Kulturpreis für Peter Engel: Regensburg ehrt den Bühnenbildner, Illustrator und Maler

Die Nachricht macht am Freitag schnell die Runde: Peter Engel bekommt den Regensburger Kulturpreis 2023, dotiert mit 10000 Euro.
Die Szene reagiert hörbar begeistert, mehr als einmal fällt der Satz: „Es trifft den richtigen!“ Der Künstler selbst wirkt gestern noch leicht benommen von der Nachricht, die ihm Kulturreferent Wolfgang Dersch überbracht hatte. „Ich weiß noch gar nicht recht, was ich sagen soll.“
Typisch: Peter Engel ist keiner, der viel Aufhebens oder viele Worte macht. Er ist ein Meister des Zarten, des Hintergründigen, des Absurden. Am besten kommt das wohl in seinen Zeichnungen zum Ausdruck. Mit schnellem, sicherem Strich wirft er Szenen aufs Blatt, die voller Lust an Nonsens und Ironie stecken, gleichzeitig tiefgründig und doppelbödig sind und einem mit ihren leicht verrutschten Pointen nicht leicht wieder aus dem Kopf gehen.
Brillante Wort- und Bildkombinationen von feinsinnigem Humor
Peter Engels Figuren meistern die Verrücktheiten des Lebens und die Merkwürdigkeiten des Alltags mit dem Staunen von Kindern. „Brillante Wort- und Bildkombinationen von feinsinnigem Humor, die zum Schmunzeln anregen und zum Nachdenken bringen“, heißt es in der städtischen Begründung des Kulturpreises.
Gewitzt und mit Hingabe ans Detail ausgearbeitet: So wirken auch die vertrackten kleinen Raumkonstruktionen, die Peter Engel austüftelt und die er hie und da in einer Galerie zeigt – und natürlich seine großen Bühnenbilder für Theater im In- und Ausland. Zuletzt entstand eine wundersame Welt für „Die Zauberflöte“ in Aarhus, im Herbst folgen Produktionen für Leipzig, Mainz, dann Linz.
Bühnenbildnerei ist sein Standbein
Peter Engel, in Coburg geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und wagte 1995 eine Karriere als freischaffender Künstler, der inzwischen mit zahlreichen bedeutenden Preisen gewürdigt wurde. Die Bühnenbildnerei ist sein Standbein, sagt er, das ihm den Raum fürs freie Arbeiten schenkt.
Peter Engel beherrscht zahlreiche Genres, von den mit überbordender Fantasie gestalteten Wimmelbüchern, die man lange nicht aus der Hand legen will, bis zu Ölgemälden, die er neuerdings schafft, in einem wunderbaren Atelier am Schelmengraben, über der Donau. Seine Offenheit für Neues, auch für multimediale Mittel, betont das Pressepapier der Stadt. Und gerade heckt Peter Engel schon wieder Neues aus.
Kunst am Bau in der Nibelungenkaserne
Mit Florian Toperngpong, einem Kollegen und Freund, knöpft er sich ein Stück Nibelungenkaserne vor. An einem der letzten übrig gebliebenen Gebäude auf dem Areal verwirklichen die Beiden ein Projekt für Kunst am Bau. Auf drei Etagen greifen sie in Wandreliefs drei prägende Phasen der Kaserne auf. Eine nachempfundene Amtsstube beschwört die Jahre der Bundeswehr. An die Vergangenheit in der NS-Zeit wird im Keller erinnert, mit echten Relikten und gefakten Zitaten. Und die Stationierung US-amerikanischer Soldaten ruft ein nachgebautes „American Diner“ wach, das zwar nie aufsperrt oder Gäste hat, aber immer verkündet: „Ab morgen geöffnet“. Ein Spiel mit der Wirklichkeit, klug und mit einem Zwinkern.
Neben dem Kulturpreis vergibt Regensburg drei Kulturförderpreise, dotiert mit jeweils 2500 Euro: an die Malerin Barbara Muhr, an das Transit Filmfest und an die Theatergruppe St. Anton. Die Preise werden am 15. November verliehen.