Dahoam ist Dahoam-Regisseur schreibt den Waldmünchner Trenck neu

Von Martin Hladik · 27. Oktober 2025 um 16:43

„Wir schreiben Stadtgeschichte“, sagte der Vorsitzende des Trenckvereins, Martin Frank. Und tatsächlich übertreibt er nicht: Nach 75 Jahren wird das Trenckspiel, das überregionales Aushängeschild von Waldmünchen ist, neu geschrieben und ab 2027 unter einem neuen Regisseur inszeniert werden. Dafür haben die Trenckspieler den in Bad Kötzting geborenen Thomas Stammberger gewonnen.

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In der Region ist er durch seine Inszenierungen für die Festspielgemeinschaft Bad Kötzting bekannt. Er arbeitete auch fürs Fernsehen und fürs Kino. Zudem war er Regisseur der TV-Kult-Serie „Dahoam ist dahoam“. Erfahrung mit historischen Stoffen hat Stammberger zum Bespiel bei der Überarbeitung der Agnes Bernauer-Festspiele in Straubing gesammelt.

Bevor das neue Stück 2027 auf die Festbühne kommt, so Frank, werde aber 2026 die 75. Saison des bisherigen Trenck-festspiels nach der Vorlage von Dr. Georg Walberer und zusammen mit der Regisseurin Yvonne Brosch gefeiert, die dann die 25. Saison die Regie inne hat.

Thomas Stammberger stellt sich den Mitgliedern des Trenckvereins vor. Im Hintergrund der Vorsitzende Martin Frank und Vereinspräsident Franz Löffler - Foto: wbs

Euphorie der Trenckianer

Das ist die Kurzfassung einer Pressekonferenz am Montagmorgen im Waldmünchner Rathaus, bei der Bürgermeister Markus Ackermann, die Vorstandschaft des Trenckvereins und Stammberger ihre Pläne vorstellten. Am Abend zuvor waren diese Veränderungen den rund 200 anwesenden Trenckspielern selbst nichtöffentlich präsentiert worden. Die Pläne seien mit „Euphorie und Aufbruchsstimmung“ von den Spielern aufgenommen worden, schilderte Frank, was 2. Vorsitzender Andreas Eisenhart bestätigte. Für „Gänsehautmomente“ habe auch die Vorstellung der geplanten musikalischen Elemente gesorgt. Eisenhart hob zudem hervor, dass mit dem neuen Stück auch die neue Licht- und Tontechnik der Festspielbühne genutzt werde.

Über 200 Trenckianer wollten wissen, wie die Zukunft des Festspiels aussehen wird. - Foto: wbs

„Trenck ist Waldmünchen und Waldmünchen ist Trenck“, stellte Bürgermeister Markus Ackermann die Bedeutung des Festspiels hervor. Er habe deswegen höchsten Respekt vor dem „sehr mutigen Schritt“ des Trenckvereins. Besonders bewundert habe er die Reaktion der Trenckspieler. Sie seien „offen und konstruktiv“ an die neue Aufgabe herangegangen.

Bei der Pressekonferenz stellt sich Thomas Stammberger zunächst vor. „Gut 30 Jahre lang“ verfolge er schon als gebürtiger Kötztinger das Trenckfestspiel. Er sei beeindruckt von der guten „Organisation und Stabilität“ des Vereins und von „seiner Power“.

Bei der Versammlung habe er mit den Trenckspielern auch darüber gesprochen, was am Trenck begeistert und was gut funktioniert. Das wolle er beibehalten. Stammberger machte aber auch deutlich , dass er ein vollkommen neues Stück zum Trenck scheiben und inszenieren wolle. Versatzstücke werde er nicht verarbeiten, aber Elemente wie Volk, Reiter Kanonen übernehmen.

Sein Trenck solle das sein, was das alte auch schon gewesen sei, ein „Anti-Kriegs-Stück“ – aber „mit mehr Tempo“ und „mit mehr Spannung“. Ihn interessierten Themen „wie entstehe Konflikte“ und „wie verhält sich der Mensch“ darin. Stammberger wünscht sich auch mehr Rollen für Frauen und Kinder. Zum Beispiel beim Thema: Wie gehe es einer Bürgersfrau, wenn sie zwei ihrer Söhne in den Krieg schicken muss?

„Ich will das Rad nicht neu erfinden. Vieles bisher war gut, aber ich will die Figuren in ihrer Motivation klarer machen“, sagte Stammberger. Es solle deutlicher werden, warum der Trenck so handelt, wie er handelt. Ist er nur ein ehrgeizige Kriegsherr oder auch ein Mann mit Herz, der liebt? Und warum verbringt die Kathl als entführte junge Frau Jahre mit Trenck. Liebt sie ihn oder ist das nur eine Art Stockholm-Syndrom? „Wir wollen den Zuschauer auch emotional berühren. Er soll etwas mit nach Hause tragen“, sagte Stammberger.

Am Rande der Pressekonferenz: Thomas Stamberger im Gespräch mit Bürgermeister Markus Ackermann - Foto: Martin Hladik

Dazu werde auch die Musik dienen. Johannes Molz, ein Komponist aus Regenburg, habe dazu schon einige Ideen entwickelt. Die Tontechnik der Bühne lasse sich aber auch für Effekte wie das Heranrücken des Krieges vom Hintergrund in den Vordergrund nutzen. Zudem werde es Kulissen geben, die einen Blick beispielsweise ins das Zelt Trencks, aber auch in eine bürgerliche Wohnstube erlauben. Alle Gruppen des Trenckvereins wie Volk, Reiter, Kanoniere etc. würden in das Spiel eingebaut.

Gemeinsam erarbeiten

Die ersten Workshops werde es schon im Winter geben. Was aber genau daraus entstehe, sei „ein gemeinschaftlicher Prozess“. Zudem gingen seine Absichten über 2027 hinaus. Er wolle weiter an dem Stück arbeiten. Man könne in einer Saison eher die zentralen Fragen einer Mutter, die ihre Kinder in den Krieg schickt, klären und der nächsten Saison sich auf die Fragen um die Person Trencks oder des Schwabenkatherls kümmern.

Weil Stammberger so einen Ansatz verfolge, so sagte Frank später, sei er der Richtige für die Arbeit mit Laien. Anders als bei Berufsschauspielern könne man denen „nicht einfach anschaffen, weil sie alle ehrenamtlich arbeiten“.