Gehen Sie im Leeren Beutel aufs Klo!

Von Marianne Sperb · 29. Oktober 2025 um 18:57

Wenn Sie als Mann aus dem Damenklo im Leeren Beutel schallendes Lachen hören, folgen Sie dem akustischen Reiz und suchen Sie umgehend das Örtchen auf. Das gilt umgekehrt auch für Frauen und das Herrenklo und für Gäste jeden Geschlechts im Unisex-Abteil.

Am Waschtisch neben den Urinalen reichte am Mittwoch Caroline Ebeling vom Kulturamt sehr stilvoll Tässchen mit heißem Espresso, zum angeregten Kunstplausch mit Kulturreferent Wolfgang Dersch und Maria Lang, die als Leiterin des Kulturamts auch Regie im Kulturzentrum Leerer Beutel führt.

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Anlass für das Kabinettsgespräch: Florian Toperngpong gab eine kleine Privatführung durch „les toilettes“. Der multidisziplinäre Designer und Gestalter hat nämlich mit Maler, Zeichner und Bühnenbildner Peter Engel, beide ausgebuffte Kunst-Brüder im Geiste, in den WC-Anlagen Weltkunst installiert. Unter dem Titel „Balancing the Void“ spielen sie mit der Leere im Beutel. Drei berühmten, fast vergessenen Künstlern, denen Ort und Auftrag nicht zu gering waren, haben sie mit allem Pipapo gefakte Identitäten erfunden, würdig des Secret Service MI6. Detaillierte Kurz-Biografien und virtuos persiflierter Kunstsprech führen arglose Besucher der Bedürfnisanstalt meisterhaft in die Irre. Das ist einerseits crazy und überdreht, andererseits so raffiniert gemacht, dass man nie sicher sein kann, was denn jetzt stimmt.

Wasserlasser am Kieker

Da findet sich zum Beispiel Svetlana Dušek aus Rumänien, früher Gewichtheberin, die sich nach dem Sturz Ceausescus widerwillig der Kunst zuwandte. Sie trieb ein 43 Meter langes Stahlrohr durch die maskuline Bausubstanz, „eine verzweifelte Antwort auf 10 000 Jahre Patriarchat“, referiert Pokerface Toperngpong mit förmlichem Ernst. Nur manchmal spitzt ein Lächeln aus dem Knopfloch seines Hemdkragens. Zwei der 43 Meter liegen an der Decke des Herrenklos bedrohlich frei. „Ein Unwohlsein des männlichen Wasserlassers unter dem Rohr ist kalkuliert und beabsichtigt.“

Oder Apichartpong Chongnarunsit, an einer nächsten WC-Wand annonciert als „Regisseur des metaphysischen Wirklichkeitsraums“: Der regimekritische thailändische Filmschaffende floh, so berichten es jedenfalls die zwei Kunstfälscher, in den 1970ern in den Untergrund, wo er – angelehnt an buddhistische Kurzmeditationen – seine Reflektionen entwickelte. Beethoven dirigieren, wenn nötig mit der Klobürste, heißt eine der bewusstseinserweiternden Übungen. Oder vom (gezeichneten) Kleiderhaken den unsichtbaren „Mantel der Wurstigkeit“ nehmen. Ein Schild leitet Besucher sanft an: „Ziehen Sie ihn behutsam an. Verweilen Sie darin fünf Minuten. Spüren Sie, wie die Wurstigkeit Sie durchströmt. Ihnen ist alles egal.“

Statt der grünen Sicherheitsnetze hängt jetzt Kunst am Leeren Beutel: Putzige Reime und Zeichnungen im Stil von Wilhelm Busch liefern Besuchern eine Art häuslicher Inhaltsangabe. - Foto: Stefan Effenhauser

Die wohl aufwendigste Arbeit stammt von Autodidakt Roberto Grundman. Mehrere Jahre, wissen Engel und Toperngpong, verwandte er auf einen Kubus, der in Argentinien gebaut und nun komplett dem Leeren Beutel implementiert wurde. Unter einem heiteren Himmel im Stile Giottos sind ein Becken installiert, das einem SS-Lagerleiter gehörte, sowie eine Toilettenschüssel aus dem Sommerhaus von Präsident Juan Perón, der Nazis nach 1945 über die Rattenlinie das Einwandern in Südamerika ermöglichte. Wer sich hier setzt, kann sein Tun auch verstanden wissen als politisches Statement: Haltung zeigen!

Putzige Reime an der Wand

Maria Lang und Wolfgang Dersch erklären am Mittwoch im schwarz-orange aufgemöbelten Foyer der Filmgalerie, was es mit dem köstlichen Lokuspokus auf sich hat: Der kolossale alte Kasten neben Historischem Museum und Minoritenkirche soll mehr Aufenthaltsqualität bekommen und wird nun mit Kunst aufgefrischt. „Der Leere Beutel hat’s verdient“, sagt der Referent. Seit 40 Jahren kennt ganz Ostbayern die Adresse für Jazz, Ausstellungen und Film.

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Leider hat das Haus, das über kurz oder lang eine Generalsanierung braucht, unter anderem einen massiven Dachschaden, von dem draußen ein Vollkörpergerüst und Sicherheitsnetze zeugen. Das Künstlerduo hat sich deshalb auch der Fassade angenommen. Im Stil von Wilhelm Busch und in Schwarz-Weiß liefern putzige Zeichnungen und Reime eine Art häuslicher Inhaltsangabe.

Reichlich Fantasie und eine schmale Summe machen aus dem Leeren Beutel einen Hingucker, der viele Menschen anziehen wird. Keine Kleinigkeit: Ums Eck liegt Regensburgs anrüchiges Luxus-Klo, das viel Ärger gemacht und noch mehr Geld gekostet hat.