Kreis Schwandorf strebt Verkehrsverbund mit Regensburg an – 2027 könnte es los gehen

Rund 40 Millionen Fahrgäste befördert der Regensburger Verkehrsverbund (RVV) jedes Jahr auf seinen knapp 90 Linien. Damit gehört der RVV im Vergleich zu benachbarten Verkehrsverbünden in München oder Nürnberg eher zu den kleineren. Doch dies könnte sich schon bald ändern.
Denn im Landkreis Schwandorf gibt es Überlegungen, sich komplett in den RVV zu integrieren. Dessen Tarifgebiet umfasst bislang nur Teile des Landkreises, vor allem im Süden.
Bereits 2019 war eine Verbundintegration Thema im Kreisausschuss. Damals hatte sich das Gremium dafür entschieden, mittels einer Studie die Sinnhaftigkeit eines solchen Schritts zu prüfen. Ein paar Monate später beschloss der Ausschuss, eine Vollintegration in den RVV anzustreben. Ein Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN), der alternativ im Raum stand, wurde als nicht sinnvoll bewertet.
Eindeutige Tendenzen in Richtung Regensburg
Auch RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein ordnet den Landkreis Schwandorf „eindeutig dem RVV“ zu, wie er jetzt im Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz, Touristik, Sport und Kultur erklärte. Im nächsten Jahr könnte nach seinen Worten die Ausweitung des Verbundraumes vorbereitet werden. Der größere Verbundraum könnte laut dem RVV-Geschäftsführer dann zum 1. Januar 2027 starten.
Neben dem Landkreis Schwandorf sind auch die Landkreise Kelheim, Cham und Straubing-Bogen sowie die Stadt Straubing potenzielle Beitrittskandidaten zum RVV.
Dass es nun ein Datum für den Start gibt, ist Licht am Ende des Tunnels.Thomas Ebeling, Schwandorfer Landrat
Dass es nun ein Datum für den Start gebe, bezeichnete Landrat Thomas Ebeling (CSU) als „Licht am Ende des Tunnels“. Auch unter den Kreisräten gab es Zustimmung für den Schritt. Es sei „der richtige Weg“, fand Marianne Schieder (SPD), auch wenn die „eindeutigen Tendenzen nach Regensburg“ im Süden des Landkreises stärker seien als im Norden.
Die Kreisräte waren sich einig, dass durch eine Integration in den RVV die Attraktivität des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gesteigert werden könne. Den ÖPNV zu verbessern, sei schon immer das Ziel gewesen, fand FW-Kreisrat Joachim Hanisch. Mit dem RVV habe man einen „erfahrenen Partner an der Seite“.
Als Argument für die Integration in den RVV nannte der Landrat die Förderung des Freistaates. Bayern unterstützt finanziell die Schaffung von Verkehrsverbünden oder die Integration in bestehende. So können zum Beispiel Kosten für Vertriebssysteme oder Haltestelleneinrichtungen mit 90 Prozent gefördert werden.
Der RVV-Geschäftsführer sicherte den Kreisräten zu, dass das Vorverkaufsstellennetz auf Wunsch ausgedehnt werden könne. Derzeit umfasse der Kundenservice vor Ort rund 100 Vorverkaufsstellen und ein Kundenzentrum am Regensburger Bahnhof.
Tarife könnten vereinheitlicht werden
Mit der Integration könnten auch die Tarife vereinheitlicht und damit Zugangshemmnisse abgebaut werden, so der Tenor. Dadurch werde die Nutzung des ÖPNV vereinfacht. Bisher herrscht ein regelrechtes Tarif-Dickicht: Im Norden gilt der Tarif Oberpfalz Nord (TON), im Süden der des RVV, an den Landkreisgrenzen gibt es Überschneidungen mit dem VGN oder der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Cham (VLC).
Dies zeigt, dass es bis zum Start eines gemeinsames Verkehrsverbundes noch einiges zu klären gibt. Das sieht Kai Müller-Eberstein genauso. So müsse die Aufteilung der Kosten und Einnahmen zwischen den Verbundpartnern geregelt werden. Vor allem aber müssten die Anteile an der Gesellschaft neu aufgeteilt werden.
Am RVV sind momentan die das Stadtwerk Regensburg. Mobilität GmbH (SMO) mit 51 Prozent und die Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis Regensburg mbH (GFN) mit 49 Prozent beteiligt. Die Details zu den künftigen Anteilen der Verbundpartner befinden sich noch in der finalen Abstimmung, hieß es im Ausschuss.
Noch kein finales Votum des Kreisausschusses
Müller-Eberstein berichtete den Schwandorfer Kreisräten auch über Neuerungen im RVV. So können Fahrscheine in den Bussen künftig nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden. Nach einer Testphase in zwölf Bussen werde der bargeldlose Ticketkauf nun auf die gesamte Bus-Flotte ausgeweitet. Auch in den Bussen im Landkreis Schwandorf könnte der bargeldlose Ticketkauf eingeführt werden. Ein Übergangszeitraum sei aber möglich, so Müller-Eberstein.
FW-Kreisrat Joachim Hanisch zeigte sich überzeugt, dass die Masse der Fahrgäste einer Abschaffung des Bargeldes in den Bussen „offen gegenüberstehen“ werde. „Ein paar werden darüber schimpfen, weil sie immer mit Bargeld bezahlt haben. Aber es lässt sich nicht mehr aufhalten“, meinte Hanisch.
Eine finale Entscheidung über den Beitritt hat der Kreisausschuss noch nicht getroffen. Die Fraktionssprecher signalisierten aber grundsätzlich die Bereitschaft zum Verbundeintritt.
Die Verwaltung geht davon aus, dass die noch fehlenden Informationen für die Entscheidung über den Verbundeintritt zeitnah vorliegen und die Abstimmung in der nächsten Ausschusssitzung möglich ist.