Kristina Voith und Matthias Heimann: Notfallretter mit Bestnoten aus Region Waldmünchen

Von Martin Hladik · 30. Oktober 2025 um 05:00

In den Reels auf YouTube und Facebook bilden Sanitäter ein eigenes Genre und erzeugen viele Klicks. Aber ist das alles wirklich so? Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit zwei frischgebackenen Notfallsanitätern gesprochen, die erst kürzlich in der Oberpfalz als Beste und Drittbester ihres Jahrgangs ausgezeichnet wurden. Und das Schönste aus Waldmünchner Sicht: Beide kommen aus dem Altlandkreis Waldmünchen.

Kristina Voith (Schönthal) und Matthias Heimann (Waldmünchen) haben die BRK-Berufsfachschule für Notfallsanitäter in Regensburg als Jahrgangsbeste und als Drittbester abgeschlossen. Kristina Voith ist deswegen sogar von Ministerpräsident Markus Söder geehrt worden. Zudem hat sie eine Reise zu Rettungssanitätern in Kanada gemacht und deren etwas andere Art zu retten kennengelernt.

Was ist ein Notfallsanitäter?

Das Gespräch mit Kristina Voith und Matthias Heimann startet zunächst gar nicht mit ihrer Arbeit als Notfallsanitäter, sondern mit einer Begriffsklärung. Was ist eigentlich ein Notfallsanitärer? Das gleiche wie ein Rettungssanitäter? Die sitzen doch alle im Rettungswagen, oder? Heimann klärt die Fragen. Zunächst starte man als Rettungsdiensthelfer. Da sei man zum Beispiel Fahrer in einem Krankentransportwagen. Der nächste Ausbildungsschritt sei der eines Rettungssanitäters. Da sei man in der Regel Einsatzkraft bei einem Krankentransport oder der Fahrer bei der Notfallrettung. Die am höchsten ausgebildete nicht ärztliche Fachkraft sei dann der Notfallsanitäter. Das werde man – wie sie auch – nach einer dreijährigen Ausbildung und mit einem Staatsexamen.

Und wie sind sie zum Roten Kreuz gekommen? Nach dem Abi habe sie eigentlich kein konkretes Ziel gehabt, erzählt Kristina Voith. Sie sei damals als Bufdi (Bundesfreiwilligendienst) zum BRK gegangen, weil ihr das schon immer gefallen habe. Und Matthias Heimann berichtet fast das gleiche. Allerdings habe er sich „spät beworben und glücklicherweise noch einen Platz gekriegt“.

Jetzt sind beide Notfallsanitäter mit Staatsexamen und der Auszeichnung, die Beste und der Drittbeste in der Oberpfalz zu sein. Macht ihnen der Beruf Spaß? Die 25-jährige Voith macht deutlich, dass ein Bürojob nichts für sie gewesen wäre. Sie wollte Kontakt mit „den Leuten“. „Eigenständig handeln und entscheiden und du kannst damit Menschen helfen“ – das sei für sie der Reiz am Beruf. Dem stimmt Heimann zu. Er führt noch die Abwechslung an. Die negative Seite des Berufs, den Schichtdienst, den hätten sie schon als Bufdis kennengelernt. „Wen das nicht abschreckt, der ist richtig!“

Die Nachfrage, ob die extremen Situationen, in die ein Notfallsanitär kommt, nicht eher das Belastende des Berufs seien, verneinen beide. „Das darf man nicht mit heimnehmen“, sagt Voith. Zudem gebe es Anlaufstellen, an die man sich wenden könne, wenn etwas schwer zu verarbeiten sei.

Und was halten sie von der Darstellung ihres Berufes in diversen Reels auf den sozialen Medien? „Das muss man differenziert sehen“, sagt Heimann. „Es gibt zwei, drei, die sind wirklich gut!“ Andere dagegen seien eher nicht zu empfehlen.

Notfälle, die keine sind

Manche wiederkehrende Darstellungen träfen nicht ganz die Realität. Den immer wieder gern angeführten Unterschied von Stadt und Land gebe es so nicht. Es sei nicht so, dass Stadtmenschen wegen Kleinigkeiten den Rettungsdienst anriefen, während Landleute tendenziell zu lange mit einem Anruf warten würden. Das Problem sei eher, dass der Notfalleinsatz zu oft angefordert werde, wenn es nur um einen Transport ins Krankenhaus ginge. Viele würden statt der Nummer des ärztlichen Notdiensts (116 117) die Rettungsdienstnummer 112 anrufen.

Rettungsdienst in Kanadas Weiten

Für ihren Erfolg bei der Ausbildung ist Kristina Voith nicht nur mit einer Auszeichnung durch Ministerpräsident Markus Söder geehrt worden, sondern über die Rotkreuzstiftung auch mit einem Aufenthalt bei Rettungssanitätern in Kanada. Genauer gesagt war sie im Renfrew County in der Provinz Ontario.

Der größte Unterschied war dabei die schiere Größe des Landes. „Wenn man bei uns vergleichsweise zehn Minuten fährt, fährt man dort schon einmal 1,5 Stunden“, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das County in der Provinz Ontario nördlich der Großen Seen ist etwa fünfmal so groß wie der Landkreis Cham und hat rund 100 000 Einwohner und damit rund 20 000 Einwohner weniger als der Landkreis Cham. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 14,5 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Weil Rettungsfristen wie bei uns aufgrund der Größe nicht einzuhalten sind, so berichtet Voith, lege man in Kanada großen Wert auf Vorsorge. Dafür sei ein System mit Vorsorge-Sanitätern aufgebaut worden, den sogenannten County Paramedics. Eine Entwicklung, so Voith, die auch in Deutschland möglich sei. Durch diese Vorsorge versuche man, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und den Rettungsdienst zu entlasten.

Voiths Fazit: „Ich bin zwar lieber hier als dort, aber Kanada war für mich wirklich eine Erfahrung. Ich komme da nie wieder hin.“