Reif für die Insel: Gastronom aus Freystadt wanderte in die Karibik aus

Aktuell ist auf der Insel Sint Maarten gerade Winter. Das bedeutet 24 Grad Celsius in der Nacht, 33 am Tag, wie fast das ganze Jahr über. Drei Freunde aus Neumarkt beschlossen die Auswanderung – inzwischen sind aber nur noch zwei davon auf der Insel. Darunter ein Gastronom aus Freystadt.
„Ich war seit ich 19 bin selbständig und habe immer Projekte gemacht“, sagt Christian Kucaba über sich selbst. Unter anderem eröffnete er ein Fitness-Studio in Neumarkt, ein Reisebüro in Freystadt und mehrere Restaurants. Doch die Ferne lockte ihn. „In Deutschland wurden die Menschen in den letzten Jahren immer genervter und gestresster“, sagt er und macht Kälte, Dunkelheit, aber auch „fragwürdige Politik“ dafür verantwortlich.
Sint Maarten schien für ihn genau das Gegenteil: „Ein Ort mit freundlichen Menschen, die wie eine Familie sind.“ Und in den das Einwandern gar nicht so kompliziert ist.
Ein Stück Europa in der Karibik
Denn die Insel liegt zwar im karibischen Meer zwischen Nord- und Südamerika – gehört aber seit der Kolonialzeit zur einen Hälfte zu Holland und zur anderen zu Frankreich. Dadurch gilt der französische Teil als EU-Gebiet. „Man kann dort ganz normal einreisen und arbeiten, wie in Paris“, erinnert sich der dritte Reisende, der sich im März zusammen mit Kucaba und dessen Freundin Denise Schmid in die Karibik aufmachte. Damals war es noch nicht ganz klar, ob aus dem Trip tatsächlich ein längerer Aufenthalt werden würde. Immerhin war Kucaba in Freystadt als Betreiber des italienischen Restaurants Leone gut eingebunden.
Doch schon dieser Besuch überzeugte die drei: „Wir trafen eine ältere Immobilienmaklerin, die sich aus dem Geschäft zurückziehen wollte – und uns anbot, in ihre Agentur mit einzusteigen.“ Da überlegte Kucaba nicht mehr lange: „So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben!“
Sein Restaurant könne er auch aus der Ferne weiterleiten, beschloss er. „Ich habe ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zu den Angestellten.“ Und schließlich konnte er auch seine Freundin Denise Schmid überzeugen werden, ihren Beruf als Kosmetikerin aufzugeben und mit auf die Insel zu ziehen: „Es geht darum, Neues zu entdecken und über mich hinauszuwachsen“, sagt sie. Wichtig war dem Paar aber, dass ihre Katzen mitreisen dürfen.
Neumarkter starten Flugreise mit Katzen
„Das machte den Anflug etwas schwieriger“, erinnert sich Kucaba. Eigentlich wollten sie über Nürnberg und Paris reisen, aber um den Tieren die Umsteigezeit zu ersparen, beschlossen die Reisenden kurzfristig, von Paris aus zu starten: „Mein Vater fuhr uns mit dem Auto dorthin“, erinnert sich Kucaba.
In der Karibik angekommen mussten sich alle erst einmal an das Leben mit der Klimaanlage gewöhnen: „Zum Glück sind unsere Tiere Hauskatzen und wollen gar nicht raus.“
Doch nicht alle fühlten sich dauerhaft auf der Insel wohl: Der andere Freund trat nach einigen Wochen den Rückweg in die Heimat an. „Das Zusammenleben zu dritt klappte nicht“, meint Kucaba. Sein eigenes Fazit fällt dagegen rundum positiv aus: „Es gibt nicht diesen typischen Druck wie in Deutschland. Hier gilt: Was heute nicht passiert, passiert morgen.“
Geringere Lebenskosten
Durch die geringe Mehrwertsteuer sei das Leben zudem weitaus günstiger, als in Deutschland. Und auch die Hurrikans, welche die Insel oft heimsuchten, hätten die Auswanderer bisher verschont. „Nur das deutsche Essen vermisse ich ein wenig“, sagt er. „Aber dank meiner Ausbildung in der Gastronomie kann ich mir ja alles selber machen, wenn ich Lust auf Schweinebraten oder Knödel habe.“
Demnächst will er in Zusammenarbeit mit dem Reisebüro seines Vaters in Freystadt auch Touren durch die Karibik anbieten: So geht es vom 4. bis 18. Februar nach Jamaika. Ob er für immer auf Sint Maarten leben will, kann er jetzt noch nicht sagen: „Niemand weiß, was morgen ist und im schlimmsten Fall kommen wir halt wieder zurück. Aber wenn man nichts versucht, dann passiert auch nichts.“