Olympia: So will Regensburg profitieren – Stadt hat sich schon in München gemeldet

Vorrundenspiele im Jahnstadion, Training in der Leichtathletikhalle und Gäste aus aller Welt – Regensburg hat wegen Olympia schon beim Münchner Oberbürgermeister Interesse angemeldet.
1972 kickten olympische Fußballer bei sechs Vorrunden-Partien im alten Jahnstadion an der Prüfeninger Straße. Einige spätere Weltstars mischten mit, darunter der Brasilianer Paulo Falcão und der Ukrainer Oleg Blochin. Alte Regensburger erinnern sich noch an das internationale Flair, das die Athleten und Gäste damals in die Stadt brachten. Lässt sich das wiederholen?
Die hohe Münchner Zustimmung zur Olympia-Bewerbung beim Bürgerentscheid am Sonntag beflügelt auch die Regensburger Hoffnungen. „Am schönsten wäre es, wenn einzelne Wettbewerbe bei uns stattfinden könnten“, sagt Sportbürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein.
Noch ist alles weit entfernt. Es geht um die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Aber der Bürgerentscheid mit 66,4 Prozent Ja-Stimmen stärkt München den Rücken. Und auch viele Regensburger hoffen.
Angebot an München
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer findet die Münchner Entscheidung fantastisch. „Sowohl das Jahnstadion als auch die Donau-Arena oder unsere hochmoderne Leichtathletikhalle könnten für Trainingseinheiten oder kleinere Wettbewerbe zur Verfügung stehen“, sagt sie. Das hat die Stadtspitze dem Münchner Oberbürgermeister bereits angeboten. Maltz-Schwarzfischer ist überzeugt, dass Regensburg als Welterbe auch aus touristischer Sicht profitieren würde.

Schließlich liegt die Oberpfalzmetropole nur 130 Kilometer entfernt von der Landeshauptstadt. 1972 konnten die Fans sechs Partien im alten Jahnstadion verfolgen: Unter anderem kickte die Sowjetunion gegen Mexiko, Iran gegen Brasilien und Dänemark trat gegen Polen an. Ein Wermutstropfen war allerdings das überschaubare Zuschauerinteresse. Zu den sechs Begegnungen kamen nur insgesamt 30 000 Zuschauer. Sportbürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein ist überzeugt, dass heute die Olympia-Begeisterung in der Stadt groß wäre.
Das zeigen auch von Jahr zu Jahr besser besuchte Veranstaltungen wie der Regensburg Marathon, der heuer eine maximale Teilnehmerzahl einführte, und der Arber-Radmarathon. Und schließlich sind die Regensburger sportbegeistert. Sie laufen, fechten, radeln, rudern, spielen Tennis oder Volleyball in mehr als 160 Sportvereinen.

„Wir müssen die Hand heben, wenn es um Trainingsstätten und Übernachtungen geht“, gibt Freudenstein der Oberbürgermeisterin recht. Dass München Ja sage zur Olympia-Bewerbung sei für ganz Bayern eine wunderbare Nachricht. „Sollten die Spiele zu uns nach Bayern kommen, wird das ganze Land sowohl wirtschaftlich als auch sportlich und touristisch ganz enorm davon profitieren, natürlich auch Regensburg“, ist Freudenstein überzeugt. Mit Olympia würden noch viel mehr Gäste das Welterbe entdecken.
Wir müssen die Hand heben, wenn es um Trainingsstätten und Übernachtungen geht.Dr. Astrid Freudenstein, Sportbürgermeisterin
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in Frankfurt plant und organisiert die Teilnahme deutscher Athleten an Olympia. Sprecher Felix Wolf sagt, dass die Trainingsstätten noch nicht feststehen. Es gebe sogenannte Partnerprogramme. „Dass Teams etwa aus Spanien kommen und sich auf die Spiele vorbereiten.“ Das geschehe in den Nachbarstädten von München. „Es sollte in der Umgebung sein, aber es gibt keine genaue Vorgabe.“ Solche Trainingslager könnten eventuell in Regensburg stattfinden.
Jakob Reitinger leitet seit dem Frühjahr die Regensburg Tourismus GmbH (RTG). Seinem Urteil nach würde die Stadt durch Olympische Spiele in München gewinnen. „Es wäre mit zusätzlichen Übernachtungen, internationalen Gästen und Tagesbesuchen zu rechnen.“
Abstecher in die Oberpfalz
Reitinger denkt dabei an das Olympia-Publikum, das den München-Aufenthalt mit einem Abstecher ins UNESCO-Welterbe, zur Donaukulisse und Steinernen Brücke verbindet. „In diesem Zusammenhang würden wir geeignete Kommunikationsmaßnahmen aufsetzen, etwa unter dem Motto: Regensburg – nur 90 Minuten entfernt.“ Aktuell bereitet die RTG keine spezifische Olympia-Kampagne vor, da der Zuschlag noch nicht erteilt ist.
Erhält München den Zuschlag, wird die RTG passgenaue Maßnahmen prüfen und in die Wege leiten, etwa zielgerichtete Kampagnen an Bahnhöfen und Flughäfen sowie Internetwerbung, um das erwartete internationale Publikum anzusprechen.
Olympia könnte für Aufbruchstimmung sorgen, nicht nur in München, sondern auch in der Oberpfalz.