Immer mehr Problem-Bauschutt im Kreis Kelheim – Deponie Haunsbach soll ihn schlucken

Von Martina Hutzler · 30. Oktober 2025 um 05:15

Bauschutt enthält immer öfter problematisches Material wie Gips und Asbest. Damit Bürger ihn im Kreis Kelheim weiterhin entsorgen können, will das Landratsamt die Deponie Haunsbach, die in den nächsten Jahren sowieso erweitert wird, auf Deponieklasse 1 auslegen. Eine Machbarkeitsstudie soll zeigen, ob das möglich ist.

Video ansehen

Im Elsendorfer Ortsteil Haunsbach befindet sich die einzige Bauschutt-Deponie, die der Landkreis Kelheim betreibt. Sie hat noch eine Restkapazität fürs Verfüllen von rund 10.000 Kubikmetern Material. Das reiche noch etwa vier Jahre, berichtete Abfallberater Manfred Meyer am Mittwoch dem Kreis-Umweltausschuss. Deshalb sei anzustreben, ab 2029 den ersten Teil des Erweiterungsgebiets „West“ verfügbar zu haben. Teil 1 und 2 sollen insgesamt 131.700 m³ Deponieraum bieten. Die Erweiterung ist schon seit 2022 genehmigt – allerdings wie bisher als Deponie der Klasse 0 (DK-0). Es dürfen also nur unbelastete und gering schadstoffhaltige Abfälle eingebaut werden.

Der Landkreis steht laut Meyer mittlerweile aber vor dem Problem, dass Anlieferungen in den Wertstoffhöfen und -zentren sowie direkt in Haunsbach, die unter die Rubrik nicht-recycelbarer Restbauschutt fallen, regelmäßig zu hohe Sulfat-Werte – wohl wegen gipshaltigem Material – und mitunter zu hohe Blei-Werte aufweisen. Das zeigen die chargenweisen Untersuchungen, die seit 2024 vorgeschrieben sind, ehe das Material endgültig in der Deponie verbaut werden darf. Außer eben, es sind Grenzwerte erhöht: Dann muss die gesamte 500m³-Charge in eine DK-1-Deponie gebracht werden.

Die Menge lasse sich zwar durch vorgeschaltetes Sieben verringern, denn die belasteten Anteile befänden sich vor allem in der Fein-Fraktion. Aber auch dann koste, bei unveränderter Annahmepraxis, die Entsorgung 120- bis 150.000 Euro mehr pro Jahr, rechnete Meyer vor. Und für Problemstoffe wie Asbest, Gips, Mineralfasern hätte der Landkreis weiterhin keine örtliche Entsorgungsmöglichkeit. Dabei werde die Menge an solchem Problem-Bauschutt in den nächsten Jahren weiter steigen, zitierte Meyer entsprechende Studien.

In Haunsbach befindet sich die einzige vom Landkreis Kelheim betriebene Bauschuttdeponie. - Foto: Archiv/Beate Weigert

Wenig bürgerfreundlich wären Verbots-Alternativen, so der Abfallberater weiter: also die Anlieferung zumindest bei den Wertstoffhöfen oder sogar auch in Haunsbach zu verbieten und die Bürger an Entsorgungsfirmen zu verweisen - so diese überhaupt genug Kapazitäten hätten. Die nächstgelegene DK1-Deponie für Selbstanlieferer sei etwa 150 Kilometer entfernt. Unterm Strich drohe also künftig mehr illegale Bauschuttentsorgung.

Lesen Sie dazu auch: Hausens Bürgermeister reicht es: Wilder Müll sorgt für Ärger

Meyers Fazit: Die beste Alternative, um Entsorgungssicherheit für die Landkreis-Bürger zu schaffen, wäre es, den Haunsbacher Erweiterungsabschnitt West von DK-0 auf DK-1 umzuplanen und dafür eine neue Genehmigung zu beantragen. Um die Akzeptanz dafür zu erhöhen, könnte man sich auf die Annahme von Kleinmengen beschränken und für die Annahme von Lkw-Ladungen („Begleitschein-Verfahren“) erst gar keine Genehmigung beantragen.

Ob, wie und zu welchen Kosten DK-1 in Haunsbach möglich wäre: Das soll bis Frühjahr 2026 eine knapp 12.000 Euro teure Machbarkeitsstudie zeigen: Diesen Vorschlag billigte der Umweltausschuss einstimmig. Mehrere Redner bezeichneten die Argumentation Meyers als schlüssig und befürworteten explizit die DK-1-Planung. Die Kreisverwaltung schätzt grob, dass dies die rund 1,1 Millionen Euro teure Erweiterung der Deponie um 300- bis 400.000 Euro verteuern würde. Eine Fertigstellung dauere etwa drei Jahre.