Fotografin aus Rötz hält die schönsten und dunkelsten Stunden im Leben von Müttern fest

Bei den Bildern der Fotografin Alexandra Lohrer aus Rötz (Landkreis Cham) steht „Mutterliebe im Fokus“: Mutter-Kind-Shootings, Stillfotografie, Babybauch- und Newborn-Shootings. Ebenso lange, wie sie schon schöne Augenblicke wie diese mit ihrer Kamera einfängt, begleitet sie Eltern auch in ihren dunkelsten Stunden und fotografiert ehrenamtlich Sternenkinder.
Mit allen möglichen Motiven hat es angefangen, erzählt Lohrer. Naturaufnahmen, Sonnenuntergänge oder Bewerbungsfotos – Fotografieren machte ihr schon immer Spaß. Doch als eine Freundin sie um ein „Still-Shooting“ bat, sei „der Groschen gefallen“. „Als ich gemerkt habe, was die Bilder für Emotionen ausgelöst haben, war mir klar: Das ist es.“
Seit etwa eineinhalb Jahren bietet die Rötzerin, die hauptberuflich als Pflegefachkraft im Außendienst tätig ist, „einfühlsame Fotografie für Mamas mit Herz, spezialisiert auf Still- und Bindungsmomente“ an. Dazu zählen Mutter-Kind-Shootings, Stillfotografie, Babybauch- und Newborn-Shootings. Es sollen „echte Erinnerungen von Müttern und ihren Kindern“ geschaffen werden: auf dem Spielplatz, beim Basteln, beim Backen daheim in der Küche oder am See – immer individuell, nie gestellt.

Der Ort für die Fotografien richtet sich nach den Wünschen und Ideen der Mütter. „Wichtig ist, dass es ein Ort ist, an dem Mutter und Kind sich wohlfühlen.“ Die Kinder laufen auf die Mütter zu, umarmen sie und kuscheln mit ihnen – Alexandra Lohrer will das echte Leben ablichten und dabei „Momente schaffen, in denen Mütter sich abseits des Alltags Zeit für sich und ihre Kinder nehmen können“, erklärt die 40-Jährige.
Der Satz einer Mutter, die nach der Schwangerschaft mit ihrem Körper, der sich verändert hatte, haderte, habe sie sehr berührt. Nach dem Shooting sagte diese zu ihr: „Ich sehe mich auf den Fotos wieder in einem ganz anderen Licht.“ Und das, obwohl oder gerade weil auch in diesem Fall ganz natürliche Bilder, ohne viel Haarstyling oder Make-up entstanden, sind. „Das sind die Momente, in denen ich weiß, dass meine Arbeit einen Sinn hat“, sagt die Fotografin.

Erinnerungen schaffen
Seit vier Jahren lebt sie mit ihrem Mann in Rötz und ist selbst Mama einer fünfjährigen Tochter. Bei ihren Bildern geht es nicht um die perfekten Posen, sondern vor allem um Emotionen in ihrer ganzen Bandbreite und das Schaffen von einzigartigen Erinnerungen an diese Zeit, in der Liebe entsteht und die zuerst so endlos scheint, aber dann doch so schnell vergeht. Und das steht noch auf der persönlichen Wunschliste der 40-Jährigen, die ursprünglich von der Nordsee stammt, aber seit fast zwölf Jahren in Bayern lebt: „Es wäre toll, auch einmal eine Mutter mit ihrem erwachsenen Kind zu fotografieren.“

Erinnerungen zu schaffen an die Anfänge des neuen Lebens beginnt für viele mit den Babybauch-Shootings. Stillende Mütter hat Alexandra Lohrer nicht nur mit wenigen Monate alten Babys fotografiert, sondern auch mit Kindern, die schon vier, fünf oder sechs Jahre alt sind. Ihr ist bewusst, dass eine längere Stillzeit durchaus kontrovers diskutiert wird und es gesellschaftlich manchmal lieber gesehen wird, wenn Baby oder Kleinkind stattdessen ein Fläschchen bekommen.

Lass den Haushalt Haushalt sein und bestellt euch eine Pizza zum Abendessen. Ruf dir in Erinnerung, dass die Zeit, in der Liebe entsteht, viel zu schnell vergeht.Alexandra Lohrer, Fotografin
„Jede Mutter sollte das unabhängig für sich entscheiden können“, findet die Fotografin und wirbt für mehr Toleranz, auch unter den Müttern selbst. „Mutterschaft ist kein Wettbewerb.“ Auch wenn sie mit den „Still-Shootings“ wirbt: Bei den Aufnahmen, in denen die Mamas ihren Kindern ein Fläschchen geben, „sind genauso wunderschöne und innige Bilder entstanden.“
Ebenso lange, wie Alexandra Lohrer schon schöne Augenblicke wie diese mit ihrer Kamera einfängt, begleitet sie Eltern auch in ihren dunkelsten Stunden: Als eine Freundin ihr ungeborenes Kind verlor, ließ die Fotografin sich bei der Stiftung „Mein Sternenkind“ registrieren.
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Ehrenamtliche Fotografen schaffen auf Wunsch der verwaisten Eltern mit viel Einfühlungsvermögen Erinnerungen an Sternenkinder, Frühchen und Kinder, die unerwartet während oder nach der Geburt verstorben sind. Gerade weil sie selbst Mutter ist, sei dieser Schritt für sie nicht einfach gewesen, sagt Alexandra Lohrer. „Es war ein langer Prozess.“
Manchmal ist es der Wunsch der Eltern, dass nur das Sternenkind auf dem Bild ist, vielleicht mit einem Holzsternchen, einem Regenbogen oder einer Lichterkette, meist halten die Eltern ihr Baby auf dem Arm. Dass Eltern einmal Trost finden können, eine einfühlsame Erinnerung haben an ihr Sternenkind, das sei wichtig, sagt die Fotografin. „Sie können ihr Kind nicht mit nach Hause nehmen, wo meist das fertig eingerichtete Kinderzimmer wartet.“ Ohne die Erinnerungsbilder würde es „nur das leere Datum im Kalender“ geben. Es sei darum enorm wichtig, dass den Eltern diese Möglichkeit im Krankenhaus vorgeschlagen werde.
Nach wie vor Tabuthema: Sternenkinder
Die Sternenkind-Fotografen erstellen die Bilder sehr diskret und im Hintergrund. Für die Eltern fallen dafür keine Kosten an. Neben vielen, die die ehrenamtliche Arbeit der Sternenkind-Fotografen wertschätzen und der Rötzerin sagen: „Toll, dass du das machst“, merke sie oft, dass es zum Teil nach wie vor ein Tabuthema in der Gesellschaft sei.

Natürlich sei es nicht leicht, die Bilder zu machen, in diesen dunkelsten, verzweifelten Momenten, in denen die Eltern ihr Baby verloren haben. Und es sind nicht nur die Bilder, die sie dabei berühren, sondern auch die Schicksale dahinter, über die sie oft lange nachdenken müsse, sagt die Fotografin. Der relativ weite An- und Rückfahrtsweg – überwiegend ist es die Kinderklinik in Amberg – hilft ihr, ein Stück weit für sich damit abzuschließen, es „nicht mit nach Hause zu nehmen“.
Eine Sternenkind-Mutter, die im Krankenhaus keinen Partner an ihrer Seite gehabt hatte, schreibt Alexandra Lohrer sogar noch gelegentlich. In ihren Nachrichten schildere sie, wie sehr die Bilder ihres verstorbenen Babys ihr beim Prozess, Abschied zu nehmen, geholfen hätten.