„Schweren Herzens“: Berchings Stadtrat stimmt gegen den Kauf des Pettenkoferhauses

Von Bernhard Neumayer · 29. Oktober 2025 um 15:00

Die Idee klingt für viele Berchinger zu schön, um wahr zu sein: Das Pettenkoferhaus soll zu einem Bürgerhaus werden. So stellen sich das die Freien Wähler vor. Doch mit ihrem Wunsch scheitern die drei Stadträte.

So viele Zuhörer wie am Dienstagabend waren schon lange nicht mehr bei einer Stadtratssitzung in Berching. Viele von ihnen waren wegen des Pettenkoferhauses gekommen.

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Die Freien Wähler hatten einen Antrag bei der Stadt eingereicht, das Gebäude von der Kirche zu erwerben und zu einer Art Bürgerhaus für Berching umzugestalten. Bevor das Gremium darüber abstimmte, ob die Stadt in Verhandlungen mit der Kirchenstiftung treten soll, appellierte der Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler, Lothar Bierschneider, minutenlang an die Stadträte.

600 Unterschriften für das Pettenkoferhaus

Bierschneider sprach von über 600 Bürgern, die auf einer Liste für ein Bürgerzentrum im Pettenkoferhaus unterschrieben haben. „Sie erwarten von uns, dass wir handeln“, sagte Bierschneider. Er betonte, dass es heute nicht darum gehe, das Haus zu kaufen oder zu sanieren. Die Stadt solle lediglich Interesse bekunden und mit der Kirche verhandeln.

Auf Basis des Marktwertes des Pettenkoferhauses (177.000 Euro), das eine Gutachterin ermittelt hat, hatten die Freien Wähler ein mögliches Nutzungs- und Finanzierungskonzept erarbeitet.

Freie Wähler kämpfen um Pettenkoferhaus

Bierschneider weiß um die finanzielle Lage der Stadt. „Aber wir sollten mit Hirn sparen“, sagte er und führte die Kulturfabrik an. Diese zu unterhalten, koste der Stadt „mehrere Tausend Euro“ im Jahr. „Das nehmen wir hin, aber beim Pettenkoferhaus haben wir finanzielle Bedenken?“, fragte Bierschneider in die Runde und sagte, dass man das Gebäude in seinen Augen nicht sofort sanieren müsste. Für ihn sei das Pettenkoferhaus kein Luxusprojekt, sondern eine Investition in die Zukunft, um das Ehrenamt zu stärken.

Danach sprach CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Höffler. Er zollte – wie andere Stadträte – Bierschneider und den Freien Wählern Respekt für die Arbeit. Doch das Projekt sei – neben Schule und Kita – nicht zu finanzieren. Die im Konzept der FW beispielhaft angegebenen zwei Millionen Euro Sanierungskosten für das Gebäude hält Höffler für utopisch. „Da bräuchten wir das Doppelte oder Dreifache.“ Die Idee eines Bürgerhauses sei toll. „Das Herz würde ja dazu sagen, aber die Realität sagt etwas anderes“, so Höffler.

Schweren Herzens muss ich deshalb dagegen stimmen.Regina Burger (CSU)

Auch Regina Burger und Melanie Altrichter (beide CSU) betonten, wie sehr ihre Herzen an dem Pettenkoferhaus hängen. „Seit ich neun Jahre alt bin, gehe ich dort ein und aus“, sagte Burger und zählte unter anderem Gruppenstunden, Krabbelgruppe, Frauenbund und Geburtstage auf. Beide verwiesen aber auf die angespannte Finanzlage. „Schweren Herzens muss ich deshalb dagegen stimmen“, sagte Burger.

Idee eines Bürgerhauses kommt bei Stadträten gut an

Altrichter ging alles zu schnell. Sie würde sich gerne über ein Bürgerhaus unterhalten, aber vorerst intensiver damit auseinandersetzen. Manfred Rackl (CSU) regte eine Klausur dazu an. Diese Idee wurde in der Sitzung aber nicht weiter verfolgt.

Jetzt würden wir die Katze im Sack kaufen.Dietmar Zeller (SPD)

Auch Dietmar Zeller, der für die SPD im Stadtrat sitzt und 2026 als Bürgermeister für die Bürgerliste kandidiert, möchte das Projekt nicht komplett sterben lassen. Zuerst müsse man aber von einem Experten wissen, wie teuer eine Sanierung wirklich wäre. „Jetzt würden wir die Katze im Sack kaufen“, sagte Zeller und erinnerte daran, dass die SPD-Räte 2023 als einzige dafür gestimmt hätten, Kaufinteresse zu zeigen.

Wenn die Kirche einen Käufer findet, wäre das ein Segen.Roland Meyer (CSU)

Einige Stadträte sahen keine Not, das Gebäude zu erwerben. „Wenn die Kirche einen Käufer findet, wäre das ein Segen“, sagte Roland Meyer (CSU). Im Hotel Post und beim Engelwirt habe das auch funktioniert. Werner Stork (DFB) wünscht sich neben dem Altenheim seniorengerechtes Wohnen im Pettenkoferhaus.

Auch CSU-Bürgermeister Ludwig Eisenreich, der den Erwerb und die Sanierung des Pettenkoferhauses für nicht zu finanzieren hält, brachte diese Idee ins Spiel: „Warum baut die Caritas dort nicht eine Einrichtung für betreutes Wohnen oder eine Tagespflege?“

Bürgermeister bringt betreutes Wohnen ins Spiel

Um diese Ideen ging es bei der Abstimmung nicht. Das Gremium entschied über folgenden Vorschlag: Der Stadtrat beschließt, mit der Kirche in Verhandlungen über einen Erbbaurechtsvertrag einzutreten, die Erstellung eines Sanierungskonzeptes zu beauftragen und auf dieser Basis ein verbindliches Nutzungskonzept für die langfristige Belebung des Pettenkoferhauses ausarbeiten zu lassen.

Mit 15:3 lehnte das Gremium diesen Beschluss ab. Einzig die drei FW-Stadträte stimmten dafür.