichbar.