Die Corona-Zahlen in Regensburg steigen: Was jetzt wichtig ist

Von Marion Koller · 26. Oktober 2025 um 05:00

Die Viren-Last im Abwasser von Regensburg nimmt seit September deutlich zu. Und auch Hausarzt Stefan Semmler sagt: „Ich habe seit Wochen täglich Corona-Patienten mit unterschiedlicher Symptomatik in der Praxis.“ Die Dunkelziffer ist aber hoch, weil nur bei einem Arztkontakt die Meldung ans Gesundheitsamt erfolgt.

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Florian Rottke ist längst wieder gesund. Beim Stadtamhofer Weinfest im September holte sich der 40-Jährige eine Corona-Infektion. Zusammen mit seinem Team von What the Kiosk? schenkte er dort Kaffee aus. Auch fünf Mitarbeiter steckten sich an. „Corona hat uns überrascht“, sagt der Brücke-Stadtrat. Weil er Kopfweh und Halsschmerzen hatte, testete er sich. Drei Tage setzte ihn das Virus außer Gefecht. „Das hat mich schon niedergestreckt.“ Ähnlich ging es den Mitarbeitern, die sich ebenfalls zuhause auskurierten. „Wir hatten Gott sei Dank genügend Puffer“, sagt Rottke.

Wie dem Stadtrat geht es jetzt im Herbst immer mehr Menschen. Dass Corona auf dem Vormarsch ist, zeigt das Abwassermonitoring des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Seit September nimmt die Viren-Last im Regensburger Abwasser zu. Die Tendenz lautet: „Leicht steigend“.

Täglich Covid-Patienten

„Ich habe seit Wochen täglich Corona-Patienten mit unterschiedlicher Symptomatik in der Praxis, einige mit Fieber, Kopfschmerzen, Bronchitis“, sagt Dr. Stefan Semmler, Allgemeinmediziner in Lappersdorf und Bezirkschef des Bayerischen Hausärzteverbands. Bei Älteren erlebt er auch länger anhaltende Beschwerden und Kreislaufschwäche. Die Ständige Impfkommission (STIKO) legt über 60-Jährigen und Risikogruppen die Impfung nahe. Aufgrund dieser Empfehlung und der konkreten Erfahrungen in der Praxis mit unangenehmen Corona-Verläufen empfiehlt der hausärztliche Internist die Immunisierung.

Das Universitätsklinikum (UKR) behandelt immer wieder und auch zurzeit Patienten mit und wegen Covid-19. Eine Zunahme der positiven Testergebnisse beobachtet Professor Dr. Frank Hanses, Leiter der Infektiologie, nicht nur im Abwasser, sondern auch in den klinischen Proben. „Bislang sehen wir stationäre Fälle jedoch eher sporadisch und noch keine große Welle.“ Dem Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis werden jedoch nur wenige Fälle bekannt: In der Woche ab 6. Oktober waren es beispielsweise 37 und ab 13. Oktober 34. Doch aus diesen Daten lässt sich wenig ablesen, weil nur bei einem Arztkontakt die Meldung erfolgt. Außerdem werden Menschen ohne Symptome oder mit geringen Symptomen nicht diagnostiziert. Auch sie kommen in der Meldestatistik nicht vor.

Eine Zunahme der positiven Testergebnisse beobachten wir auch in den klinischen Proben.Professor Frank Hanses, Leiter der Infektiologie am UKR

„Die Dunkelziffer an Covid-19-Erkrankten ist als hoch anzunehmen“, betont Dr. Marlies Heudobler, stellvertretende Leitung des Sachgebiets Infektionsschutz und Hygiene am Gesundheitsamt. Mit beinahe 93 Prozent ist die Omikron-Sublinie XFG Stratus die aktuell vorherrschende Corona-Variante. „Aus Sicht des Gesundheitswesens ist die Krankheitslast durch den Erreger ähnlich wie bei den Vorgänger-Varianten als nicht besorgniserregend einzustufen“, stellt Heudobler fest. Einer der Gründe sei eine hohe Basisimmunität in der Bevölkerung gegen Covid-19.

Vielfältig ist die Palette an Symptomen. Am häufigsten treten allgemeine Erkältungsbeschwerden wie Husten, Schnupfen, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen auf. Infektionen ohne Symptome kommen ebenfalls vor. Risikogruppen wiederum können einen schweren Verlauf entwickeln. Dabei handelt es sich um Ältere und um Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronischen Lungenleiden wie Asthma, mit chronischen Nieren- oder Leberproblemen, Krebs oder Immunschwäche (etwa durch Medikamente).

Ist der Dreifachtest sinnvoll?

Infektiologe Frank Hanses betont aber, dass schwere Verläufe in der aktuellen Saison zum Glück bislang selten gewesen sind. „Sicher deutlich geringer als in den ersten Corona-Wellen.“ Beim Immunschutz aus den vorangegangenen Corona-Jahren und Impfungen ist er anderer Meinung als seine Kollegin Marlies Heudobler vom Gesundheitsamt: Dieser sei „wahrscheinlich eher mäßig“.

Sind die Dreifachtests auf Corona, Grippe und die Atemwegsinfektion RSV sinnvoll? Dr. Marlies Heudobler vom Gesundheitsamt hält sie im ambulanten Bereich – zuhause oder beim Hausarzt – nicht für zwingend notwendig. Betroffene sollten sich, egal, welche der drei Erkrankungen vorliegt, schonen und je nach Schwere der Symptome eventuell drei bis fünf Tage zuhausebleiben. Kontakte sollen sie möglichst vermeiden. Florian Rottke und sein Team haben also alles richtig gemacht.

Heudobler ergänzt: „Will jemand aber wissen, welche Erkrankung er hat, kann ein Test selbstverständlich für Klarheit sorgen.“

Schutz für Ältere und chronisch Kranke

Impfen: Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission zur Auffrischung im Herbst gilt für Risikogruppen, also für Menschen ab 60 Jahren und Patienten mit schweren Grunderkrankungen. Auch Personal in Gesundheitseinrichtungen und Altenheimbewohner sollen sich impfen lassen, raten die Ärzte.

Corona-Folgen: „Übrigens ist die Impfung auch die beste Möglichkeit, sich vor Folgen wie einem Post-Covid-Syndrom zu schützen“, sagt Prof. Frank Hanses vom UKR.