Genossenschaftsbrauerei Rötz: Gespräche mit fünf potenziellen Kandidaten laufen

Von Stefanie Bauer · 6. November 2025 um 20:00

Schon Mitte Oktober hatte Fabian Gerl sich vorsichtig optimistisch gezeigt, was die Zukunft der Genossenschaftsbrauerei Rötz betrifft. Der Rechtsanwalt aus der Regensburger Kanzlei Wagner Lehner – Dr. Hans-Peter Lehner war zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Brauerei ernannt worden – hat nun weitere positive Neuigkeiten.

Der Plan der Kanzlei ist, einen potenziellen Käufer zu finden, der das Unternehmen erwirbt oder zumindest Teile davon. Schon kurz, nachdem die Traditionsbrauerei beim Amtsgericht Regensburg Insolvenz angemeldet hatte, war die Rede von drei potenziellen Kandidaten gewesen. Mittlerweile habe man schon mit fünf potenziellen Bewerbern Gespräche geführt. Drei davon seien bereits vor Ort gewesen, um die Brauerei zu besichtigen, einem weiteren der fünf sei diese schon zuvor bekannt gewesen, so Gerl.

Vor Ort weiterbrauen

Die potenziellen Kandidaten hätten sich positiv dazu geäußert, vor Ort weiterzubrauen und auch die Mitarbeiter zu übernehmen. Das erklärte Ziel sei es nach wie vor, die Zukunft der Brauerei bis Dezember geklärt zu haben. So lange laufen der Betrieb und die Lohnzahlungen noch wie gewohnt weiter.

Eine der Herausforderungen, die mit den potenziellen Bewerbern geklärt werden müssen, ist laut Gerl die denkmalgeschützte Immobilie, in der das Bier gebraut wird. Ob es für das Gesamtpaket „Brauerei und Immobilie“ daher eine Lösung geben werde, sei noch fraglich. Wahrscheinlicher sei es, dass das Ganze über eine Pachtlösung läuft. Entscheidend sei, „dass es vor Ort weitergeht“. Technisch gesehen ist die Brauerei, so traditionsreich sie ist, auf dem allerneuesten Stand: Sie besitzt sowohl eine komplett neue Abfüllanlage als auch einen neuen Lagerkeller. Detailfragen wie eine künftige Abfüllung müssen laut Gerl allerdings noch geklärt werden.

Zu klären sein werde auch der Einsatz der Bügelflasche: Einer der potenziellen Käufer könne sich vorstellen, diese weiterhin anzubieten, auch wenn sie mehr Aufwand in der Produktion bedeuten würde. Es handle sich immerhin um ein Markenzeichen der Genossenschaftsbrauerei.

Auch mit Kronkorken verschlossene Flaschen umfasst das Sortiment, ein Markenzeichen ist jedoch vor allem der Bügelverschluss. Dieser soll möglichst erhalten werden. - Foto: Archiv/S. Bauer

Und die Brauerei ist ein Markenzeichen und ein Wahrzeichen der Stadt. Erste Bierbrauer sind in Rötz immerhin bereits im 14. Jahrhundert urkundlich nachweisbar. Im Jubiläumsbuch der Stadt Rötz, das 2005 erschienen ist, wird auf Seite 257 auf die Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes, in dem sich die Genossenschaftsbrauerei befindet, eingegangen: „Im Jahr 1807/08 kauften bzw. ersteigerten 17 Bürger das alte, am äußeren Ende der Stadtmauer gelegene Pflegschloss, um dorthin das alte Brauhaus zu transferieren.“

Die potenziellen Kandidaten haben sich positiv geäußert, vor Ort weiterzubrauen.Rechtsanwalt Fabian Gerl

500-jährige Brautradition

Das Absatzgebiet des „Retza Biers“ erstreckt sich etwa von Weiden nach Regensburg, vor allem auch in der nördlichen Oberpfalz trifft es den Geschmacksnerv und hat viele Anhänger. Allen ist daran gelegen, dass die 500-jährige Brautradition in Rötz weitergeführt wird.

Wie Johann Sturm, einer der drei Vorstände mit Tino Gmach und Markus Riederer, unterstrichen hat, arbeite man „mit vollem Einsatz“ an der Zukunft der Brauerei, und währenddessen laufe diese „ganz normal weiter“. Der Insolvenzantrag sei „ein Schritt zur Neustrukturierung mit dem Ziel, unsere Brauerei langfristig zu sichern“. Das Interesse mehrerer potenzieller Käufer rückt das Ziel in greifbare Nähe.