Brachfläche statt Schmuckstück - Grundstücke in bester Lage weiter unbebaut

Seit mehreren Jahren zieht sich inzwischen der Streit um die Bebauung eines Eckgrundstücks in der Altstadt hin. Erst geriet der Bauherr mit dem Landratsamt in Streit, dann durchkreuze die Stadt das Vorhaben. Trotzdem ist der Bauherr überzeugt, dass er am Ende gewinnen wird.
Am Anfang waren alle Beteiligten zuversichtlich, dass das Bauvorhaben auf den Grundstücken Krähwinkel 10 und 12 ein Gewinn für die Stadt werden würde. Die bestehenden, nicht mehr ansehnlichen und heruntergekommenen Altbauten auf den beiden Grundstücken sollten abgerissen und durch einen schmucken Neubau ersetzt werden. Wie Bauherr Johann Roithmeier damals sagte, sollte ein Wohnhaus für seinen Sohn gebaut werden.
Im Sommer vor zwei Jahren war es soweit: Ein Bagger und ein paar Lkw kamen und die Altbauten – ein kleines Einfamilienhaus und ein Schuppen, der früheren Bewohnern unter anderem als Werkstatt und Waschhaus gedient hatte – waren im Nu abgerissen und entsorgt. Vom neuen Wohnhaus ist jedoch nichts zu sehen. Die beiden zusammen hängenden Grundstücke sind eine Brachfläche, die Stück für Stück von der Natur zurückerobert wird.
Prominente Lage
Möglicherweise würde das wiederum niemanden stören, wenn das Anwesen sich nicht in so prominenter Lage befinden würde. Doch Krähwinkel 10 und 12 markieren das südwestliche Eck der mittelalterlichen Stadtgründung. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich der Weegturm und der Krebsturm – zwei Gebäude, die schon auf einem alten Stich aus der berühmten Werkstatt der Familie Merian dokumentiert sind. Außerdem hat die Stadt gerade den Weegturm oder das, was davon nach verschiedenen Umbauten noch an originaler Substanz vorhanden war, mit erheblichem Aufwand hergerichtet. So klafft jetzt am Rande der Altstadt neben dem Schmuckstück Weegturm eine leere Fläche.
Dabei hatte es zeitweilig so ausgesehen, als würden der Weegturm und das geplante neue Anwesen der Familie Roithmeier zeitgleich fertiggestellt werden. Bisher ist jedoch nur der Turm hergestellt.
Tatsächlich stand das Projekt der Roithmeiers jedoch unter keinem guten Stern. Erst gab es eine Auseinandersetzung zwischen dem Bauherrn und der Unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt in Kelheim. Anlass war, dass die Denkmalschutzbehörde prüfen wollte, ob sich auf den Grundstücken noch Reste eines mittelalterlichen Turms befanden. Bauherr Johann Roithmeier bestritt dies vehement, konnte sich aber nicht gegen die Untersuchungen wehren.

Dann stieß er mit dem Bauantrag auf Kritik. Dem Bauausschuss des Neustädter Stadtrats missfiel das Projekt, man hätte sich statt eines Einfamilienhauses mit Doppelgarage ein Gebäude gewünscht, das sich mehr in die Umgebung eingepasst hätte, weshalb der Bauausschuss sein Einvernehmen nicht erteilte.
Erneute Ablehnung
Roithmeier zog den Bauantrag deshalb jedoch nicht zurück. Die Sache ging zum Landratsamt und wieder zurück nach Neustadt. Er ließ sich auch nicht beirren, als die Denkmalpflege Wünsche zum Neubau vorbrachten. So, sagte der Bauherr im Juli 2023 gegenüber dieser Zeitung, habe man einen besonderen Putz für die Außenfassade des Wohnhauses gewünscht, „damit es historisch wirkt“.
Damals, im Sommer vor zwei Jahren, waren bei den Roithmeiers bereits fünf Jahre seit den ersten Planungen vergangen, ein Ende war nicht abzusehen. Da mochte Johann Roithmeier nicht mehr. „Wir lassen das Projekt ruhen“, sagte er. Die Baugrube, die bereits ausgehoben war, wurde wieder verfüllt. Statt des Neubaus in der Altstadt sollte es einen Neubau im Ortsteil Mühlhausen geben.
Doch so ganz das letzte Wort in der Sache war das nicht. Unlängst beschäftigte sich der Bauausschuss ein zweites Mal mit dem Antrag – und verweigerte erneut die Zustimmung. Unter anderem wurde auch dieses Mal auf das vorhandene Gebäudeensemble hingewiesen, das erhalten werden sollte.
Damit liegt die vorerst letzte Entscheidung in der Sache beim Landratsamt. Und da ist Johann Roithmeier optimistisch: „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte er gegenüber dem Reporter dieser Zeitung. „Federführend ist das Landratsamt. Die Entscheidung fällt noch in diesem Jahr.“ Im übrigen, so Roithmeier, sei er überzeugt, dass sein Vorhaben gut zum Weegturm passe.
