Mega-Projekt dauert: Der Ausbau des Pfaffensteiner Tunnels kommt nicht in Fahrt

Von Marion Koller · 2. November 2025 um 18:00

Auch wenn Summen aus dem Berliner Infrastrukturpaket fließen, rollen die Bagger in Regensburg frühestens 2029. So lange dauert die Planung des Mega-Projekts Pfaffensteiner Tunnel auf jeden Fall. Für die Bauphase, wenn eine Röhre gesperrt wird, gibt es noch keine Ausweichlösung.

Video ansehen

Berufstätige, die morgens den Pfaffensteiner Tunnel in Richtung Süden ansteuern, wissen, dass sie mehr Zeit einplanen müssen. Es kann jederzeit zum Stau kommen. Problematisch sind auch der Donnerstag- und Freitagnachmittag, wenn viele Pendler auf der A93 unterwegs sind. Nach einem Unfall auf der Autobahn weiten sich die Staus in die Stadt aus, weil viele über städtische Straßen ausweichen wollen. Durchschnittlich 27 Stunden haben Autofahrer in Regensburg im Vorjahr in stehenden Blechkolonnen vergeudet. Das hat der Verkehrsdienstleister Inrix herausgefunden.

Wie geht es also weiter mit dem Nadelöhr Pfaffensteiner Tunnel? Wird wirklich erst ab 2029 ausgebaut und saniert, wie die Autobahn GmbH des Bundes im Dezember bekanntgab? Schließlich plant der Bund inzwischen ein Infrastrukturpaket mit 500 Milliarden Euro.

Aktuelle Verkehrszählung

„Es gibt noch keine gesetzliche Grundlage, was und wie viel aus dem Infrastrukturpaket fließt“, sagt Christoph Graebel von der Agentur Lots in Leipzig. „Es wird seit Monaten in der Politik darüber gesprochen, aber das Geld gibt es noch nicht.“ Der Kommunikationsexperte spricht für die Autobahn GmbH und das Bundesverkehrsministerium. Die Planungen für Pfaffensteiner Tunnel und Brücke laufen. „Sie werden immer detaillierter“, sagt er.

Eine neue Verkehrsanalyse soll Aufschluss über die Zahl der Autos und Lastwagen geben, die täglich den Tunnel durchqueren. Der Auftrag ist am Donnerstag an ein Fachbüro gegangen. „Wahrscheinlich wird noch dieses Jahr eine Woche lang gezählt“, kündigt Graebel an. Die letzten Daten stammen aus dem Corona-Jahr 2021, als weniger Menschen unterwegs waren. Damals rollten in 24 Stunden 74.700 Fahrzeuge auf der Pfaffensteiner Autobahnbrücke und 61.400 durch den Tunnel. Für 2030 werden 105.000 und 76.000 prognostiziert.

Der 880 Meter lange Tunnel muss nicht nur saniert werden. Die beiden Röhren werden auch erweitert, um mehr Platz für den Verkehr zu schaffen. Es entstehen Verflechtungsstreifen zwischen den Anschlussstellen Pfaffenstein und Regensburg-Nord, wie es sie auf der Brücke bereits gibt. Die Fahrbahnquerschnitte – Straße und Sicherheitsabstand – werden dann im Tunnel 13 statt der bisherigen neun Meter betragen. Die Brücke muss ebenfalls neu gebaut werden. Sprecher Christoph Graebel sagt klar: Das Infrastrukturpaket des Bundes könne zwar dafür sorgen, dass mehr Geld fließt. Doch der Bau werde wegen der Planungsdauer trotzdem nicht vor 2029 starten.

Es wäre mehr als fahrlässig, aufs Tempo zu drücken, ohne zu wissen, wie der Verkehr während der Bauzeit fließt.Dr. Carolin Wagner, MdB der SPD

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Aumer erinnert, dass in der ersten Bauphase drei bis vier Jahre lang eine Röhre gesperrt werden muss. Der Verkehr wird in beiden Richtungen durch die zweite Röhre fließen. Die Autobahn GmbH solle bald mitteilen, wie der Strom an Fahrzeugen in dieser Bauphase bewältigt werde. „Stadt, Landkreis und Bund sollen eine möglichst staufreie Lösung entwickeln“, sagt Aumer. „Ausnahmsweise ist bei der Tunnelsanierung nicht Geld das Problem, sondern die lange Planung.“

Seine SPD-Kollegin Dr. Carolin Wagner sagt, mit dem Infrastrukturpaket werde in die Zukunft investiert: 115 Milliarden Euro würden noch 2025 in Straßen, Schienen, Krankenhäuser und Schulen fließen und weitere 126 Milliarden Euro 2026. „Das bedeutet aber nicht, dass nun wie mit dem Zauberstab bis morgen alles glänzt. Die Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels ist ein komplexes Projekt, das sorgfältige Planung und Abstimmung erfordert.“

Noch später als 2029?

Auch wenn das Infrastrukturpaket zusätzliche Mittel bereitstelle, sei es wichtig, dass diese effizient eingesetzt werden, ohne wichtige Schritte im Planungs- und Genehmigungsverfahren zu überspringen. Naturschutz- und Umweltbelange ließen sich aus gutem Grund nicht einfach beiseitewischen. „Es wäre mehr als fahrlässig, aufs Tempo zu drücken, ohne zu wissen, wie der Verkehr während der Sanierung fließen soll.“ Auch die Sallerner Regenbrücke und die Fertigstellung der Bahn-Haltepunkte Walhallastraße und Diesenbach spielen dabei eine wichtige Rolle. Wagner sagt, sie stehe in engem Kontakt mit der Autobahndirektion Süd und anderen Akteuren. „Ich glaube nicht, dass ein Beginn der Maßnahme 2029 – oder gar vorher – realistisch ist."

Die geplanten Baumaßnahmen

Tunnel: Der 1977 eröffnete Tunnel Pfaffenstein muss mittelfristig instandgesetzt werden. Das gilt vor allem für die Tunnel-Innenschalen, die wegen Betonschäden – etwa durch Chlorideinträge – komplett erneuert werden müssen.

Donaubrücke: Die Autobahnbrücke Pfaffenstein südlich des Tunnels wurde 1963 bis 1967 gebaut. Sie besteht aus nebeneinander liegenden Teilbauwerken. Das nördliche Widerlager der Brücke grenzt an das Tunnelportal an. In diesem Bereich liegen auch Ein- und Ausfahrtrampen der Anschlussstelle Regensburg-Pfaffenstein, von denen drei Teil der Donaubrücke sind.

Zur Verbesserung des Verkehrsflusses wurden die beiden Seitenstreifen auf der Brücke 2006 nach einer Ertüchtigung für den Verkehr als durchgehende Verflechtungsstreifen freigegeben. Wegen des Alters und des baulichen Zustands der Brücke ist mittelfristig ein Ersatzneubau notwendig. Tunnel- und Brückenprojekt befinden sich in unterschiedlichen Planungsstadien.