Rashin Niaparast kehrte dem Iran den Rücken – Nun leitet sie eine Apotheke in Wackersdorf

Von Philipp Breu · 4. November 2025 um 11:00

Das deutschlandweite Apothekensterben hat längst auch den Landkreis Schwandorf erreicht. Erst kürzlich schloss die Rathausapotheke in Schwarzenfeld nach mehr als 50 Jahren ihre Pforten. Dass es auch anders geht, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Wackersdorf. Hier wurde für die Barbara-Apotheke eine junge Nachfolgerin gefunden: die gebürtige Iranerin Rashin Niaparast. Dass die 29-Jährige ihren Weg ins Oberpfälzer Seenland fand, war reiner Zufall.

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Ab und zu bereitet ihr der doch eher derbe Dialekt noch leichte Probleme, ansonsten fühlt sie sich hier pudelwohl. Rashin Niaparast ist in ihrer neuen Wirkungsstätte angekommen. Seit 1. September führt sie die Barbara Apotheke weiter, die zuvor 27 Jahre lang von Joachim Muss betrieben wurde und 2023 in das neu gebaute Ärztehaus zog.

Dass sie einmal in einem relativ kleinen Ort in der Oberpfalz ihre berufliche Heimat findet, hätte sie im Leben nicht gedacht. „Wackersdorf habe ich vorher noch nie gehört“, sagt die junge Frau und lacht. Aber woher auch: Schließlich war Niaparast zuvor in Nordrhein-Westfalen zuhause. Im rund 530 Kilometer von Wackersdorf entfernten Neuss bei Düsseldorf arbeitete sie in einer großen Apotheken-Kette.

Von Wackersdorf begeistert

Doch die Selbstständigkeit war für sie immer das Ziel. „Ich mag es einfach, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Niaparast. Sie habe dann eines Tages zufällig erfahren, dass in Wackersdorf eine neue Apothekerin gesucht werde. Das habe sich auch geografisch gut angeboten, denn Bayern habe ihr schon immer gefallen, wie die junge Frau erzählt. Sie liebt die Natur und ist gerne mit dem Camper unterwegs. „Da dachte ich mir, warum nicht.“ Den Schritt habe sie bisher nicht bereut, im Gegenteil. „Ich war total überrascht, wie modern und gut ausgestattet hier alles ist“, schwärmt sie.

Bei der offiziellen Übergabe überreichte Bürgermeister Thomas Falter (vorne, r.) der neuen Apothekerin (vorne, Mitte) Blumen. Zeitgleich wurde Joachim Muss (vorne, l.) in den Ruhestand verabschiedet. - Foto: Max Schmid, Archiv

Die 29-Jährige hat eine interessante Vita. Sie wuchs im Iran auf, ging dort zur Schule. Dort sei sie zwar bestens ausgebildet worden, dennoch sei die Zeit in ihrer Heimat mit vielen Hürden verbunden gewesen. „Frauen haben im Iran nicht so viele Freiheiten“, erklärt Niaparast. Für sie war klar: Wenn sie ein selbstbestimmtes Leben führen und ihre Träume verwirklichen möchte, muss sie woanders hin.

Mit 17 war es dann so weit. Die junge Frau zog nach Ungarn und studierte an der Universität in Debrecen Pharmazie. Vor allem die große Nähe zu ihrem Lieblingsfach Chemie faszinierte die gebürtige Iranerin, die heute stolze Trägerin eines Doktortitels ist.

Nach ihrem Studium in Ungarn ging sie nach Deutschland. „Meine Schwester arbeitet dort als Ärztin, deswegen war klar, dass ich irgendwann nach Deutschland gehe“, sagt Niaparast. In Nordrhein-Westfalen arbeitete sie schließlich drei Jahre. In dieser Zeit hat sie zwar viel gelernt, doch so richtig glücklich wurde sie in Neuss nicht. „Mir hat das nicht so gut gefallen“, schildert die junge Apothekerin. Alles sei sehr unpersönlich und hektisch gewesen. Dabei hätte sie sich gerne mehr Zeit für ihre Kunden genommen.

Denn Beratung stehe bei ihr ganz oben. Sie beantwortet gerne Fragen zu Rezepten und Wirkungen von Medikamenten. In Wackersdorf sei genau das auch möglich. „Alle sind total nett und dankbar“, schwärmt Niaparast, die viele ihrer Kunden mittlerweile persönlich kennt. Auch mit ihrem siebenköpfigen Team versteht sie sich blendend. „Wir sind wie eine Familie.“

Langfristiger Vertrag in der Barbara Apotheke

Einen Wermutstropfen gibt es dann aber doch. Zum Jahresende geht eine erfahrene Apothekerin in den wohlverdienten Ruhestand. Ein Nachfolger wird händeringend gesucht.

Die 29-Jährige ist aber durchaus guter Dinge, dass sich jemand finden wird – auch wenn die Zeiten nicht gerade rosig sind. Der Begriff „Apothekensterben“ geistert schon seit Jahren durch die Branche. Vor allem im ländlichen Bereich geben viele Apotheker auf. Sie klagen häufig über mangelnde Unterstützung der Politik, gestiegene Kosten, überbordende Bürokratie, die wachsende Online-Konkurrenz und den Stillstand in Sachen Honorare.

Aber davon lässt sich Rashin Niaparast nicht beirren. Für sie steht der maximale Profit nicht im Vordergrund, sondern die Hilfe, die sie ihren Kunden tagtäglich geben kann. Deshalb sieht sie sich auch langfristig in Wackersdorf und hat einen Mietvertrag über die nächsten 15 Jahre unterschrieben.

Darüber freut sich ebenfalls Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter. „Eine Apotheke ist für ein Ärztehaus eigentlich unverzichtbar. Umso dankbarer sind wir, dass wir mit Frau Niaparast eine junge, kompetente Nachfolgerin gefunden haben.“