Ausstellung in Regensburg: Mit Peter Engel um die Ecke denken

Die Galerie konstantin b. zeigt Bilder, Zeichnungen und eine erstaunliche Installation. Der Betrachter begegnet seltsamen Wesen, die eigenartige Dinge tun.
Ein schlichter Stuhl, zwei Fußpedale, eine schmale, bewegliche Holzlatte und reichlich Bindfaden: Mmh. Was könnte das Arrangement sein, das das Schaufenster der Galerie konstantin b. in ganzer Breite einnimmt? Der Webstuhl einer Shaker-Gemeinde, in zeitgenössisches Design übersetzt? Der Beginn für die sparsame Erstausstattung einer Studentenbude?
Erst als Peter Engel auf dem zierlichen Möbel Platz nimmt und die Pedale bewegt, enthüllt sich der Sinn der Installation. Das schön gealterte flache Furnierholz, das Blasen geworfen und Dellen entwickelt hat und vor seinen Augen hängt, neigt sich, je nach Fußdruck und Fadenzug, sacht nach oben und nach unten. Die Perspektive auf die Horizontlinie wechselt, schenkt dem kurzzeitigen Be-Sitzer des Kunstwerks neue Aussicht, neue Einsicht – und vor allem Wirkmächtigkeit. Wo bitte kann man sonst schon den Horizont nach eigener Neigung verschieben?
Peter Engel verwebt Tiefgang mit Leichtigkeit, Fantasie mit Philosophie. Mit inspirierendem Nonsens bringt er die Gedankenregale im Gehirn ins Purzeln. Der Zeichner, Bühnenbildner, Illustrator und Maler, der aus Coburg stammt, in Regensburg lebt und bundesweit gefragt ist, hat einen souveränen Strich und eine unverwechselbare Handschrift. Sogar wer neuerdings über einen Teppich mit Adorno-Zitat Regensburgs Kulturreferat betritt, erkennt gleich: Engel am Werk.

Die Galerie konstantin b. hat nun Engels „Reservierte Gedanken im Trockenbau“ eingefangen. Hinter der Horizont-Maschine im Schaufenster finden 42 Gemälde, Zeichnungen und Collagen in weichen Farben – Gelb, Vanille, Braun, Rot und Blau – an der großen Wand sehr stimmig zueinander; kleinere Serien hängen an Seitenwänden. Die Handreichung zur Ausstellung heißt: „Ein Sortiment fliehender Gedanken hält man am besten auf DinA5 fest. Oder noch besser: Man baut sie aus dünnem Sperrholz nach. Aber nicht zu stabil. Und groß genug, dass sich andere Gedanken problemlos dazugesellen können.“
Die Anmutung alter Wände
Peter Engel, früher sehr aufs Zeichnen fokussiert, entdeckte in Corona-Zeiten die Malerei und erinnerte sich an schönes Pergament in seinem Bestand. Er klebt es auf Leinwand, trägt flächig Farbe auf und zieht das Papier wieder an. In vielen Schichten entsteht so die Anmutung alter Wände, in wenigen Strichen das Motiv. Wie bei „Schneller Reiter“, dem im hohem Tempo der Kopf nach hinten fliegt.
Der Betrachter begegnet seltsamen Wesen, die eigenartige Dinge tun. Titel und ins Bild gekritzelte Zeilen geben zarte Hinweise, die vergnügt in die Irre führen. Ein Hut könnte, wie bei Antoine de Saint-Exupéry, problemlos eine Boa sein, die gerade einen Elefanten verdaut. Peter Engel foppt zum Beispiel mit drei Säulen, die nicht passen wollen zum Bildtitel: „Familie Streichholz kauft Lachs: zwo ohne Gräten“.
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„Die abgefeimten Ohrmuscheln der Schiffsärzte“ zeigen sich als etwas platte Birne mit Signalhörnern links und rechts. Ein knallrotes Kartoffeldings gibt sich aus als „Tschuwellery Meteorit“. Über ein graugrünes Flachei auf schwarzem Stuhl heißt es: „Dear Shadow, the Egg ist a Gift for you“, lieber Schatten, das Ei ist ein Geschenk an dich. Und ein geflecktes Geschöpf, nicht unähnlich einer Schabe mit Tassen-Griff, tritt als angeblicher Leopard auf. Gern lässt man sich täuschen.
„Reservierte Gedanken im Trockenbau“ ist bis 23. November bei konstantin b. (Am Brixener Hof 11) in Regensburg zu sehen.