Altkleider-Sammlung im Landkreis Schwandorf vor dem Umbruch

Von Jan Lange · 3. November 2025 um 19:00

Es sind keine gute Zeiten für Altkleidersammler: Wegbrechende Märkte, Schrottklamotten und die Vermüllung von Containern und Standplätzen machen das Geschäft mit der Second-Hand-Bekleidung zu einem Problem. Einige Verwerter haben bereits die Reißleine gezogen und Container abgebaut. In den sozialen Netzwerken wurde bereits die Frage gestellt, wo man in Schwandorf überhaupt noch Altkleider abgeben kann.

Bis vor einigen Monaten gehörten sie zum Stadtbild wie die Glascontainer: die Altkleider-Behälter. Meist standen beide zusammen auf einem Platz. Doch inzwischen muss man genauer hinschauen, um den einen oder anderen Altkleidercontainer zu entdecken.

So stehen gleich fünf derartige Behälter am unteren Parkplatz des Schwandorfer Landratsamtes. Sie wurden von der Kolpingsfamilie aufgestellt, die zu den großen Altkleidersammlern in Schwandorf gehört. Neben den fünf Behältern am Landratsamt steht noch jeweils ein Container an der Krondorfer Straße bei der Feuerwehr, an der Schleiglstraße in Niederhof sowie bei der Stadtbibliothek an der Sandstraße. An den Standorten und der Anzahl hat sich zuletzt nichts geändert, bestätigt Vorsitzender Josef Ziegler.

Das BRK hat schon reduziert

Momentan nehme der Verwerter den Inhalt der Container noch ab, er zahle aber nichts mehr dafür. Das könnte sich aber, je nach Entwicklung, schnell ändern. Sollte die Kolpingsfamilie für die in den Container gesammelten Alttextilien sogar Geld bezahlen müssen, dann müsse über die Bereitstellung der Behälter neu diskutiert werden, findet Ziegler.

Das BRK hat die Anzahl seiner Altkleidercontainer dagegen schon reduziert: Waren es im Vorjahr noch 91 Behälter an 52 Plätzen, so sind es aktuell 84 Container an 48 Plätzen. Vorige Woche wurden wieder an mehreren Standorten in Nittenau Container entfernt. Weitere Abbauten seien laut BRK in den nächsten Monaten nicht geplant.

Drei Container stehen vor der Geschäftsstelle des BRK-Kreisverbands – die einzigen in der Großen Kreisstadt. Alle anderen Behälter in Schwandorf wurden schon vor einigen Jahren abgebaut. Das BRK hatte die verbliebenen Behälter an der Geschäftsstelle früher direkt an der Straße stehen und dann vor den Eingang umgesetzt. „Da haben wir sie besser im Blick“, sagt Mitarbeiterin Alexandra Maschek, die für die Altkleidersammlung zuständig ist. So würden die Behälter nicht mehr vermüllt werden.

In den Recyclinghöfen wie hier in Schwandorf kann ebenfalls nicht mehr benötigte Bekleidung abgegeben werden. - Foto: Jan Lange

Die zunehmende Vermüllung ist aber nur ein Problem, das die Altkleidersammler umtreibt. Seit einiger Zeit befindet sich auch der Markt für Alttextilien in einer weltweiten Krise. So gibt es in Osteuropa seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine praktisch keine Abnehmer mehr. Gleichzeitig wird der afrikanische Markt durch Billig-Neuware aus China überschwemmt, so dass die Vermarktung von sortierter gebrauchter Bekleidung auch dort kaum mehr möglich ist. Zwei große Textilrecyclingunternehmen haben deshalb bereits Insolvenz angemeldet.

Seit 2019 Container auch auf Recyclinghöfen

Thematisiert wurde die Entwicklung jetzt im Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz, Touristik, Sport und Kultur. Die Kreisverwaltung wies darauf hin, dass der Landkreis Schwandorf ebenfalls Altkleidercontainer anbietet – und zwar an seinen Recyclinghöfen und das seit November 2019. Derzeit sind es insgesamt 35 solcher Boxen. Verwertet werden die dort gesammelten Textilien von einem Bremer Unternehmen.

Ein weiteres, großes Unternehmen, das im Auftrag verschiedener Partner Altkleider im Landkreis Schwandorf sammelt, kommt aus dem Raum Landshut. Diese Firma hat derzeit 124 Container an öffentlichen Plätzen aufgestellt. Alle bisherigen Vertragspartner dieses Unternehmens wurden zwischenzeitlich darüber informiert, dass ohne eine Zuzahlung von 200 Euro pro Tonne die Sammlung zum 1. Juli 2025 eingestellt und die im Auftrag aufgestellten Container abgezogen werden. Im Juni diesen Jahres wurde auch vom Landkreis eine Zuzahlung in gleicher Höhe zur Stützung beantragt.

Kreisräte hatten zwei Optionen zur Auswahl

Den Kreisräten lagen nun zwei Optionen vor: Zum einen könnte der Landkreis einzelne auf öffentlichen Plätzen aufgestellte Container übernehmen und 200 Euro pro Tonne Altkleider an das Unternehmen aus dem Landkreis Landshut bezahlen.

Auch neben den Glascontainern am Globus-Markt gibt es noch zehn Sammelbehälter für Alttextilien. - Foto: Jan Lange

Diese Möglichkeit sollte aber nur bis Ende 2025 befristet werden. Die Standplätze sollten dann zeitnah ausgeschrieben und für ein bis zwei Jahre mit der Option einer Verlängerung vergeben werden. Nachteil bei der ersten Option: Der Landkreis hätte es dann mit zwei Vertragspartner zu tun gehabt, da der Vertrag mit der Bremer Firma regulär erst wieder zum 31. Dezember 2026 gekündigt werden könne.

Bei der zweiten Option würde der Landkreis keine Container anderer Sammler übernehmen und deshalb auch keine Zuzahlung an den Verwerter aus dem Raum Landshut zahlen. Stattdessen sollten maßvoll zusätzliche Altkleiderbehälter in den Recyclinghöfen aufgestellt werden. An die Bremer Firma muss der Landkreis seit April 2025 pro Tonne Alttextilien 180 Euro zahlen. Vorteil wäre dabei auch, dass es bei der Annahme unter Aufsicht eine gewisse Qualitätskontrolle gebe.

Die Kreisverwaltung hatte den Kreisräten die Annahme der zweiten Handlungsoption empfohlen, was der Ausschuss auch einstimmig tat.

Abgabemöglichkeiten

• Recyclinghöfe: Auf den 23 Recyclinghöfen im Landkreis Schwandorf gibt es aktuell 35 Altkleidercontainer. Deren Anzahl will der Kreis weiter erhöhen.

• Öffentliche Plätze: Einrichtungen wie das BRK oder die Kolpingsfamilie haben auf öffentlichen Plätzen (unter anderem Parkplatz Landratsamt) zahlreiche Container aufgestellt, die selbst oder von einer beauftragten Firma geleert werden. In den vergangenen Monaten ist die Anzahl dieser Plätze geringer geworden.

• Kleidersammlungen: Zusätzlich werden auch Haustür-Sammlungen, zum Beispiel von der Kolpingsfamilie, durchgeführt. Kolping macht dies zweimal im Jahr, zuletzt wurden dabei in Schwandorf rund fünf Tonnen und in Burglengenfeld gut acht Tonnen Alttextilien gesammelt.