Zukunftswald braucht gesunde Böden: Stadt Neunburg im Austausch mit Experten

Nicht nur der Schutz vor dem Einfluss des Klimawandels erfordert einen Umbau unserer Wälder. Zudem kommt dem Waldboden eine besondere Bedeutung für den Erhalt des Wasserhaushalts zu. Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt Neunburg bereits 2024 – als bundesweit erste Kommune – dem Projekt „Future Forest“, einer freiwilligen Initiative, verschrieben. Bei einer Gesprächsrunde mit Experten wurde kürzlcih der Waldumbau thematisiert.
„Wir möchten die Wasserressourcen hochwertig und nachhaltig erhalten“, betonte dazu einst Bürgermeister Martin Birner (CSU). Die Stadt hat sich dafür – als Ergänzung zur engen Zusammenarbeit mit den Forstbehörden – die Interessengemeinschaft (IG) gesunder Boden e.V. ins Boot geholt. Die IG wird am 19. und 20. November ihren zehnten Bodentag mit einem umfangreichen Programm in der Schwarzachtalhalle veranstalten.
Waldumbau als Investition in die Zukunft
Vorab lud die Stadt zu einer Gesprächsrunde zum Thema Waldumbau ein. Prominenteste Teilnehmerin war die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, MdB Martina Englhardt-Kopf (CSU).
Martin Birner betonte eingangs, um die Ziele zu erreichen, sei dringend erforderlich, die Kompetenzen zu bündeln. Die Wirkung der jetzigen Bemühungen werde wahrscheinlich erst in Jahrzehnten erkennbar sein. Birner betonte, dass die Wirtschaftlichkeit bei diesem wichtigen Thema erst an zweiter Stelle rangieren müsse.
Englhardt-Kopf betonte, sie komme aus der Landwirtschaft und unterstütze daher aktiv die Waldbewirtschaftung und erkenne die Dringlichkeit für den Waldumbau. Sie bedauerte, dass in dem Bereich teils noch unterschiedliche Zuständigkeiten herrschten. Wichtig sei ihr, in dem Bereich keine übermäßige Bürokratie aufzubauen. Statt massiver Eingriffe, vor allem nicht ins Eigentum, setze sei eher auf Anreize für die Waldbesitzer.
Wir möchten die Wasserressourcen hochwertig und nachhaltig erhalten.Martin Birner, Bürgermeister
Warum dem Boden mehr Aufmerksamkeit als den Bäumen zu widmen sei, erläuterte IG-Vorsitzender Franz Rösl und untermauerte seine Ausführungen mit wissenschaftlichen Fakten. Mithilfe von zwei Schaukästen zeigte er den Unterschied im Bodenaufbau unter Fichten und Kiefern im Gegensatz zu einem Mischwald mit Eiche, Birke und Fichte. Fachbeirat Ludwig Pertel ergänzte, dass der frühere Anbau im Wald solange funktionierte, wie der Boden über ausreichend Nässe verfügte. Das sei heute nicht mehr der Fall. Jetzt brauche es Wälder mit viel Biomasse, die über Verdunstung die Temperatur reduzierten und Wasser im Boden speicherten. Zur Umsetzung bedürfe es allerdings auch einer gewissen Wertschätzung der Arbeit von Seiten der Politik.
Mehr Interesse bei privaten Waldbesitzern wecken
Staatssekretärin Englhardt-Kopf erinnerte in dem Zusammenhang, dass zum Beispiel der Freistaat Bayern Programme mit einem Rahmen von 90 Millionen Euro für den Waldumbau zur Verfügung gestellt habe.
Regina Härtl, Abteilungsleitung bei der Neunburger Forstaußenstelle des AELF Schwandorf-Regensburg, sprach die Problematik mit zahlreichen Waldbesitzern an, die aufgrund geringer Größe oder persönlicher Abwesenheit kein Interesse an einer Bewirtschaftung ihres Waldes zeigten. Auch für sie sollten Anreize geschaffen werden. Die Waldbesitzervereinigungen leisteten dazu ebenfalls schon gute Beiträge, ergänzte Josef Liegl, WBV-Bezirksvorsitzender aus Waldmünchen.
Schließlich fasste Franz Rösl die Forderungen, nicht nur an die Politik, noch einmal zusammen: Gesunde Böden sollten das Fundament für klimaresistente Wälder sein, Ökosystemleistungen sollten sichtbar gemacht und honoriert werden, die Holzverwendung sollte auch in zukünftigen Strukturen gestärkt werden und der „Wassercent“ gezielt zur Verbesserung der Bodengesundheit eingesetzt werden. Dem Gespräch im Rathaus schloss sich noch ein kurzer Ortstermin in einem bereits teilweise umgebauten Bereich des Stadtwalds an.
