Das Backen von Seelenwecken – ein fast verschwundener Brauch zu neuem Leben erweckt

Von Isabell Dachs · 2. November 2025 um 05:00

Der November gilt als Monat für Trauer und wird im Volksmund oft auch Totenmonat bezeichnet. Bräuche wie das Backen von Seelenwecken verschwinden langsam.

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Die Tage von Allerseelen bis zum Totensonntag sind dem Andenken an Verstorbene gewidmet. Nicht nur bei Christen führt der Glaube an die Lösbarkeit der Seele vom Körper zur Vorstellung von Unsterblichkeit. Gedächtnisfeiern zur Verehrung der Seelen der Verstorbenen waren und sind auch in anderen Kulturen üblich.

Die Entstehungsgeschichte des Festtags Allerheiligen geht auf das Fest aller heiligen Märtyrer zurück, das ursprünglich am 13. Mai gefeiert wurde. Papst Gregor III. weihte im 8. Jahrhundert eine Kapelle in der Basilika St. Peter allen Heiligen und legte dabei für die Stadt Rom den Feiertag auf den 1. November. Dieser Termin wurde im Jahr 835 von Papst Gregor IV. für die gesamte Westkirche übernommen.

Auf das Hochfest Allerheiligen folgt am 2. November Allerseelen, welcher ein Gedenktag für unsere verstorbenen Verwandten, Freunden und Bekannten ist. Wir beten für ihre Seelen, und dass Gott sie in den Himmel aufnimmt. Brauch wäre es eigentlich, an diesem Tag den Friedhof zu besuchen. Da Allerseelen jedoch kein gesetzlicher Feiertag ist, wurde der Gräbergang auf den Allerheiligentag verlegt, der aber auch nur in katholisch geprägten Bundesländern ein Feiertag ist.

Seelen im Fegefeuer

Der christlichen Lehre nach, sollte an Allerseelen vor allem für die Verstorbenen gebetet werden, die im Fegefeuer auf ihren Einzug in den Himmel warten. Ihre Leiden sollten durch das Gebet erleichtert werden. In seinem Buch „Höre Wanderer das Lachen aus diesem Grab“ erklärt der Kirchen- und Ideologiekritiker Volker Dittmar die historische Auffassung dazu: „Bei der Unvollkommenheit der menschlichen Natur stand zu erwarten, dass jede Seele vor ihrer Aufnahme in den Himmel erst im Fegfeuer geläutert werden musste. Die Einsicht, dass mit dem plötzlichen Tod diese Zeit bereits schon im nächsten Moment anbrechen könnte, raubte vielen Menschen schon während ihres irdischen Daseins die innere Ruhe.“

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Als eine Garantie für das paradiesische Jenseits wurde von der katholischen Kirche empfohlen, dass nach dem Tod sogenannte Seelenmessen gelesen werden sollten. Das hat sich bis heute erhalten, lassen Angehörige und Freunde doch immer noch Messen für einen Verstorbenen aufschreiben. Diese Messen dienen heutzutage aber dem Gedenken an den jeweiligen Verstorbenen und der Trauerbewältigung für Angehörige. Eine etwas andere Sichtweise haben die evangelischen Christen. Nach dem protestantischen Glauben erlangen Gläubige die Errettung ihrer Seele nicht durch gute Werke, sondern allein durch die göttliche Gnade und ihren Glauben. Evangelische Gläubige gedenken der Verstorbenen daher auch an einem anderen Tag, dem Totensonntag oder Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag vorm Advent.

So werden die Sejawecken zubereitet

500 g griffiges Mehl in eine Schüssel geben und in der Mitte eine Grube machen. Einen halben Hefewürfel in der Grube bröseln, einen Teelöffel Zucker und etwas lauwarme Milch dazugeben und mit etwas Mehl verrühren. Schüssel mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken und an einem warmen Ort zehn bis 15 Minuten gehen lassen. - Foto: Isabell Dachs
2 Eier, 100 g Butter, 80 g Zucker, 1 Prise Salz, etwas Zitronenabrieb (ca. von ½ Zitrone) und 180 ml lauwarme Milch dazugeben und den Teig abschlagen, bis er sich von der Schüssel löst, eine glatte, gleichmäßige und glänzende Beschaffenheit hat. - Foto: Isabell Dachs
Der Teig wieder zugedeckt in der Schüssel gehen lassen, je nach Umgebungswärme etwa eine halbe bis eine Stunde. - Foto: Isabell Dachs
Der Teig muss mindestens doppelt so hoch sein, bevor er weiterverarbeitet wird. Danach den Teig in sechs bis acht gleiche Stücke teilen. - Foto: Isabell Dachs
Die einzelnen Stücke in jeweils drei Teile aufteilen, in dünne runde Stränge rollen, zu Zöpfen flechten und auf ein Backblech geben, bevor sie bei etwa 170° in den Backofen kommen. - Foto: Isabell Dachs
Dort backen sie in etwa 20 Minuten, bis sie sich oben braun färben. Danach abkühlen lassen und mit Zuckerguss bestreichen - Foto: Isabell Dachs
Danach sind sie fertig zum Verschenken oder selbst genießen. - Foto: Isabell Dachs

