Ein Weltmeister aus Neustadt: Benjamin Danker stapelt sich zum Titel hoch

Von Martin Rutrecht · 27. Oktober 2025 um 19:00

Der beste Gabelstapler-Fahrer der Welt: Seit Samstag darf sich Benjamin Danker aus Neustadt a. d. Donau (Landkreis Kelheim) als solcher bezeichnen. Der 36-Jährige gewann in Aschaffenburg den WM-Titel. Die Langquaider Debütantin Jessica Ruhstorfer wurde bei den Frauen Fünfte. Das Landkreis-Duo kehrte mit Hochgefühlen zurück – nach nervenaufreibenden Wettkämpfen.

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Eine Riesenhantel zusammenbauen, mit aufgetürmten Kisten durch eine Acht kurven oder einen drei Meter hohen Turm stapeln und über eine Wippe fahren: Die Macher der Stapler-WM stellten die 130 Teilnehmer vor trickreiche Hürden. „Ich mag es, wenn neue Aufgaben dabei sind. Da kommt keine Routine auf“, sagt der neue Weltmeister. Kaum einen Wackler leistete sich der Mitarbeiter des Autozulieferers SMP, wo er an die 50 Gabelstapler-Fahrer koordiniert, an den zwei Wettkampftagen.

„Am meisten Respekt hatte ich vor den Türmen.“ Im vergangenen Jahr, als der Stapler-Cup erstmals als WM ausgerichtet wurde, kippte Danker das Gebilde aus Gummiteilen (heuer „BigBalls“) auf der Rampe um, die Titelchance war dahin. Heuer behielt er in Halbfinale und Finale bei dieser Übung die Nerven. „Meinem Gegner René Mahner fiel der Turm auf der Wippe von der Gabel“, erzählt der Neustädter vom finalen Duell um den Titel. Er selbst blieb ruhig und drückte den Buzzer als Weltmeister.

Er schwitzte – vor lauter Hitze in der Halle

Die Vorrunden für die 26 Starter hatte Danker vor rund 5000 Zuschauern in der Linde MH Arena (und 50.000 über Livestreams) souverän gemeistert. Ab dem Viertelfinale traten die Teilnehmer in Eins-gegen-Eins-Duellen an. Am meisten setzte dem 36-Jährigen die Wärme in der Halle zu. „Ich habe geschwitzt ohne Ende.“ Ansonsten sei es „einwandfrei gelaufen“, obwohl Danker in der Arbeit kaum noch am Gabelstapler sitzt.

Der WM-Titel sei sein klares Ziel gewesen. „Jetzt habe ich alles erreicht“, sagt er. Deutscher Meister war Danker in 2022, gewann mit SMP dreimal den Firmencup und mit Deutschland in 2019 den Nationencup. Das Gefühl, ganz oben zu stehen, „war überragend“. Aber ernst werde es jetzt in der Arbeit, lacht er. „Wahrscheinlich stürmen sie auf mich ein“, so der Neustädter vor Antritt der Nachtschicht am Montag.

Am Schluss war es ein Klacks: Benjamin Danker drückt den Buzzer und ist Weltmeister, - Foto: Bert Willer

Bei der WM war Dankers Frau mit dabei, und „mein neuer Abteilungsleiter und mein neuer Chef schauten vorbei“. „Wenn ich versage, werde ich gekündigt“, scherzt der Neustädter bezüglich der Erwartungshaltung. Nach der Siegerehrung am Samstagabend feierte die „große Familie der Gabelstapel-Fahrer“ (Danker) den neuen Champion.

Mit dem Weltmeister-Titel wollte der 36-Jährige mit Wettkämpfen eigentlich aufhören. „Aber da wurde ich gleich umgestimmt. Nächstes Jahr kann ich durch Platz eins für Deutschland bei der Team-WM starten.“ Diesen Titel hat Danker noch nicht: Mannschaftsweltmeister.

Kaum fassen konnte Jessica Ruhstorfer ihren fünften Rang unter 16 Frauen. „Das ist Wahnsinn, super! Ich bin vollauf zufrieden“, sagt die 36-jährige Langquaiderin.

Zittern hinter dem Vorhang

Erstmals trat sie bei der WM an, sie hatte das Ticket als Siegerin des Qualifikationsturniers in Hagelstadt gelöst. „Die Aufregung kam, als ich hinter dem Vorhang wartete und wusste: Du bist die Nächste.“ Auf dem Gabelstapler habe sie sich „wie im Tunnel gefühlt“. Obwohl die Steuerung eine andere war, als sie Ruhstorfer vom heimischen Hof und als BMW-Fachlageristin gewohnt ist, bewies sie ein feines Händchen.

Jessica Ruhstorfer war am Gabelstapler „wie im Tunnel.“ - Foto: Bert Willer

Übers Stapeln eines „Minihero“-Männchens und das Kurven mit sechs Kisten durch die „Wilde Acht“ rückte sie ins Viertelfinale vor. Beim Zusammenbauen der Riesenhantel fiel ihr ein Teil runter, was Strafsekunden ergab. Sie konnte die Aufgabe trotzdem meistern. „Ich hab’s ins Ziel geschafft, aber das Halbfinale um wenige Sekunden verpasst.“

Der Ärger hielt sich in Grenzen. „Allein das Erlebnis einer WM vor Tausenden Zuschauern ist einmalig“, so Ruhstorfer, die klar ausgibt: „Da will ich wieder hin!“ Für das Quali-Turnier im nächsten Jahr hat sie schon ein Ziel abgesteckt. „Ich will nicht nur wieder beste Frau werden, sondern auch möglichst viele Männer hinter mir lassen.“ Die Langquaiderin liegt im Stapler-Fieber.