Seelentröster auf vier Pfoten: Im Klinikum Neumarkt sind Therapiehunde im Einsatz

Von Thilo Eggerbauer · 1. November 2025 um 11:00

Kylie ist nicht wie andere Krankenhausangestellte: Statt Kittel trägt sie Fell, statt eines Stethoskops ein Halsband. Sie punktet nicht mit guten Ratschlägen, sondern mit Verschmustheit. Seit Mitte September ist die Mischlingsdame als einer von zwei Therapiehunden in der Geriatrie des Klinikums Neumarkt im Einsatz. Wie sie beim Heilen hilft – und manchmal sogar Leben rettet.

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„Schon jetzt ist das Projekt ein riesiger Erfolg“, erzählt Dr. Astrid Täuber begeistert. Die Sektionsleiterin der Geriatrie, also der Sektion für Altersmedizin, ist seit Mai dieses Jahres neu in dieser Funktion und brachte direkt ein paar frische Konzepte mit. Darunter auch die Idee mit den Therapiehunden, die sie gemeinsam mit ihrem Team entwickelt hat.

Zwei Mal in der Woche kommen die Vierbeiner nun gemeinsam mit ihren Hundeführern auf die Station – jeweils für eine halbe Stunde Gruppentherapie mit bis zu vier Patienten. „Wenn man sieht, wie sich die Leute plötzlich wieder an Dinge aus ihrer Kindheit erinnern, da geht einem das Herz auf“, sagt Dr. Täuber.

Helfer bei Demenz, Depressionen und Delir

Besonders für Menschen mit Depressionen, Demenz oder einem Risiko für Delir, also einem akuten Verwirrungszustand, der bei älteren Menschen auftreten kann, habe sich die Therapie als wirksam erwiesen. Allein durch ihre ruhige und gutmütige Art wirkten die Hunde positiv auf die Psyche – und dadurch auch auf den Krankheitsverlauf.

Es würden Glücksgefühle ausgeschüttet und die Hunde gäben einen Anlass zum Gespräch. „Oft sieht man, dass Patienten, die zunächst mit schlechter Laune in die Therapie gehen, währenddessen richtig aufblühen“, erzählt die Sektionsleiterin.

Therapiehund im Einsatz: Kylie sucht den Kontakt zu einer Patientin der Geriatrie des klinikums Neumarkt. - Foto: Thilo Eggerbauer

Diese belebende Wirkung zeigt sich auch während einer Therapiesitzung: Drei Senioren sitzen mit einer Pflegerin sowie Kylies Frauchen Martina Zollbrecht in einem Stuhlkreis. Kylie geht geduldig von Platz zu Platz und lässt sich ausgiebig streicheln und knuddeln. Und schon sprudelt es aus den Patienten heraus. Sie erzählen von den Hunden ihrer Verwandten oder von Haustieren, die sie in ihrer Kindheit hatten. Zollbrecht, die Hundeführerin und ausgebildete Hundetrainerin, beantwortet dabei Fragen und verwaltet den Nachschub an Hundeleckerlis.

Auch kleine Käsestückchen werden verfüttert und so erinnert sich eine Patientin: „Meine Großeltern hatten früher eine Käserei. Käse-Marie (Name von der Redaktion geändert) wurde ich deswegen von meinen Freunden genannt“.

Einmal hat ein Mann, der schon fünf Jahre kein Wort mehr gesprochen hatte, plötzlich die Namen von allen sieben Schäferhunden aufgezählt, die er im Laufe seines Lebens hatte. Die Pflegerinnen konnten es kaum fassenMartina Zollbrecht, Therapiehunde Deutschland e.V.

Zollbrecht übernimmt für den Verein Therapiehunde Deutschland auch die Ausbildung von Hund und Herrchen. „Damit ein Hund zum Therapiehund wird, braucht es vor allem eins: das passende Wesen. Die Tiere müssen ruhig sein und sich streicheln lassen wollen“, erklärt sie. „Selbst habe ich vier Hunde, aber nur drei davon sind geeignet.“

Mit ihnen ist sie regelmäßig, im Krankenhaus sowie in Alten- und Pflegeheimen unterwegs. Und sie erlebt immer wieder große Erfolge: „Einmal hat ein Mann, der schon fünf Jahre kein Wort mehr gesprochen hatte, plötzlich die Namen von allen sieben Schäferhunden aufgezählt, die er im Laufe seines Lebens hatte. Die Pflegerinnen konnten es kaum fassen“, erzählt die Hundeführerin.

Auch an Schulen kommen ihre Vierbeiner zum Einsatz: Dort lesen die Schüler den Hunden etwas vor und lernen so dank des ruhigen Gemüts ihres Publikums das Lesen viel stressfreier.

Lebensretter an der Leine: Klinikum Neumarkt will Angebot ausweiten

Zollbrecht ist überzeugt, dass Hunde sogar noch mehr können, als gute Zuhörer und Stimmungsaufheller zu sein. Kylie zum Beispiel sei eine echte Lebensretterin: „Beim Einsatz in einem Heim hat sie einmal einen Hinterwandherzinfarkt erschnüffelt“, berichtet die Hundetrainerin. „Plötzlich wurde sie ganz unruhig und hat einen Herren immer wieder mit ihrer Schnauze am Herzen angestupst. Da wusste ich: Wir müssen schnell Hilfe holen. Im Krankenhaus hat sich der Verdacht auf einen Herzinfarkt dann tatsächlich bestätigt“.

Auch wenn die Therapiehunde in der Geriatrie im Klinikum Neumarkt bislang noch nicht bei Diagnosen helfen, ist man mit ihrer Arbeit sehr zufrieden. „Weil wir schon jetzt so positive Erfahrungen gemacht haben, wollen wir das Angebot weiter ausweiten“, kündigt Sektionsleiterin Dr. Täuber an.