Schon im Mittelalter und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war es in Altbayern Brauch, an Allerseelen sogenannte Seelenbrote, oder Seelenwecken zu backen. Dabei handelte es sich um einen Hefeteig, der ähnlich einem Salzweckerl in einem Zopf geflochten wurde. Vor allem Kinder, aber auch Arme wurden damit beschenkt.

Jedes "Vergelt's Gott" der Beschenkten führte nach Volksglauben dazu, dass eine arme Seele aus dem Fegefeuer erlöst wurde. In einigen Regionen ist es bis heute noch üblich, dass Paten für ihre Patenkinder Seelenweckerl backen oder sie zumindest damit zu beschenken.

Die Zopfform der „Sejawecken“ mit den drei Strängen erinnert an die Heilige Dreifaltigkeit, das Ineinanderschlingen symbolisiert die Ewigkeit. In manchen Gegenden soll dieses Gebäck auch auf die Gräber gelegt worden sein, damit die Verstorbenen, wenn sie in der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen in unsere Welt zurückkehren, Nahrung zu sich nehmen können.

Seelenwecken backen

In manchen Bäckereien werden etwa zwei Wochen um Allerseelen heute noch Seelenwecken angeboten. Sie können aber auch gut selbst hergestellt werden. Als Grundstock benötigen wir einen mittelfesten Hefeteig. Anfangs stellen wir uns einen Vorteig her, auch Dämpferl oder bei uns „Doigal“ (Teiglein) genannt. Dazu wird 500 g griffiges Mehl in eine Schüssel gegeben und in der Mitte eine Grube gemacht. Dann zerbröseln wir einen halben Hefewürfel in der Grube, geben einen Teelöffel Zucker und etwas lauwarme Milch darüber und verrühren es mit etwas Mehl zu einem dickflüssigen Teiglein. Darüber stauben wir vorsichtig noch etwas Mehl, decken die Schüssel mit einem sauberen Geschirrtuch ab und lassen es an einem warmen Ort (beispielsweise neben dem Ofen) gehen, bis es etwa die doppelte Größe erreicht hat (zehn bis 15 Minuten).

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Vorsicht ist mit Zugluft geboten, auf diese reagiert der Hefeteig äußerst empfindlich und fällt sofort in sich zusammen. Die restlichen Zutaten, bestehend aus 2 Eiern, 100 g Butter, 80 g Zucker, 1 Prise Salz und etwas Zitronenabrieb (ca. von ½ Zitrone) werden auch bereits warm gestellt, sie können beispielsweise auf dem verbliebenen Mehlrand abgelegt werden.Den gegangenen Vorteig nun mit etwas Mehl verrühren und die restlichen Zutaten und 180 ml lauwarme Milch vorsichtig untermengen. Den Teig dann so lange abschlagen und eventuell kneten, bis er sich von der Schüssel löst, eine glatte, gleichmäßige und glänzende Beschaffenheit hat. Wird er mit der Hand abgeschlagen, muss er Blasen werfen. Das Kneten es funktioniert aber auch ein Rührgerät mit Knethaken.

Danach muss der Teig wieder zugedeckt in der Schüssel gehen, je nach Umgebungswärme etwa eine halbe bis eine Stunde). Danach den Teig in sechs bis acht gleiche Stücke teilen. Diese einzelnen Stücke werden nochmal jeweils in drei Teile aufgeteilt, dünne runde Stränge gerollt und wie ein Zopf geflochten. Die fertigen Zöpfe dürfen nun nochmals 10-15 min. auf einem Backblech gehen, bevor sie bei etwa 170° in den Ofen kommen. Dort backen sie in etwa 20 Minuten, bis sie sich oben braun färben. Danach abkühlen lassen, mit Zuckerguss bestreichen und verschenken oder gleich selber genießen.

Das nächste Mal

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