Dörnbergviertel in Regensburg: Wohnungseigentümer reichen Millionen-Klage ein

Von Marion Koller · 31. Oktober 2025 um 05:00

In dem Regensburger Quartier bröckeln Fassaden – Wohnungseigentümer befürchten hohe Kosten, deshalb sind sie vor Gericht gezogen.

Die Rechtecke aus Folie und orangefarbenem Klebeband an der Fassade springen sofort ins Auge. Darunter verbergen sich mutmaßlich Bauschäden. „Alle Eigentümer sind geschockt und haben Angst vor den Sanierungskosten“, sagt ein Vater, der mit seinem radfahrenden kleinen Sohn unterwegs ist. Er wohnt mit der Familie wie rund 350 weitere Parteien in dem langgezogenen Gebäuderiegel im Dörnbergviertel an der Bahn. Freilich hat der junge Vater gemietet und macht sich keine Sorgen, während der Großteil gekauft hat und seit Monaten bangt.

Die Lage ist ruhig und grün, fast wie in einem Freizeitpark. Direkt vor den Gärten liegen Spielplätze mit hölzernen Pferden. Ausgelassen toben Kinder unter den Augen der Eltern.

Maulkorb für Hausmeister

Die Folienrechtecke an der Fassade stören die Idylle ein wenig, denn sonst ist alles perfekt. An den vier Stellen haben Gutachter Proben des Mauerwerks entnommen. Diese sollen Aufschluss darüber geben, warum der nur wenige Jahre alte Putz bröckelt. Die Bewohner sind ab 2019 eingezogen. Die Fassadenschäden können viele Ursachen haben: Zum Beispiel Fehler des Herstellers oder der Handwerksfirmen. Mehrere Gutachter haben sich mit dem Fall beschäftigt. „Nicht mal die sind sich einig“, sagt der Vater, dessen Sohn vom Rad abgestiegen ist und vorausläuft.

An vier Stellen wurden Fassadenproben entnommen. - Foto: Koller

„Es ist eine sehr komplexe Sachlage.“ Bei so hoch entwickelten Fassaden, die den DIN-Normen und dem Gebäudeenergiegesetz entsprächen, komme es leicht zu Mängeln.

Vor dem Gebäuderiegel schaut der Hausmeister nach dem Rechten. Er kennt die Probleme, hält aber erst telefonische Rücksprache mit einem Vertreter der Wohnungseigentümergemeinschaft. Dann winkt er ab: „Das ist ein laufendes Verfahren. Wir dürfen keine Informationen herausgeben.“

Auskunft erteilt Dr. Britta Wankerl, Richterin und stellvertretende Pressesprecherin am Landgericht Regensburg. Dort liegt ein Klageverfahren gegen die „Dörnberg-Viertel Projekt Verwaltungs-GmbH u.a.“ vor. Gegenstand sind etwaige Mängel und Schäden an dem Gebäudekomplex in der Sarmanna-Straße. Klägerin ist eine Wohnungseigentümergemeinschaft. Es geht um eine hohe Summe. „Die Klägerin begehrt einen Kostenvorschuss in Höhe von 3,93 Millionen Euro für die Beseitigung der betreffenden Mängel sowie die Feststellung der Ersatzpflicht der Beklagten für etwaige weitere mangelbedingte Nachteile, die über die Mangelbeseitigungskosten hinausgehen“, erklärt Wankerl. In dem Verfahren wurde ein schriftliches Sachverständigen-Gutachten eingeholt, zu dem die Parteien bis zum 3. Dezember Stellung nehmen können.

Die Eigentümergemeinschaft begehrt einen Kostenvorschuss in Höhe von 3,93 Millionen Euro für die Beseitigung der betreffenden Mängel.Dr. Britta Wankerl, Richterin und stellvertretende Sprecherin am Landgericht Regensburg

Der Münchner Hubert Haupt, Investor und Gesellschafter der Dörnbergviertel Projekt Verwaltungs-GmbH, baute das Quartier. „Wir stehen auf Seiten der Wohnungseigentümer, auch wenn sie uns verklagt haben“, sagt er. „Wir haben das nicht verschlampert.“ Ein Generalunternehmer sei beauftragt worden mit dem Bau der Immobilie. „Wir haben die Firma dafür bezahlt, dass sie das Objekt zu 100 Prozent gut baut“, betont Haupt. „Deshalb reichen wir die Klage weiter.“ Schließlich gebe es eine fünfjährige Gewährleistungsfrist. Die Wohnungseigentümergemeinschaft verklage die Dörnbergviertel Projekt Verwaltungs-GmbH, weil diese ihr Vertragspartner sei und nicht der Generalunternehmer.

Ein weiteres Gebäude mit Schäden - Foto: Rieder

Weil dieser Generalunternehmer, ein großer Baukonzern, weitere Firmen beauftragt hat und auch Architekten eingebunden waren, muss zunächst herausgefunden werden, wer für die Mängel verantwortlich ist. Hier kommen Gutachter zu Wort.

Gelungene Mischung

„Das zieht sich oft hin“, bedauert Hubert Haupt. Zum Schluss entscheidet das Gericht, wer zur Kasse gebeten wird. Das kann auch eine Versicherung sein.

Am Donnerstag wurde die Fassade erneut untersucht. - Foto: Matthes

Die Bewohner fühlen sich wohl in dem Haus. „Die Wohnungen sind traumhaft“, sagt der Familienvater, der inzwischen Sohn und Kinderfahrrad trägt. Es geht nach Hause, denn der Kleine hat Hunger. Zwölf bis 16 Euro pro Quadratmeter kostet die Kaltmiete. Der Mieter aus dem Dörnbergviertel schätzt die soziale Mischung mit Familien, Alleinstehenden, Eigentümern und Mietern in geförderten Apartments. „Hier gibt es keine Versnobung.“ Man bewege sich nicht nur in der eigenen Bubble, sondern lerne verschiedene Lebensentwürfe kennen.