Nach 50 Jahren: Rathaus-Apotheke in Schwarzenfeld streicht die Segel

Von Philipp Breu · 8. Oktober 2025 um 17:00

Das deutschlandweite Apothekensterben macht auch vor dem Landkreis Schwandorf nicht Halt. Nun hat es die Rathaus-Apotheke in Schwarzenfeld erwischt, die seit rund 50 Jahren im Markt verwurzelt ist. Inhaber Roland Graml erklärt die Gründe – und lässt auch kein gutes Haar an der Politik.

„Ich war mit Leib und Seele Apotheker“, sagt Graml. Auch bei ihm schwingt, wie bei so vielen anderen, die in der jüngeren Vergangenheit ihre Geschäfte schließen mussten, die Wehmut mit. 34 Jahre lang war er in der Apotheke an der Schwägerlstraße tätig. Seit 1994 hat er sie geleitet.

Der Entschluss, aufzuhören, reift eigentlich schon seit drei Jahren. Die Gründe sind vielfältig, wie der Apotheker erzählt. Da wäre zum einen die große Konkurrenz durch Online-Riesen und die zunehmende Bequemlichkeit der Patienten, die sich vor allem seit der Corona-Pandemie ihre Medikamente lieber im Internet bestellen und nach Hause liefern lassen.

Überbordende Bürokratie und Mehrkosten

Graml führt auch noch die überbordende Bürokratie an. Die habe sich immer weiter aufgebläht, ausgefallenere Medikamente seien mit ellenlangen Genehmigungen verbunden. Das alles schlucke Zeit und Personalressourcen.

Ich war mit Leib und Seele Apotheker.

Roland Graml

Und dann wäre da auch noch die finanzielle Situation. Die Personalkosten seien in den zurückliegenden Jahren immer weiter gestiegen, auch die Digitalisierung habe eine Menge Geld verschlungen. Die Honorare, also die Festzuschläge, die Apotheken pro verkauftes Medikament erhalten, wurden aber nicht entsprechend angepasst. Zu allem Überfluss kamen auch noch gesundheitliche Probleme wegen zweier schwerer Unfälle hinzu. All das habe letztlich die Entscheidung unausweichlich gemacht, erzählt der 65-Jährige. Man habe lange nach einem Nachfolger gesucht, doch wie so oft niemanden gefunden.

Seit etwa 50 Jahren ist die Rathaus-Apotheke in Schwarzenfeld zuhause. - Foto: Philipp Breu

„Apotheken sterben leise“, sagt Roland Graml und spielt damit auf die deutschlandweite Entwicklung an. Die öffentlichen Zahlen in der Branche sind durchaus alarmierend. „Vor zehn Jahren hat es noch über 20 000 Apotheken gegeben. Jetzt sind es gerade mal etwa 16 800“, sagt Graml.

In der Rathaus-Apotheke fand Roland Graml die große Liebe

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) warnt schon seit Jahren davor, dass die flächendeckende Medikamentenversorgung bald nicht mehr sichergestellt ist – vor allem im ländlichen Raum. Doch laut Graml fehlt der Wille der Politik, daran wirklich etwas zu ändern. „Lippenbekenntnisse gibt es immer wieder, doch es handelt niemand“, sagt der erfahrene Apotheker.

Doch alles schlecht reden will er dann auch nicht. Schließlich habe er in den mehr als 30 Jahren in Schwarzenfeld viele schöne Momente erleben dürfen. Seine Entscheidung, als gebürtiger Nittenauer etwas weiter nördlich Fuß zu fassen, sollte sich auch privat als Volltreffer erweisen. Denn tatsächlich lernte Roland Graml in der Rathaus-Apotheke seine spätere Ehefrau Christine kennen, die dort Stammkundin war.

Seit 20 Jahren sind beide mittlerweile verheiratet, und Christine ist als Kaufmännische Leitern längst ein fester Bestandteil des Betriebs.

Zum 25. Oktober sind die Lichter in der Rathaus-Apotheke aus

Auch den Kundenkontakt hat Roland Graml immer geschätzt, und die Dankbarkeit, die ihm dabei entgegengebracht wurde. Viele kennen er und seine Frau seit Jahrzehnten. Und neben dem Geschäft habe man sich immer gerne Zeit für persönliche Gespräche genommen. 2002 wurde großflächig umgebaut, und es wurden bis heute viele Jubiläen treuer Mitarbeiter gefeiert, die in der Rathaus-Apotheke gelernt und bis zu ihrer Rente dort geblieben sind.

Am 25. Oktober wird das alles Geschichte sein. Einen entsprechenden Hinweis haben die Gramls am Schaufenster angebracht. Im Inneren der Apotheke wird kräftig ausgeräumt. „Das Lager ist schon sehr ausgedünnt. Rezepte können wir bis zur Schließung aber noch gut beliefern“, versichert der Inhaber.

Für die Zeit nach dem 25. Oktober hat sich Roland Graml noch keine großen Gedanken gemacht. Er müsse sich im Ruhestand erst einmal um seine Gesundheit kümmern, sagt er. Und dann freut er sich, dass mehr Zeit für den geliebten Garten bleibt.