Was passiert mit der alten Pionierkaserne in Regensburg?

Von Juliana Ried · 30. Oktober 2025 um 19:00

Das Grundstück im Stadtosten, auf dem die alte Pionierkaserne steht, ist heiß begehrt. Die Stadt Regensburg, die derzeit nicht einmal die kleine Ecke für die Grundschule bekommt, wollte und will es dem Bund eigentlich komplett abkaufen. Der Freistaat benötigt es für das Ankerzentrum für Asylbewerber – und der Bund will sich Flächen wie diese für die Bundeswehr sichern. Aber könnten dort überhaupt wieder Soldaten einziehen?

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Im Zuge der städtischen Planungen für das neue Wohngebiet auf dem Areal der früheren Prinz-Leopold-Kaserne war immer wieder die Rede davon, dass sich die Stadt auch die gegenüberliegenden Flächen der Pionierkaserne sichern möchte – und zwar nicht nur, um dort eine Schule zu bauen.

Warum sich die Verhandlungen der Stadt so lange hinzogen

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra sagt: Die Verhandlungen über die ehemalige Pionierkaserne würden seit 2017 von Seiten der Stadt Regensburg mit dem Ansinnen geführt, das komplette Grundstück zwischen Landshuter Straße, Zeißstraße, Guerickestraße und Daimlerstraße „zu erwerben und städtebaulich neu zu ordnen“. Es ging dabei auch um Wohnungsbau. „Während der Erwerbsverhandlungen wurde die Erwerbsfläche jedoch von Seiten der Verkäuferin wiederholt reduziert“, so von Roenne-Styra.

Deshalb habe sich das Ganze auch so lange hingezogen: Die Stadt habe ihre städtebaulichen Planungen, den Nutzungszweck, darauf basierende Wertgutachten und die Inhalte der Verhandlungen mehrmals neu ausrichten müssen. Was den Schulstandort angeht, habe letztlich eine „Einigungsbasis“ vorgelegen, so von Roenne-Styra. Doch bevor es zum Abschluss kam, sprach der Bund im Rahmen der sicherheitspolitischen Zeitenwende einen generellen Verkaufsstopp für Kasernenflächen aus.

Neben der Stadt ist auch die Regierung der Oberpfalz betroffen von dem wiedererwachten Interesse des Bundes an solchen Arealen. Sie betreibt auf der Fläche der Pionierkaserne eine Dependance des Ankerzentrums. Derzeit seien dort knapp 480 Flüchtlinge untergebracht, so Sprecherin Kathrin Kammermeier.

Sie erklärt: „Von kurzfristigen Auswirkungen auf den Betrieb der Anker-Dependance Pionierkaserne ist nicht auszugehen. Wie die Planungen der Bundeswehr bezüglich der Anker-Liegenschaften mittel- und langfristig im Detail aussehen sollen, wird der Freistaat Bayern mit dem Bundesministerium der Verteidigung besprechen.“

Verteidigungsministerium hält sich bedeckt

Öffentlich hält sich das Verteidigungsministerium bedeckt, was eine mögliche militärische Nutzung der ehemaligen Pionierkaserne angeht. Auf eine Anfrage der MZ hin teilte ein Sprecher des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr mit, Details zur Umsetzung des Verkaufs-Moratoriums würden zu gegebener Zeit bekanntgegeben.

Ob die alten Kasernengebäude für militärische Zwecke nutzbar wären, ist zweifelhaft, darauf weist etwa Stadtbau-Chef Götz Keßler hin – und erzählt von seinen Erfahrungen mit dem Abbruch der Gebäude der Prinz-Leopold-Kaserne aus demselben Baujahr. Davor sei geprüft worden, ob sich diese erhalten lassen. Das Ergebnis: „Die Dinger standen im Wasser, die waren auch feucht und die Bausubstanz war nicht so, dass man sie herrichten konnte.“ Im Nachgang habe sich auch gezeigt, dass eine Schadstoffbelastung vorlag. Die Fläche der früheren Pionierkaserne hält Keßler ebenso geeignet für den Wohnungsbau. In diese Richtung kann die Stadt aber aktuell nicht denken. Sie wartet nun zunächst auf eine Entscheidung des Bundes in Sachen Schulstandort.

Zur Geschichte

Militärische Nutzung: Pionier- und Prinz-Leopold-Kaserne wurden 1934 und 1935 gebaut, zwischenzeitlich von der US-Armee genutzt und 2010 von der Bundeswehr aufgegeben.

Kaufverhandlungen: Die Gesamtfläche der ehemaligen Pionierkaserne betrug 2017 rund 6,8 Hektar. 2020 erwarb die Stadt eine Teilfläche von 5000 Quadratmetern. Die restliche (Erwerbs-)Fläche verkleinerte der Bund auf die 1,6 Hektar für den Schulstandort.