Wer hat die Milch in einem Kuhstall bei Cham mit Penicillin verseucht? Bäuerin äußert sich

Von Johannes Schiedermeier · 29. Oktober 2025 um 17:18

Es herrscht Nervosität und Unverständnis auf dem Nebenerwerbsbauernhof in Obertraubenbach bei Cham. Unbekannte haben dort die Milch hochdosiert mit Penicillin verseucht. Nun ermittelt die Polizei gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Die gesamte Milch im Tanklastzug musste deswegen entsorgt werden. Die Folge: 8000 Euro Schaden und ein Rattenschwanz an Folgen.

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Die Bäuerin ist vorsichtig: „Haben Sie einen Presseausweis?“, fragt sie den Reporter. Die Vorsicht hat Gründe: „Hier waren schon öfter Leute, die behauptet haben sie seien Veterinäre und so. Die wollten aber nur in unseren Stall, um Fotos zu machen und uns anzuzeigen.“ Offensichtlich war der Hof bereits mehrfach Ziel militanter Tierschützer, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen sich dort Zutritt zu verschaffen versuchten.

Ein Rattenschwanz an Folgen

Die Bäuerin (Name der Redaktion bekannt), ist eine, die mit ihren Tieren eine gute Verbindung hat. „Ich leide mit, wenn sie krank sind“, erzählt sie. 25 bis 30 Milchkühe stehen im Stall. Jeden zweiten Tag holt ein Lastzug der Molkerei die Milch dort ab. Gut 1000 Liter sind es. Das war auch an diesem Tag so. „Ich war eine gute Stunde im Stall beim Melken,. In der Zeit war die Türe der Milchkammer offen. Dort ist ja ansonsten zugesperrt“, erzählt die Bäuerin. In der Zeit muss es passiert sein: „Es bleibt eigentlich nur ein Schluss: Jemand hat das Penicillin dort eingefüllt.“

Das ist für die 47-Jährige der einzig logische Schluss. Sie zeigt ihren Stall: „Alle Kühe sind pumperlg’sund. Gottseidank.“ Schon alleine deswegen hätte es keinen Sinn gemacht, Penicillin als Antibiotikum im Stall einzusetzen. Und schon gar nicht in diesem Umfang. Die Messungen haben nach Auskunft der Polizei eine sehr hohe Dosis des Arzneimittels ergeben. Sie war derart hoch, dass der gesamte Inhalt des Lastzuges entsorgt werden musste.

Zwei Proben positiv

Die Erkenntnis , dass die verseuchte Milch tatsächlich von dem Nebenerwerbshof in Obertraubenbach stammt, beruht auf einer routinemäßigen Probe der Molkerei, die am Vortag des Abholtermins auf dem Hof gezogen wurde.

In diesen Tank haben Unbekannte vermutlich hochdosiert Penicillin eingefüllt und damit die Milch verseucht. Nun ermittelt die Polizei. - Foto: Johannes Schiedermeier

Als der Lastzug nach seiner Tour in der Molkerei abgepumpt werden sollte wurde vorher die fällige Probe gezogen und die Verunreinigung festgestellt. Bei der Prüfung der routinemäßigen Proben von den Höfen der Milchviehhalter war dann alles klar.

Polizei sucht Zeugen

Nun hat die Bäuerin Anzeige erstattet gegen Unbekannt. Die Polizei in Roding bestätigt sowohl den Sachverhalt als auch die Ermittlungen gegen Unbekannt. Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch seien angezeigt worden, heißt es im Polizeibericht. Gesucht werden Zeugen, die zwischen Dienstag, 14. Oktober, 6.45 Uhr, und Donnerstag, 16. Oktober, 6.45 Uhr, verdächtige Beobachtungen in Obertraubenbach gemacht haben.

Für den Bauernhof hat der Vorfall einen Rattenschwanz an Folgen: Der Schaden von 8000 Euro für Milch und Lastzug-Reinigung bleibt an den Stallbesitzern hängen. Dazu Besuch von Polizei und Veterinäramt. Die Molkerei zieht für November außerdem drei Cent pro Liter Milch ab. Milchkammer und Umfeld müssen künftig noch besser abgesichert werden.