Amtsgericht Neumarkt: Heimtückischer Angriff am Skatepark Berg oder Grillunfall?

Von Petra Schlierf · 29. Oktober 2025 um 19:00

Bald sind es zweieinhalb Jahre, die eine blutige Messerattacke auf dem Skatepark Berg (Landkreis Neumarkt) zurückliegt. Doch alle Beteiligten schienen noch unter dem Eindruck der Geschehnisse zu stehen, als sie jetzt vor dem Amtsgericht Neumarkt aussagten: das Opfer wegen der schweren Verletzungen, ein Zeuge, der von einem Trauma sprach, – und viele, die offenbar lieber schweigen.

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Es war der Vatertag 2023, als am diesem Nachmittag im Mai zwei Gruppen junger Menschen direkt am Alten Kanal aufeinander trafen. Eine Gruppe hielt sich dort bereits eine Weile auf, grillte an einem Tisch. Zu diesem Freundeskreis gehörte auch ein damals 18-Jähriger, der nun der gefährlichen Körperverletzung angeklagt war.

Zunächst kam eine zweite Gruppe hinzu, zu der das spätere Opfer gehörte, ein heute 27-Jähriger. Anders als die Griller seien die Neuankömmlinge schon sehr betrunken gewesen und es sei zu Streit gekommen, mit dem der Angeklagte und das spätere Opfer aber wohl wenig zu tun hatten.

Der verbale Disput habe sich dann wieder beruhigt, man habe beisammen gestanden, die Wogen schienen halbwegs geglättet. Was dann geschah, da widersprachen sich die Aussagen vor Gericht.

Opfer hat bis heute Schmerzen und Einschränkungen im Arm

Der Angeklagte schilderte, er habe am Grill gestanden, als er unvermittelt von hinten an den Schultern gepackt worden sei. Er habe da gerade das mindestens 20 Zentimeter lange Metzgermesser in der Hand gehabt, mit dem er das Grillgut schneiden wollte. Als er sich umdrehte, habe er aus Versehen das Opfer am Arm erwischt. Absicht sei es auf keinen Fall gewesen, beteuerte er.

Die Verletzung war so tief, dass am Unterarm sofort eine stark blutende, klaffende Wunde zu sehen war. Auf Fotos vom Tatort sind große Blutlachen zu erkennen. Ein einziger Schnitt hatte dem jungen Mann mehrere Muskeln und Sehnen durchtrennt. Viereinhalb Stunden sei er operiert worden. Noch heute leide er unter Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit, dabei sei die Heilung laut seiner Ärzte noch gut verlaufen.

Opfer: „Habe nicht einmal das Messer gesehen“

Wie es zu dem Schnitt gekommen war, daran kann sich der 27-Jährige nicht genau erinnern. Es sei sehr schnell gegangen und er sei sehr betrunken gewesen. Fast 1,4 Promille wurden bei ihm gemessen. „Ich habe nicht einmal das Messer gesehen. Sonst wäre ich nicht dazwischen gegangen. Ich habe das nur gemacht, weil ich den Streit schlichten wollte“, erklärte er vor Gericht. Er wisse aber noch, dass ihm der Angeklagte auf jeden Fall von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden habe.

Nach der Tat flüchtete der Angeklagte und versenkte das Messer im Kanal. Während zwei Polizeistreifen ihre liebe Not hatten, die aggressiven Freunde des Opfers in Schach zu halten, rief der Verdächtige wenig später selbst die Polizei und stellte sich unweit des Tatorts. Schon da habe er die Tat zugegeben, jedoch von einem Versehen gesprochen.

Hat der Angreifer das Messer zuvor in seinem Ärmel versteckt?

Diese Version untergrub ausgerechnet ein Zeuge aus der Gruppe des Angeklagten. Dem heute 20-Jährigen war es offenbar schwer gefallen, sich zu einer Aussage durchzuringen. Mehrere Vorladungen bei der Polizei hatte er ignoriert, ebenso die anderen aus der Gruppe. Nach der Tat waren alle verschwunden.

Erst ein Jahr später hatte er bei der Polizei ausgesagt – und den ehemaligen Kumpel schwer belastet. Die Messerattacke sei Absicht gewesen. Vor Gericht beschrieb er sogar, dass der Angeklagte das Messer im Ärmel seines Pullovers versteckt und dann gezielt zugestochen habe.

Amtsgericht will weitere Zeugen vorladen

Nie habe man so etwas vom Angeklagten erwartet. Das sei auch der Grund, warum er erst so spät und seine Freunde gar nicht aussagen wollten, sie hätten selbst „ein Trauma zu verarbeiten“. Aus vielen Gesprächen untereinander wisse er, dass alle seine Freunde das Verstecken des Messers gesehen hätten, aber lieber schweigen.

Dem will das Gericht nun auf den Grund gehen und sämtliche Beteiligte vorladen. Der Prozess wird fortgesetzt.