177.000 Euro für Pettenkoferhaus: FW Berching treiben Idee für Bürgerhaus voran

Von Bernhard Neumayer · 14. Oktober 2025 um 05:00

Wie geht es mit dem Pettenkoferhaus weiter? Dass die Kirche das Gebäude verkaufen will und die Freien Wähler versuchen, eine Art Bürgerhaus für Berching daraus zu machen, ist bekannt. Jetzt nimmt das Thema aber wieder Fahrt auf.

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Die Freien Wähler um ihren Bürgermeisterkandidaten Lothar Bierschneider treiben die Idee eines Bürgerhauses im Wahlkampf voran. Die Fraktion hat ein 22-seitiges Nutzungskonzept und einen Antrag im Rathaus eingereicht. Das Ziel der Freien Wähler: Die Stadt soll das Pettenkoferhaus – im Idealfall auf Erbbaurecht – erwerben und basierend auf ihrem Vorschlag ein Konzept erstellen, von dem Bürger und Vereine profitieren sollen.

Geht es nach den Freien Wähler, soll das Pettenkoferhaus zu einem Treffpunkt für alle Generationen werden. „Ein Ort, an dem Jugend, Kultur, Bildung, Vereine und bürgerschaftliches Engagement unter einem Dach zusammenkommen“, schreiben sie in ihrem Antrag.

Pettenkoferhaus in Berching: Marktwert liegt bei 177.000 Euro

Das Pettenkoferhaus in Berching befindet sich in Altstadtnähe. Im Vordergrund verläuft die Sulz, rechts ist das Altenheim zu sehen. - Foto: Bernhard Neumayer

Sie stützen sich dabei auf ein Gutachten, das im Sommer erstellt wurde. Die Katholische Kirchenstiftung als Eigentümer des Pettenkoferhauses hatte es bei der Firma „HWS Werling, Schäfer und Partner Sachverständigengesellschaft“ in Auftrag gegeben. Gutachterin Petra Minges hat für das sanierungsbedürftige Haus einen Marktwert von 177.000 Euro ermittelt. Der Verkehrswert zeigt an, zu welchem Preis die Kirche das Gebäude voraussichtlich verkaufen könnte.

FW Berching wünschen sich einen Ort für Bürger und Vereine

Auf Basis des Marktwertes haben die Freien Wähler ein umfangreiches Konzept als Diskussionsgrundlage erstellt, das neben der Nutzung auch die Finanzierung und Trägerschaft thematisiert. Neben Jugendgruppen, Pfarrei, Frauenbund, Mutter-Kind-Gruppe und Berchinger Vereine soll ein Repair-Café, eine öffentlich zugängliche Werkstatt, Herzstück des Gebäudes werden – wenn es nach den Freien Wählern geht. Auch Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Vernissagen können sie sich – ebenso wie Turngruppen und Tanzschulen – darin vorstellen.

Besonderen Wert wollen die Freien Wähler darauf legen, dass die Miet- und Nutzungsgebühren „kostengünstig und fair“ gestaltet werden. Zuvor müsste die Stadt das Gebäude allerdings kaufen. Die FW präferieren dabei, den Erwerb auf Erbpachtrecht. Bei einer Erbpacht über beispielsweise 99 Jahre würde die Stadt das Grundstück und Gebäude nicht kaufen, sondern gegen einen jährlichen Erbbauzins, der an die Kirchenstiftung zu entrichten ist, nutzen.

Das sagen Diözese Eichstätt und Kirchenstiftung Berching

Doch wie stehen die Chancen, dass dieses oder ein ähnliches Konzept umgesetzt wird? Aus Sicht des Bistums Eichstätt spricht nichts gegen eine bürgerliche Nutzung, wie ein Pressesprecher auf Nachfrage mitteilt. Wünschenswert wäre eine Weiternutzung des Gebäudes im diakonischen und karitativen Sinn, heißt es aus Eichstätt.

So macht das wirtschaftlich für die Kirche keinen Sinn.

Kirchenpfleger Jürgen Hillebrand

Jürgen Hillebrand, der Kirchenpfleger vor Ort in Berching, sei grundsätzlich gesprächsbereit, was einen Pächter für das Gebäude betrifft. Er kennt aber auch das Nutzungskonzept der Freien Wähler. Und die darin vorgestellten Zahlen zu einer möglichen Finanzierung hält er für nicht nachvollziehbar. „So macht das wirtschaftlich für die Kirche keinen Sinn“, wird Hillebrand deutlich.

Denn aktuell hat die Kirchenstiftung laut Hillebrand circa 12 000 Euro Kosten pro Jahr, um das Pettenkoferhaus am Laufen zu halten. „Wenn wir das Gebäude verpachten und dadurch pro Jahr 15 000 Euro zahlen müssten, spiele ich nicht mit.“ Den jährlichen Erbpachtzins, den die Stadt nach Ansicht der Freien Wähler an die Kirche zahlen müsste, sei nicht so hoch, wie ihn sich der Kirchenpfleger vorstelle.

Kirchenpfleger ist mit Zahlen nicht einverstanden

Die FW schreiben in ihrem Konzept von drei bis fünf Prozent Erbpachtzins, was bei dem anberaumten Bodenwert von gut 68.000 Euro ein jährlicher Erbpachtzins von gut 2000 bis 3400 Euro wäre. „Wenn wir als Kirche nur 3000 Euro bekommen, aber 18.000 Euro im Jahr Miete für das Pettenkoferhaus zahlen müssten, funktioniert das für uns nicht“, argumentiert Hillebrand. Denn laut FW-Konzept könnte eine mögliche Sanierung des Gebäudes durch monatliche Mieteinnahmen der Kirche (1500 Euro) mitfinanziert werden.

Bürgermeister ist gegen Kauf des Pettenkoferhauses

Bevor es überhaupt zu Verhandlungen zwischen der Stadt und der Kirche kommt, muss der Stadtrat über den Antrag der Freien Wähler entscheiden. Das soll laut Bürgermeister Ludwig Eisenreich in „einer der nächsten Sitzungen“ passieren. Der CSU-Rathauschef selbst hält wenig von einem Erwerb des Gebäudes. „Wir sind grundsätzlich immer noch angehalten, zu sparen“, sagt Eisenreich. Die Pflichtaufgaben – wie die Erweiterung der Schule und der Neubau der Kita an der Südtangente – seien vor den freiwilligen Aufgaben zu erledigen. Und das Pettenkoferhaus zu erwerben und zu sanieren, sei für Eisenreich eine freiwillige Aufgabe.